publiziert: 17.07.2013 14:28 Uhr
aktualisiert: 17.07.2013 17:24 Uhr
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MC Fitti: „Ich bin ein Kunstwerk“

Der Spaßrapper hat sein erstes Album "#Geilon" veröffentlicht

„Eigentlich bin ich komplett unmusikalisch, spiele überhaupt gar kein Instrument und kann auch nicht singen“, sagt MC Fitti. Der Mann bringt somit die idealen Voraussetzungen für eine kleine Popkarriere im Sommer 2013 mit. „#Geilon“ ist der Titel des Albums, schön mit Hashtag, wie man ihn von Twitter kennt. Eine seiner Nummern heißt „Whatsapper“, eine andere „#Yolo“, hier ist also alles so richtig schön Internet 3.0. Fitti macht den Soundtrack für die Generation mit Smartphone-ADHS. Künstler wie MC Fitti bezeichnet man gern als „Phänomen“, wenn man nicht weiterweiß.

  • Foto: Oliver Rath
    Seine Markenzeichen sind Vollbart, Sonnenbrille und Baseballkappe: MC Fitti will unerkannt bleiben. Deshalb verrät er auch nicht, wie er mit bürgerlichem Namen heißt und wie alt er ist.
Bild von

Doch wer ist der Kerl überhaupt und was will er? Zunächst einmal: Über seinen wirklichen Namen weiß die Öffentlichkeit nichts und sie soll auch nichts erfahren. „Ich bin Fitti, das reicht doch“, sagt Fitti. Hört sich ja auch ganz griffig an. Sein Alter ist ebenfalls unbekannt und geheim. Da passt er auch auf. Fragt man ihn, den gelernten Kulissenbauer aus einem Dorf bei Braunschweig (das darf man immerhin wissen), wie lange er in seinem Handwerkerberuf gearbeitet hat, bevor er hauptamtlich ins Unterhaltungsfach gewechselt ist, dann bekommt man die clevere Antwort: „Seit der Lehre.“

Der Umweg zu seiner Musik führte ihn dann über die Kunst. Fitti sprüht Graffitis, dreht kleine Videos, träumt von einer eigenen Ausstellung. Zwischenzeitlich nach Berlin, Bezirk Friedrichshain, übergesiedelt, macht er ein Praktikum in einer Werbeagentur, zieht mit ein paar Ähnlichgesinnten in eine Künstler- und Kiffer-WG, lernt Leute kennen, darunter den Produzenten Udo Zwackel, und nimmt erste Lieder auf. „#Yolo“ kommt direkt gut an, auch „Du willst sein wie Fitti“ schlägt insbesondere im Mitmachinternet recht hohe Wellen.

Nächster Schritt: Ein ganzes Album. Zwei Jahre lang ist „#Geilon“ in der Mache. „Wir haben einfach aufgenommen, worauf wir Bock hatten“, sagt der MC. „Ich habe weniger Grenzen und Berührungsängste als die meisten anderen Musiker.“ Seinen amateurhaft-charmanten Sprechgesang unterlegt er mit allem, was gefällt, mit Disco, Techno, HipHop. Haupteinfluss sei Snoop Dogg, aber auch Nirvana, Guns’n’Roses und Eric Clapton mag er gern. Auch illustre Gäste geben sich auf dem Album die Ehre, unter anderem Marsimoto, Moonbootica und Kraftklub-Sänger Felix Brummer machen mit.

„#Geilon“ ist ein Partyalbum. Und MC Fitti ist ein Spackenrapper , der Spaßmusik macht. Und den trotzdem oder deswegen auch die coolen Kids vom Schulhof mögen, „zu meinen Shows kommen viele Studenten und Medienleute“, sagt er. Und auch viele Kinder.

Allerdings möchte Fitti trotz der Textzeile „Mein Steuerberater ist einer von den Atzen“ nicht auf besagte Kollegen angesprochen werden, „das Thema soll rausbleiben“, sagt er. Vermutlich sind die prolligen Atzen kein cooler Vergleich, auch wenn sich deren Musik genauso gut zum Abhängen, Tanzen und massivem Biertrinken an heißen Tagen eignet wie die Songs von Fitti. „Ich bin als Typ positiv drauf, mir geht es gut, und das will ich auch in der Musik rüberbringen. Ich könnte jetzt nichts von Schießereien erzählen, denn Schießereien sind am Ostkreuz in Berlin eher selten.“

Beherrschendes Thema auf „#Geilon“ ist: MC Fitti. Schon sehr selbstreferenziell, diese Texte, und auf Dauer wiederholt sich vieles. „Ich bin der Typ, der ein abwechslungsreiches, spaßiges Leben führt, aber der sich auch mal die Hose kaputt reißt am Arsch, wenn er auf dem Weg zu einer Hochzeit über eine Mauer klettert.“ Soll heißen: Fitti ist ein krasser Hecht, nur ernst nehmen sollte man ihn nicht.

Freilich wäre MC Fitti ohne Bart, Brille und Baseballkappe höchstens die Hälfte wert. Die Verkleidung ist ziemlich genial, denn genau genommen ist es praktisch keine Verkleidung. Der moderne Hipster läuft ja zu Hunderttausenden so rum, allenfalls ist die durchschnittliche Barthaarlänge in der Regel geringer. Ist MC Fitti also in Wirklichkeit ein subversiver Hipster-Verarscher? „Das ist eher Zufall mit dem Bart. Den habe ich nicht erst seit gestern, und im Moment ist das der totale Trend. Außerdem: Auch Hipster sind Menschen.“ Letztendlich sei MC Fitti eine Kunstfigur und auch wieder keine. Schwierig. „Ich weiß es selbst nicht so richtig, ich spiele ja nichts vor. Ich denke, ich bin ein Kunstwerk.“

Man wird weiterhin von ihm hören. Beim „Bundesvision Song Contest“ am 26. September tritt MC Fitti für Berlin an.

Von unserem Mitarbeiter Steffen Rüth
    
    

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