publiziert: 06.02.2012 16:36 Uhr
aktualisiert: 07.02.2012 10:31 Uhr
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Boy: Songs per E-Mail

Die Band über Boygroups, Grönemeyer und die Entstehung von Liedern

Die Geschichte der Band Boy klingt wie ein modernes Märchen: Zwei junge Frauen treffen sich zum ersten Mal während ihres Musikstudiums in Hamburg. Anschließend schicken sie sich ein paar Song-Ideen übers Internet zu. Daraus entsteht ein Sommer-Hit namens „Little Numbers“, und ehe sich das Duo versieht, findet sich ihr Debütalbum „Mutual Friends“ auf Platz 9 der deutschen Charts wieder. Am 27. Februar treten Boy in der Posthalle in Würzburg auf. daily X hat sich vorher mit Sängerin Valeska Steiner getroffen, um mit der Musikerin aus Zürich ein bisschen zu quatschen.

  • Sie treten am 27. Februar in Würzburg auf: Valeska Steiner (links) und Sonja Glass von der Band Boy.
    Foto: Inga Seevers
Bild von
Frage: Wie kommen zwei junge Frauen auf die Idee, sich den Namen Boy zu geben?

Valeska Steiner: Wir haben sehr lange nach einem passenden Namen gesucht und sind einfach nicht fündig geworden. Am Wichtigsten war es uns, dass der Name einen direkten Bezug zu uns hat. Nachdem uns nichts Passendes eingefallen ist, dachten wir: Nehmen wir doch einfach einen Begriff, der das komplette Gegenteil von uns ist! Da sind wir auf „Boy“ gestoßen. Das sieht schön aus und ist kurz und prägnant.

Habt ihr eine Lieblings-Boygroup?

Valeska: (lacht) Die Frage hat uns bisher noch niemand gestellt. Also meine Lieblings-Boygroup sind die Beatles.

Euer Album „Mutual Friends“ hat es bis auf Platz 9 der deutschen Charts geschafft. Was hat sich dadurch für euch verändert?

Valeska: Wir freuen uns darüber, dass wir jetzt öfter die Möglichkeit haben, live zu spielen. Mir gefällt es, bei Konzerten den Menschen ins Gesicht zu schauen und zu spüren, dass ihnen unsere Songs wichtig sind. Ich mag den Gedanken, dass unsere Musik, die zu Hause im stillen Kämmerlein entstanden ist, plötzlich auch für andere Leute eine Bedeutung hat, weil sie ihr eigenes Leben damit untermalen.

Ihr habt einen Plattenvertrag bei Herbert Grönemeyers Label „Grönland Records“ unterschrieben. Habt ihr Grönemeyer mal persönlich kennengelernt?

Valeska: Ja, er war bei der Plattenvertragsunterzeichnung dabei und hat uns willkommen geheißen. Wir waren in dem Moment überhaupt nicht darauf vorbereitet, fanden es aber sehr schön, dass er sich extra Zeit für uns genommen hat.

Euer Song „Skin“ erzählt die Geschichte einer unsicheren, jungen Frau. Sie versucht ihrem Umfeld anhand von hübschen Fotos zu verklickern, dass ihr Leben perfekt ist. Was rätst du jemanden in einer solchen Situation?

Valeska: Man sollte sich vor allem an die Menschen halten, die einen auch dann mögen, wenn es einmal nicht so gut läuft. Der eigene Alltag ist eben nicht immer spannend, aufregend und lustig. Deshalb macht es auch keinen Sinn, sich den ganzen Tag auf Plattformen wie Facebook herumzutreiben, auf denen es vor allem darum geht, sich als äußerst interessanten Menschen in Szene zu setzen. In Wahrheit ist es doch so: Auch das Leben der anderen ist nicht immer eine einzige große Party, denn auch in deren Alltag gibt es Momente, in denen nicht alles so schrecklich schön glitzert.

Ihr habt euch eure Songs während der Aufnahmen per E-Mail zugeschickt. Warum habt ihr euch nicht persönlich zusammengesetzt?

Valeska: Wir haben es versucht, aber es hat einfach nicht funktioniert. Wir saßen zu Beginn der Aufnahmen gemeinsam in einem Zimmer, haben dann aber gemerkt, dass wir auf diese Weise nicht weiterkommen. Jedes Mal, wenn wir zusammen waren, fühlten wir uns unter Druck gesetzt. Wir hatten dann das Gefühl, dass es jetzt besonders schnell gehen muss.

Und dann?

Valeska: Hat einfach jeder für sich allein weitergearbeitet. Sonja war für die Musik zuständig und ich für die Texte. Unsere Song-Entwürfe haben wir uns dann gegenseitig per E-Mail zugeschickt. Erst gegen Ende gingen wir dann noch einmal gemeinsam mit unserem Produzenten ins Studio und haben die Songs in ihrer endgültigen Fassung aufgenommen.

Wenn dich eine junge Musikerin nach einigen Tipps für ihre Karriere fragen würde, was würdest du ihr raten?

Valeska: Das Wichtigste ist, für sich selbst herauszufinden, was eigentlich das Besondere an einem ist. Und genau das sollte man dann in seine Musik mit einfließen lassen. Ich denke, es macht keinen Sinn, sich als Musiker irgendwie dem Massengeschmack unterzuordnen. Wir haben immer wieder von Plattenfirmen zu hören bekommen, dass sie nicht wissen, wie sie uns vermarkten sollen. Trotzdem haben wir uns von niemandem in unsere Musik hineinreden lassen und sind am Ende auch sehr glücklich mit dieser Entscheidung.

Das Interview führte Alexander Nickel-Hopfengart
    
    

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