aktualisiert: 11.11.2011 11:20 Uhr
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Badminton-Länderspiel
Rasanz, Athletik und Ästhetik in Würzburg
1250 begeisterte Zuschauer sehen deutschen 5:0-Sieg im Badminton-Länderspiel
Von wegen Federball. Die 1250 Zuschauer in der prallvollen s. Oliver Arena (der Innenraum war geschickt abgeteilt) in Würzburg mussten am Mittwochabend beim Premieren-Badminton-Länderspiel schon (oder noch) hellwach sein, um dem „Match speeder“ oder auch „Shuttlecock“ mit bloßem Auge folgen zu können. Denn das Objekt der Begierde – jener Gänsekiel-Ball hat im Badmintonsport gleich mehrere Namen – wird von guten Sportlern mit einer Vehemenz über das 1,55 Meter hohe Netz geprügelt, dass die Pupillen des Betrachters schon Schwerstarbeit zu verrichten haben.
Fürwahr, es waren wirklich gute Sportler, die sich zum Ländervergleich in der Mainfranken-Metropole in dieser rasanten Sportart trafen. Auch wenn Gastgeber und Vize-Europameister Deutschland nun nicht die allererste Garde auf die beiden Parcours geschickt hatte, um die in stärkster Besetzung angetretenen Finnen mal eben locker mit 5:0 wegzufegen – den Zuschauern war's egal: Sie waren schlichtweg begeistert.
„Bei einigen Turnieren werden Preisgelder von über einer Million Euro gezahlt.“DBV-Sportdirektor Martin Kranitz
Nicht ganz von Beginn an allerdings: Die ersten 20 Minuten Begrüßung durch den Veranstalter Heinz Bußmann waren noch ein wenig gewöhnungsbedürftig – und die Athleten, die am Halleneingang warteten, fröstelten schon ein wenig. Aber jede Vorbereitung geht einmal zu Ende: Spätestens, als Oberschiedsrichter Hans Krieger aus Rheinstetten in bester Bariton-Qualität die deutsche Nationalhymne geschmettert hatte – „Ich genoss wirklich einmal Gesangsunterricht“, sagte der Diplom-Mathematiker hernach – stimmte sich das Publikum auf ein zweistündiges Sport-Feuerwerk ein.
Vor allem diejenigen, die Badminton bisher nur als nettes Rückschlagspiel betrachtet hatten, waren überrascht von Rasanz, Ästhetik, Athletik und Kraft, die von den Top-Athleten präsentiert wurden. Längst ist Badminton keine Randsportart mehr: Mehr als 20 Stunden wöchentliches Training wenden beispielsweise die Spitzenspieler der deutschen Nationalmannschaft (im Bundes-Kader sind derzeit 38 Sportlerinnen und Sportler) auf – hinzu kommen Bundesliga-Spiele und Wettkämpfe, da bleibt keine Zeit mehr für einen Beruf „nebenbei“: Martin Kranitz, Sportdirektor des Deutschen Badminton-Verbandes: „Mittlerweile verdienen die Spitzenleute gutes Geld. Vor allem bei internationalen Turnieren ist einiges zu verdienen. Schließlich werden bei einigen Turnieren Preisgelder von über einer Million Euro gezahlt.“
Da ist beispielsweise Karin Schnaase, deutsche Vizemeisterin und eigentlich „nur“ die Ersatzfrau von der Ersatzfrau der Ersatzfrau: Drei Nationalspielerinnen mussten verletzungsbedingt passen – unter anderem auch die zuvor groß angekündigte Stockstädterin Carola Bott (Fersensporn), doch die 26-jährige Sportsoldatin war keinesfalls nur vierte Wahl: mit artistischen Einlagen und cleveren Schlägen beherrschte sie die finnische Numero 1, Airi Mikkelä, beim Auftakt-Zweisatzsieg souverän. Da hatte es auf dem zweiten Platz im zeitgleichen Match das deutsche Mixed-Team Peter Käsbauer und Johanna Goliszewski schon schwerer, um gegen die Finnen Anton Kaisti und Jenny Nyström mit 2:1-Sätzen zu siegen. Es war das einzige Dreisatz-Match – die drei übrigen kurzweiligen Partien wurden vom Weltranglistensiebten gegen die Nummer 43 glatt in zwei Sätzen gewonnen.
Das happige 0:5 (die neunte Niederlage im neunten Vergleich) konnten die Finnen jedoch verschmerzen: Eetu Heino, Finnlands Numero eins, verkündete im besten Berliner-Dialekt (er schlägt für den deutschen Meister SG EBT Berlin seit 2004 auf): „Bei einem solch tollen Publikum ist auch eine Niederlage nicht so schlimm. Danke Würzburg.“
Da strahlte auch Senja Töpfer, die Organisatorin vom Sportamt der Stadt Würzburg. Die aktive Badmintonspielerin („Ich habe Karin Schnaase früher mal besiegt“) hatte es wirklich geschafft: „Es hat so recht niemand geglaubt, dass mehr als 1000 Zuschauer kommen würden. Und dass es mehr wurden, und die dann auch noch so begeistert waren, freut mich ungemein.“ Mit ihr natürlich auch den Helferstab der Badminton-Abteilung des TV Unterdürrbach, der die Sportveranstaltung reibungslos über die Bühne brachte.
Gefreut haben sich auch die jungen Badminton-Stadtmeister: Im Rahmen des Länderspiels wurden am Nachmittag in der TGW-Halle die Schulmeister ermittelt – und am Abend vor großer Kulisse geehrt: In der AK 1/2 durften Nina Jaskowiak und Gilbert Wohlfromm Urkunden von Würzburgs Sportreferenten Muchtar Al Ghusain entgegennehmen, in der AK 4/5 waren dies Tina Günther und Yiwen Hu. Das Siebold-Gymnasium und das Röntgen-Gymnasium sicherten sich die Mannschaftstitel.
ONLINE-TIPP
Eine Bilderserie vom Länderspielabend in der s. Oliver Arena finden Sie im Internet unter: www.mainpost.de/sport/wuerzburg
Badminton-Länderspiel: Deutschland – Finnland 5:0
Einzelergebnisse, Fraueneinzel: Karin Schnaase – Airi Mikkelä 2:0 (21:15, 21:14). Männereinzel: Lukas Schmidt – Eetu Heino 2:0 (21:17, 21:11). Frauendoppel: Carla Nelte/Johanna Goliszewski – Sanni Rautala/Airi Mikkelä 2:0 (21:12, 21:18). Männerdoppel: Peter Käsbauer/Hannes Käsbauer 2:0 (21:18, 21:19). Mixed: Peter Käsbauer/Johanna Goliszewski – Anton Kaisti/Jenny Nyström 2:1 (21:16, 17:21, 21:10).
Zuschauer: 1250.
Schiedsrichter: Hans Krieger, Tobias Oertel, Johannes Pertsch, Markus Schmudde, Jeannine Sitte.
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