publiziert: 14.05.2009 19:22 Uhr
aktualisiert: 15.05.2009 01:43 Uhr
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Paintball: „Ein Verbot ist Unsinn“

Psychologe Jens Hoffmann forscht zu Gewalt an Schulen

Paintball spielen und Amok laufen haben rein gar nichts miteinander zu tun. Davon ist Psychologe Jens Hoffmann überzeugt. Der 40-jährige Wissenschaftler arbeitet am Institut für Psychologie und Sicherheit in Darmstadt. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist zielgerichtete Gewalt und Amok an Schulen

  • Jens Hoffmann
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Paintball spielen und Amok laufen haben rein gar nichts miteinander zu tun. Davon ist Psychologe Jens Hoffmann überzeugt. Der 40-jährige Wissenschaftler arbeitet am Institut für Psychologie und Sicherheit in Darmstadt. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist zielgerichtete Gewalt und Amok an Schulen

Frage: Haben Sie früher gerne Räuber und Gendarm gespielt und Schneeballschlachten gemacht?

Jens Hoffmann: Ich hab's wie andere Jungs auch gemacht, aber keine besondere Affinität dazu gehabt.

Was unterscheidet denn Paintball von diesen „harmlosen“ Kinderspielen?

Hoffmann: Ich glaube nicht viel, warum?

Immerhin soll es eventuell verboten werden.

Hoffmann: Das Verbot ist natürlich völliger Unsinn. Das Paintball-Spiel hat mit dieser Amoksache nichts zu tun. Das ist einfach symbolische Politik, die simulieren soll, dass man etwas tut, die aber die Freiheitsrechte von Bürgern grundlegend beschneidet – ohne Veranlassung dafür.

Sie haben seit 2002 alle deutschen und amerikanischen Fälle von schweren Gewalttaten an Schulen ausgewertet und herausgefunden, dass es Warnsignale für einen Amoklauf gibt.

Hoffmann: Es gibt immer sehr deutlich erkennbare Warnsignale, die erstaunlich ähnlich sind: Selbstmordäußerungen, Depressivität, Verehrung anderer Amokläufer. Wir haben 32 Faktoren identifizieren können.

Ist jemand, der passioniert Paintball spielt, amoklaufgefährdet?

Hoffmann: Natürlich nicht. Paintball spielen und Amok laufen haben nichts miteinander zu tun.

Ein Verbot wäre also keine sinnvolle präventive Maßnahme?

Hoffmann: Das angedachte Verbot bewirkt nur das Gegenteil. Es bewirkt eine weiter gehende Entfremdung von Jugendlichen, die zu Recht sagen: Was da passiert ist Unsinn! Das ist ähnlich wie bei der Videospieldebatte. Wenn man solche Taten verhindern will, muss man die Jugendlichen, die Gleichaltrigen, miteinbinden. Denn die kriegen immer die Warnsignale mit. Das, was gerade passiert, ist also eher kontraproduktiv. Problematisch ist auch: Durch diese scheinbare Lösung wird eine falsche Sicherheit geschaffen. Das ist wirklich sehr problematisch.

Senkt das Paintball-Spielen die Hemmschwelle für Gewalttaten?

Hoffmann: Es gibt keinen Beleg dafür. Diese These ist weder durch wissenschaftliche Studien noch durch Erfahrungswerte gestützt.

Was wären denn sinnvollere Maßnahmen als ein Paintball-Verbot?

Hoffmann: Wenn man das Thema Waffen angehen möchte, wäre es am besten, Waffen in Privathaushalten zu verbieten. Denn die Mehrzahl der Täter haben den Waffenzugang legal. Auch die Idee der Überraschungskontrolle ist wahrscheinlich nicht schlecht. Aber das Wichtigste überhaupt ist: Dass man an Schulen Krisenteams ausbildet. Dass sich Schulen, Polizei und Beratungsstellen vor Ort vernetzen, um solchen Entwicklungen früh gegensteuern zu können. Diese Maßnahme hat in Amerika dazu geführt, dass die Zahl solcher Taten runtergefahren wurde. Sie kostet nicht viel, lässt sich aber auch nicht so leicht verkaufen.

Haben Sie schon mal Paintball gespielt?

Hoffmann: Nein.

Wollen Sie's mal ausprobieren?

Hoffmann: Ich habe nichts dagegen, aber ich sehe für mich persönlich keinen besonderen Reiz darin. Ich könnte mir schon vorstellen, das auch mal zu machen. Ist bestimmt lustig.

Online-Tipp

Bilder vom Paintball-Spielen unter: www.mainpost.de/online-tipp

Das Gespräch führte INES RENNINGER
    
    

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