aktualisiert: 10.08.2012 14:46 Uhr
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Metal-Konzert in Würzburg: Ausdrucksstarkes Grunzen
Neben der Death-Metal-Größe Six Feet Under überzeugten in der Posthalle auch die Würzburger Kain und Sasquatch
Wer grunzt am besten? Klar: Chris Barnes. Der Death-Metal-Pionier und Frontmann von Six Feet Under schwingt nicht nur seine ellenlangen – sind da eigentlich Extensions im Spiel? – Dreadlocks exzellent, er ist auch der Inbegriff der gepflegten Growls. Und ohne diesen grunzigen Gesang kommt diese düster-brachiale Spielart des Heavy Metal nicht aus.
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Ikone: Chris Barnes (Six Feet Under).
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Ambitionierte Frischlinge: die Würzburger Death-Metaller Sasquatch.
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Lautstark trotz Handicap: David Seifert, Sänger der Würzburger Black-Metal-Band Kain, braucht nach einem schweren Unfall für seine Auftritte derzeit einen Rollstuhl.Fotos: Christoph Weiss
Für viele junge Musiker sind Six Feet Under noch immer Götter des Genres. Auch für die Würzburger Bands Kain und Sasquatch, die im Vorprogramm den Teppich für Barnes und Co. ausrollen. Und das tun sie richtig gut. Sasquatch wirken zwar ein bisschen brav, arbeiten am Instrument aber präzise. Sie schrammeln in dieser Besetzung erst seit drei Jahren, den ersten Auftritt gab's 2010. Die fünf Mittzwanziger sind überwiegend Studenten. Wie Drummer Philipp Weber. Er stieß zu der von den Brüdern Simon und Markus Metzger als Cover-Band gegründeten Kapelle – mitten in einer Umbruchphase. Plötzlich ging's Richtung Death Metal, „auch wenn ich gern etwas progressive Spielart einstreue“, so Weber.
Relaxt lümmelt der Schlagzeuger nach dem Auftritt im Sofa. Unaufgeregt beantwortet er die Frage, warum im Death Metal überhaupt Texte geschrieben werden, wenn man die Grunzer eh kaum versteht: „Unser Sänger hat es drauf, die Texte verständlich rüberzubringen.“ Alternative Klargesang? „Nein. Die Message kommt so besser rüber. Text und Musik müssen zueinander passen. Die gesangliche Ausdrucksform ist dafür da, bestimmte Gefühlszustände darzustellen. Mit Klargesang wäre das nicht so authentisch.“ Bei Themen wie Krieg, Tod oder schlicht Gesellschaftskritik scheint das schlüssig.
Sasquatch ziehen ihr Ding kompromisslos durch, erarbeiten sich aber bedeutendere Gigs. Das Werk von Gitarrist Simon Metzger: „Ich stecke neben der Arbeit meine ganze Restenergie in die Band, komme kaum eine Nacht vor Zwei ins Bett.“ Und der ganz große Wurf? Weber: „Als ich in Wacken war, hab ich mir gedacht, auf einer der kleineren Bühnen hätten wir auch stehen können.“ Realistischer: die erste CD.
Diese, wie auch Auftritte auf größeren Festivals, haben Kain schon hinter sich. Die Würzburger Black-Metal-Band spielte jüngst auf dem „Metalfest“ in Dessau und auf der Loreley, stand sogar auf dem Plakat, wenn auch klein rechts unten. Immerhin. „Wir sind zufällig zu einem Label und zur ersten CD gekommen“, erinnert sich Gitarrist Max Landeck an die Anfänge der fünfjährigen Band-Geschichte. „Danach haben wir das aber ernster genommen.“ Black Metal mit Keyboards – eine Kombination an die sich meist nur Szene-Größen wie Dimmu Borgir wagen. Den Ball halten die Frischlinge dennoch flach: „Unsere Intention war es nie, Geld mit der Musik zu verdienen“, sagt der 23-jährige Student für Computersysteme und man ist geneigt, Landeck angesichts der für nur acht Euro im Foyer feil gebotenen Band-Shirts zu glauben. „Wir wollen lieber viele Gigs spielen. Wenn die Leute dabei abgehen, umso besser.“
In der Posthalle gehen sie ab. Was Sänger David Seifert die Laune aufpoliert. Er sitzt diesen Abend im Rollstuhl, zahlreiche Brüche in Folge eines schweren Unfalls zwingen ihn derzeit zum Sitzen. Seine Stimmbänder sind unverletzt geblieben, er rundet die interessanten Arrangements seiner vier Kollegen vergleichsweise breitbandig ab. Kain ist der Sprung über die Provinzgrenze zuzutrauen, aktuell kümmern sich die Würzburger jedoch um die Szene ihrer Heimat. Letzten Monat veranstalteten sie mit dem „TNT“ das erste Metal-Open-Air der Stadt seit langer Zeit.

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