publiziert: 17.08.2011 18:33 Uhr
aktualisiert: 18.08.2011 22:00 Uhr
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Einwurf: Ungeliebtes Tafelsilber

Bleibt Raúl ein Schalker? Gegen welches Leibchen tauscht Diego sein Wolfsburger? Personal-Schiebereien nach Saisonbeginn sind eine Unsitte. Beispiele gibt's zuhauf, wie das skurrile des Frankfurters Marco Russ, der nur im ersten Spiel auflief, um dann für sich und die Eintracht gewinnbringend nach Wolfsburg zu wechseln.

Das mit dem Profifußball ist halt so eine Sache: Das letzte bisschen Sozialromantik aus dem Hinterstübchen gekehrt, bleibt von sportlicher Ethik nichts übrig. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Spieler Vereine an der Nase herum führen. Und auch nicht, dass Vereine mit Spielern handeln, als wären sie Frisch- oder Gammelfleisch.

Letzteres ist Raúl weiß Gott nicht. Er ist – absolut nachvollziehbar – unzufrieden, weil Trainer Ralf Rangnick ihn nicht nehmen will, wie er ist. Und da seine fortgeschrittene Karriere nicht mehr viel Spielraum lässt, will er, wenn er denn weg will, bitteschön zu einem Champions-League-Klub. Das macht aber nur Sinn, wenn er für S04 nicht international eingesetzt wird. Und schon steht Raúl nicht im Aufgebot fürs Europa-League-Play-off in Helsinki. Der Grund – auch wenn offiziell dementiert: Wenn sich ein Verkauf des Spaniers lohnen soll für Schalke, dann nur zu einem Branchenriesen. Bloß keine Chance verbauen, so die Taktik.

Auch in der VW-Stadt taktieren sie. Da darf Querulant Diego nicht mehr spielen, weil Trainer Felix Magath das nicht will. Aber weg darf er auch nicht. Richtig: Weil es sich für den VfL lohnen soll. Vier Millionen Leihgebühr aus Madrid stehen halt in keinem Verhältnis zu den 15 Millionen Ablöse nach Turin.

Auch wenn die Fälle Raúl und Diego unterschiedlich gelagert sind, gemein ist ihnen die Profitgier der Klubs auf Kosten der Kicker. Ermöglicht wird die Last-Minute-Schacherei durch eine unsinnige Transferperiode bis 31. August, die einzig dem Zweck dient, den Vereinen die Gelegenheit fürs Verhökern des ungeliebten Tafelsilbers zu bieten.

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Bauer
    
    

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