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aktualisiert: 07.02.2010 20:46

Schöne alte Fußballwelt

Schöne neue Welt: ein Handy-Benutzer – und wer ist das nicht? – ist mittels GPS per Satellit aus dem Weltraum zentimetergenau zu orten. Wo immer wir uns gerade befinden, wir sind per iPhone, iPad oder i-was-weiß-ich-noch-alles erreichbar. Besitzer von Payback-Karten geben freiwillig ihr Kaufverhalten preis. Nutzer von sozialen Netzwerken im Internet stellen persönlichste Daten online. Nur das runde Leder will weiter partout nicht verraten, wo es sich gerade befindet, geschweige denn per eingebautem Chip Daten von sich preisgeben.

So erklärt sich Felix Magaths Ärger über das nicht gegebene Schalker Tor beim 0:0 in Freiburg. Bordon hatte in der 47. Minute geköpft, der Ball sprang von der Unterkante der Latte – die Zeitlupe zeigte es eindeutig – klar hinter die Torlinie. Schiedsrichter Jochen Drees verweigerte dem Treffer aber ebenso die Anerkennung wie sein Assistent an der Linie. Und auch der Ball selbst verweigerte strikt die Aussage, dass er sich im Tor befunden hatte. Lässt er sich doch seit Jahren nicht dazu überreden, sein Innenleben mit technischem Schnickschnack ausstatten zu lassen.

„Uns wurde ein klares Tor verwehrt“, klagte denn auch Schalke-Stürmer Kevin Kuranyi. Ein Tor zudem, das die Knappen vielleicht bis auf einen Punkt an das Spitzenduo Leverkusen/Bayern herangebracht hätte. Verständlich also, dass Magath der Kragen platzte, er die Schiedsrichter beschimpfte („Amateure!“) und vehement die Einführung eines Chips im Ball und den Videobeweis forderte. Selbst sein Kontrahent, Freiburg-Coach Robin Dutt, pflichtete bei: „Es wäre ganz einfach, eine Torkamera zu installieren.“

Chip im Ball, Torkamera, Videobeweis – wollen wir das wirklich? Konsequenz wäre irgendwann ein Spiel ohne Schiedsrichter, beäugt von zahllosen Kameras und Scannern rund ums Spielfeld, bei dem ein datenlesender Ball auf Nanotechnologie-Kunstrasen von chip-bewehrten Fußballschuhen getreten wird. Ein Mega-Computer würde alle Daten auswerten, bei Foul, Abseits, Schwalbe oder Tor per Lautsprecher-Pfiff einschreiten und seine Entscheidung auf der Video-Leinwand kundtun. Die Folge: ein fehlerlos bewerteter, aber auch arg seelenloser Kick. Dann doch lieber ein paar Fehlentscheidungen – schöne alte Fußballwelt!

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