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aktualisiert: 11.11.2009 17:47 Uhr

KÜRNACH

Schweinegrippe bei Unterfrankens Fußballer kein großes Thema

Bezirksspielleiter Christof Hille wird erst mal weiter Hände schütteln


Drei Fußballspiele sind binnen der vergangenen zwei Wochen in Unterfranken abgesagt worden, weil Akteure im Verdacht standen, an der Schweinegrippe erkrankt zu sein. Von Panik oder Hysterie aber ist die Szene weit entfernt.

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Wenn Christof Hille die nächsten Wochen in seiner Mission als Bezirksspielleiter der Fußballer durch die Lande zieht und mitunter den Handschlag verweigert, dann hat dies nichts mit schlechten Manieren oder Unhöflichkeit zu tun. Wie so viele von der medialen Hysterie getroffenen Bundesbürger bereitet sich auch Hille dieser Tage darauf vor, sich gegen die so genannte Neue Grippe – landläufig als Schweinegrippe bekannt – zu wappnen. Noch verzichtet Hille nicht aufs Begrüßungsritual, doch wenn das Virus weiter grassiert, so sinniert der in hiesigen Fußballbreiten weit herumkommende Kürnacher, „ist die Frage, ob man noch jedem die Hand geben muss“.

„Man muss vorsichtig sein, dass diese Großzügigkeit nicht ausgenutzt wird.“

Christof Hille zu unbürokratischen Spielabsagen

Die Unsicherheit hierzulande, wie auf die „aufregenden Vorboten einer möglicherweise bevorstehenden Epidemie“, so die Frankfurter Allgemeine in einer ihrer jüngsten Ausgaben, zu reagieren sei, ist allenthalben sehr groß. Hille rät, dem Thema „sensibel gegenüberzustehen, aber es nicht zu dramatisieren“.

Für die Vereine soll es noch in dieser Woche Empfehlungen des Bayerischen Fußballverbands geben, die auf Grundlage einer Sitzung von acht Sport-Weltverbänden in der vergangenen Woche gefasst worden sind.

Die Dachverbände von Baseball, Basketball, Cricket, Eishockey, Handball, Schwimmen, Volleyball und Fußball haben sich dabei im schweizerischen Lausanne auf den kleinsten Nenner an Präventionsmaßnahmen verständigt. Den Athleten wird geraten, sich impfen zu lassen – und wer mit dem H1N1-Erreger infiziert ist, soll für zumindest sieben Tage allem Sport entsagen.

Mediziner halten Wettkampf- und Trainingsstätten für Keimzellen der Seuche, nicht nur für Sportler, die sich auf dem Spielfeld sehr nah kommen, sondern auch für die Masse der Zuschauer, die sich auf den Tribünen drängt. Bei der Champions-League-Partie von Dynamo Kiew gegen Inter Mailand sah man in der vergangenen Woche zahlreiche ukrainische Fans, die einen Mundschutz trugen.

Auch in Deutschland häuften sich zuletzt die Spielabsagen wegen Grippealarm. Im Fußballkreis Rhön wurden an den vergangenen beiden Wochenenden insgesamt drei Spiele abgesetzt – wegen des „Verdachts“, wie Hille betont, dass Spieler an der Neuen Grippe erkrankt seien. Bislang hat der Bezirksspielleiter unbürokratisch auf die Meldungen der Klubs reagiert. Ein Anfangsverdacht genügte. „Man muss vorsichtig sein“, sagt der in dieser Hinsicht aus Erfahrung skeptische Christof Hille, „dass diese Großzügigkeit nicht ausgenutzt wird.“ Ob demnächst Atteste vorzulegen seien, ließ er allerdings offen. Wo der Spitzenfunktionär in den vergangenen Tagen auch Station gemacht hat („Ich komme ja viel herum“), Panik oder Hysterie hat er nie gespürt.

Das passt zur sachlichen Einschätzung Björn Auers, jahrelang beim Würzburger FV aktiv und seit Sommer einer der Spielertrainer des Bezirksoberligavereins TSV Sulzfeld. Der 30-Jährige macht sich derzeit in Ausübung seines Sports „wenig Gedanken“ um eine Ansteckung und sieht „viel von den Medien aufgebauscht“. Dass an der normalen Grippe jährlich einige Tausend Menschen stürben, werde in der aktuellen Diskussion vielfach vernachlässigt.

Während sich die Spieler in Schweden nach dem Abpfiff nicht mehr die Hände schütteln sollen und der rumänische Verband das Spucken auf dem Rasen verboten hat, reagiert der Spitzenfußball hierzulande noch gelassen. Die Bundesligaklubs Hertha BSC Berlin, 1. FC Nürnberg und FC Schalke 04 haben ihre Profis gebeten, sich gegen die herkömmliche Influenza impfen zu lassen. Ob die Akteure es tun werden, ist ungewiss. Wie so vieles dieser Tage.


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