aktualisiert: 29.03.2011 17:17 Uhr
Text
Text
Der Würzburger Liedermacher Spaceman Spiff hat sein zweites Album veröffentlicht
Der Liedermacher Hannes Wittmer alias Spaceman Spiff macht „sentimentale Scheiße“. Das klingt hart, stammt aber von ihm selbst. Sein Myspace-Account hat die Adresse: www.myspace.com/sentimentalescheisse. Der gebürtige Würzburger und Wahl-Hamburger hat verstanden, dass man der Welt am besten mit ein bisschen Ironie gegenübertritt – erst recht, wenn man in musikalischer Hinsicht sein Herz ausschüttet. Nun ist sein zweites Album erschienen. Es heißt: „Und im Fenster immer noch Wetter“.
Die Hamburger Kollegen von Kettcar singen in einem ihrer Songs: „Auf jedem Begräbnis gibt es einen guten Lacher.“ Ein Satz, der auch von Hannes stammen könnte. Er verwischt in seinen Texten die Grenze zwischen schwarz und weiß. Vor etwa drei Jahren erschien sein Debütalbum „Bodenangst“ (2008) mit elf Songs, die er alle in einem Rutsch einspielte.
Die Platte ist ein poetisches Lippenbekenntnis mit akustischer Gitarre. Im seinem Song „Nächstes Mal Riesenrad“ heißt es: „Das kleine Feuerwehrauto in Flammen, die Ironie kann jeder sehn, die Lösung ist das Rätsel, die Rettung das Problem. Irgendwas ist abgebrannt, hat es das verdient? Von dir kam das Feuer, ich war das Benzin.“ Mit Zeilen wie diesen macht Spaceman Spiff deutlich, dass seine Texte sein größtes Kapital sind. Und die stehen auch auf seiner zweiten Platte im Mittelpunkt.
Mit dem interpretationsfähigen Titel „Und im Fenster immer noch Wetter“ möchte der Musiker vor allem ausdrücken, dass „trotz der großen Veränderungen der letzten beiden Jahre immer wieder die gleichen alten Gefühlszustände und Alltagssituationen in veränderten Formen wiederkehren“, so Hannes. Noch immer führt er auf dem neuen Album eine intime Liebesbeziehung mit seiner Gitarre, er öffnet sich aber auch anderen Einflüssen. So kommen diesmal auch Cello, Klavier, Schlagzeug, Geige und Kontrabass zum Einsatz. „Es ging darum, musikalisch einen Schritt weiterzugehen und mich nicht zu wiederholen“, sagt Hannes. „Ich habe früher schon acht Jahre in einer Band gespielt. Daher wusste ich, wie es sich anfühlt, nicht mehr alles allein im Griff zu haben.“
Um sich voll auf die Musik konzentrieren zu können, hat Hannes, der als ehemaliger Praktikant des Jugendkulturhauses Cairo und des U&D-Festivals immer eine enge Bindung zur Würzburger Kulturszene pflegte, vor zwei Jahren sein Sportstudium hingeschmissen. Er zog aus dem Zellerauer Dencklerblock aus und weg nach Hamburg. Von Heimweh blieb der 25-Jährige dort weitgehend verschont. „Ich hatte gar keine Zeit, Würzburg zu vermissen. Ich war ja ständig wieder da“, erzählt er. Einer der Gründe dafür war, dass er sein neues Album mit Produzent Jürgen Daßing im Tonstudio Würzburg einspielte.
Außerdem ist Hannes inzwischen auch unter die Literaten gegangen. Sein neues Album wird seltsamerweise nicht von einer Plattenfirma, sondern vom Independent-Buchverlag Mairisch veröffentlicht. Der Kontakt kam zustande, weil er gemeinsam mit dem Hamburger Autor Finn-Ole Heinrich ein Hörspiel aufnahm („Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf“) – ebenfalls im Würzburger Tonstudio. Spaceman Spiff steuerte drei Songs für das literarische Projekt bei, das im vergangenen Jahr bei Mairisch erschien. „Aus Freundschaft“, so Hannes, veröffentlicht der Verlag nun auch seine Platte.
Ob als Musiker oder als Autor – Spaceman Spiff Hannes vertraut vor allem auf seine Intuition. Und wenn er sich dabei auch mal fühlt „wie ein Schneemann, dessen Lieblingsmonat Mai ist“, dann ist es zumindest tröstlich, dass am Ende eine charmante Songzeile dabei rausspringt.

Wetter
