publiziert: 01.07.2011 19:13 Uhr
aktualisiert: 01.07.2011 19:18 Uhr
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Dahoam ist nicht Dahemm

Tag der Franken

Am Festtag in Bad Kissingen präsentieren sich die drei fränkischen Bezirke als eigene Einheit innerhalb Bayerns. Aber ist der 2. Juli nur ein Spaß-Event oder der Schrei nach mehr Geltung? Über das komplizierte Verhältnis zum weißblauen Bruder.

  • Zeichnung: Eo Borucki
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Kann man als Franke seinen Silvaner auch an einem Biertisch mit weißblauer Rauten-Papierdecke genießen? Sind Mädchen, die im Dirndl über das Weindorf hüpfen, dem Franken ein Dorn im Auge? Und was bekommt der Tourist zu hören, der fragt, was das mit diesem „Franken“ soll, wo er doch Urlaub in Bayern machen wollte?

Mitglieder des Fränkischen Bundes würden sich in solchen Situationen provoziert fühlen. Neben ihnen kämpft seit gut eineinhalb Jahren auch die politische Partei „Die Franken“ für eine stärkere Stellung der drei fränkischen Regierungsbezirke in Bayern. Der Durchschnittsfranke misst solchen Details weniger Bedeutung zu. Für die Einführung eines Tages der Franken haben sich 2006 jedoch fränkische Abgeordnete aller großen Parteien eingesetzt.

An diesem Wochenende wird der Festtag zum sechsten Mal begangen, heuer in Bad Kissingen. Man kommt zusammen aus Ober-, Mittel- und Unterfranken, singt und trinkt und zelebriert die fränkische Kultur. Die Franken scheinen das Bedürfnis zu haben, sich als Einheit zu präsentieren. Fühlen sie sich trotzdem wohl im Freistaat Bayern? Oder wären sie als Region gern stärker vertreten? Und wo genau sollte es „mehr Franken“ geben?

Im Fernsehen beispielsweise vermisst der ein oder andere ein fränkisches Äquivalent zu Kultserien wie „Dahoam is Dahoam“. Immerhin finanzieren die fränkischen Steuerzahler ein Drittel der bayerischen Rundfunkgebühren, betont die Frankenpartei in ihrer Agenda. Dafür sei der Bayerische Rundfunk zu stark von einer „weißblauen Leitkultur“ geprägt. In der Krimiserie „Tatort“ hatten die Franken nur kurzzeitig eine Rolle: einen schrulligen Assistenten, durch den sie eher veralbert als repräsentiert wurden. Warum nicht auch Würzburg oder Nürnberg Schauplatz sein lassen, fragt die Frankenpartei. In anderen großen Bundesländern gibt es auch mehrere Kommissar-Teams. „Die Tatortserie, die in München gedreht wird, ist sehr erfolgreich“, sagt Martin Wagner, der das BR-Studio Franken leitet. „Den Ort und das Team zu wechseln wäre problematisch.“ Außerdem gebe es fränkische Sendungen – „Fastnacht in Franken“ zum Beispiel. Im Vergleich zu den Altbayern, meint Wagner, hielten sich die Franken sehr zurück. „Deswegen gibt es das Studio Franken“.

„B“ wie peinlich

Besonders deutlich wird ihre zurückhaltende Art in Sachen Dialekt, stellt Eberhardt Schellenberger vom BR-Studio Würzburg fest. Der Oberbayer spreche ganz stolz Bayerisch während der Franke versuche, Hochdeutsch zu reden. Peinlich findet Schellenberger das, weil man „d“ und „t“, „b“ und „p“ ja doch vertausche. Dabei könne man mit dem fränkischen Dialekt durchaus Erfolg haben – der Kabarettist Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig mache es vor.

Erfolgreiche Franken scheinen mit bayerischen Helden jedoch nicht mithalten zu können. „Karl der Große wird in Geschichtsbüchern auf drei Seiten abgehandelt, danach kommt nur noch Ludwig II.“, klagt Robert Gattenlöhner, Vorsitzender der Frankenpartei. Manchmal komme ihm Franken wie eine kleine, aufgekaufte Firma vor, die vom Riesenkonzern Bayern stets zu spüren bekomme, dass sie nur übernommen ist. Vernachlässigt wird die Region Franken seiner Meinung nach in vielerlei Hinsicht: finanziell, entwicklungstechnisch und kulturell.

Dass einige bedeutende Kulturgüter aus dem fränkischen Raum in Münchner Museen aufbewahrt werden, will seine Partei nicht akzeptieren. Das bekannteste Beispiel ist das Herzogsschwert. „Sicher ist es wünschenswert, Objekte, denen eine identitätsstiftende Bedeutung zukommt, hier zu zeigen“, sagt Claudia Lichte, Leiterin des Mainfränkischen Museums in Würzburg. Sie bezweifelt jedoch, dass man die Strukturen der letzten 150 Jahre bedenkenlos verändern kann. Lichte schlägt vor, solche Wertschätze regelmäßig auszuleihen. Das ginge jedoch erst, wenn nicht jedes Mal „die Frage nach dem dauerhaften Verbleib neu entfacht“ würde. Der Kritik der Frankenpartei, dass Museen und Bühnen in München übermäßig gefördert würden, kontern Museumsleiterin Lichte wie auch der unterfränkische Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel (CSU) mit dem Hauptstadt-Argument. „München ist die einzige bayerische Millionenstadt. Sie hat eine enorme Wirtschaftskraft, das verlangt nach einer guten Infrastruktur“, so Dotzel. Das komme ja auch dem Rest Bayerns zugute.

Die Frankenpartei und ihre Bibel

Das sieht die Frankenpartei anders. München und Umgebung luchsten den nordbayerischen Regierungsbezirken Akademiker ab, fränkische Lehrer müssten bayerische Löcher stopfen und Polizisten eine Mindestzeit in der Hauptstadt verweilen. „In Oberfranken ist die Infrastruktur im Eimer, der Bezirk leidet an Landflucht und Überalterung“, sagt Parteivorsitzender Gattenlöhner. Die Staatsregierung betone immer, wie gut Bayern dastehe. Damit sei aber Gesamtbayern gemeint, und es gehe völlig unter, wie schlecht es einzelnen Landkreisen gehe. Die Region Nürnberg-Fürth hat direkt nach Weiden mit 7,8 Prozent die höchste Arbeitslosigkeit im Freistaat, das ergab der aktuelle Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit.

Finanziell würden die fränkischen Bezirke von der Regierung benachteiligt, beschwert sich die Frankenpartei, deren Bibel das Landesentwicklungsprogramm ist. Es schreibt vor, dass alle Regionen gleichbehandelt werden müssen. Für Unterfranken sieht Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel „überhaupt keinen Grund zur Klage“. Festtagsreden von optimistischen CSU-Politikern wie ihm wollen die Mitglieder von Frankenpartei und Fränkischem Bund am 2. Juli „am allerwenigsten haben“, dennoch würden sie jedes Jahr von der Staatsregierung zum Tag der Franken geschickt.

Das ist heuer aber nicht das einzige Ärgernis für „Die Franken“: Nur zwei Autostunden von Bad Kissingen entfernt, in Bad Steben, richtet der Landesverein für Heimatpflege am selben Wochenende den Bayerischen Heimattag aus. Hinzu kommt das leidige Problem aus den Vorjahren – das Verbot, die weiß-rote Flagge mit dem Frankenrechen an staatlichen Gebäuden zu hissen. Parteichef Gattenlöhner sieht bestätigt, dass die Staatsregierung stets versuche, einen Keil zwischen die „drei Franken“ zu treiben. Die Aufteilung in verschiedene Bezirke sei nämlich eine bloße Erfindung Bayerns.

Ist das so? Gehören die Franken von ihrer Mentalität und ihrer Lebensweise her eigentlich zusammen? Nein, findet Eberhardt Schellenberger vom BR, „es gibt kein einheitliches Franken“, sondern einen „Fleckenteppich“. An ihrem Festtag können die drei Franken unter Beweis stellen, dass sie miteinander harmonieren. Werden sie sich nach dem dritten Schoppen nur gegen die weißblauen Tischdecken verbünden oder auch miteinander zanken? Schau' n mer mal.

Tag der Franken 2011

Zum sechsten Mal wird an diesem Wochenende der Tag der Franken gefeiert, diesmal in Bad Kissingen. Die Veranstaltung, eine Zusammenarbeit des Bezirks Unterfranken mit der Stadt und dem Landkreis Bad Kissingen, steht unter dem Motto: „Singendes klingendes Franken.“ Spielen werden Klassik- und Jazzbands, Volksmusikgruppen, Chöre und Kapellen – Hauptsache aus der Region.

An Prominenz werden der unterfränkische Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, Landrat Thomas Bold, der Bad Kissinger Oberbürgermeister Kay Blankenburg sowie die fränkische Weinkönigin Sabine Ziegler aus Güntersleben erwartet. Zu einem Grußwort am Sonntag will auch Ministerpräsident Horst Seehofer anreisen. Der Tag der Franken soll an die Gründung des Fränkischen Reichskreises am 2. Juli 1500 erinnern. Das Programm geht an beiden Tagen von 10 bis etwa 20 Uhr. Veranstaltungsorte sind: Rathausplatz, Marktplatz, Wandelhalle, Eisenstädter Platz und Kliegl Platz. Die Höhepunkte am Samstag: • ab 10 Uhr: Eröffnung des Winzerfestes, der Märkte und „Frankens steinerne Kultur“

• 12 bis 18 Uhr: Fränkische Tradition mit dem Rhönclub Bad Kissingen

• 13 bis 13.30 Uhr: Historische Persönlichkeiten

• 14 bis 16 Uhr: Fränkisches Mundartkabarett

Die Höhepunkte am Sonntag:

• 13.15 Uhr: Begrüßung durch Seehofer, Dotzel, Blankenburg und Bold

• 14 bis 17 Uhr: Musigg und Dänz aus Ufra

• 14/ 14.45/ 16.15 Uhr: Unter-/Ober-/ Mittelfranken wie es kocht

• 15.45 Uhr: Trachten aus Unterfranken

Von Johanna Fritz und Meliz Kaya
    
    

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Die neuesten Kommentare

Herzogsschwert (31 Kommentare) am 02.07.2011 20:14

Für einen Regierungsbezirk Franken

Ich bin auch wie die Partei für Franken für eine Zusammenlegung der drei fränkischen Regierungsbezirke zu einem Bezirk Franken. Der wäre dann ähnlich groß wie Oberbayern und hätte auch so viele Einwohner. Ein optimales Gegengewicht zur oberbayerischen Dominanz. Ein Franken würde damit seine derzeit äußerst schwache Position in Bayern deutlich verbessern, da heute immer noch die drei Regierungsbezirke erfolgreich gegeneinander ausgespielt werden.
(2)
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