aktualisiert: 10.11.2008 00:38 Uhr
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WÜRZBURG
Wenn die Not alles bestimmt
Aktion Patenkind hilft dank der Spenden unserer Leser
Der Spendenaufruf „Wir helfen hier“ ist beendet – die alljährliche Hilfsaktion der Mediengruppe Main-Post in der Weihnachtszeit beginnt: Heute startet wieder die Aktion Patenkind. Und viele, viele Menschen warten schon darauf.
Für eine wachsende Anzahl Familien und Alleinstehende ist es immer schwieriger, mit dem zur Verfügung stehenden Geld den Alltag zu bewältigen – steigende Lebensmittelpreise und höhere Energiekosten machen finanziell eh schon enge Situationen bedrohlich. Ein kaputter Staubsauger, die Arzneimittel-Zuzahlung, das Geburtstagsgeschenk, die Klassenfahrt der Tochter werden zum Riesen-Problem für die Haushaltskasse.
Die Angst vor dem sozialen Abstieg ist kein seltenes Phänomen mehr und hat die Mittelschicht schon seit längerem erreicht. Durch Arbeitslosigkeit, Scheidung oder chronische Krankheit kann sich eine Familiensituation schlagartig grundsätzlich verändern. Wo vorher Wohlstand selbstverständlich war, reicht das Geld auf einmal nicht mehr für den gewohnten Lebensstandard.
Dass die Kinderarmut zunimmt, behandeln die Medien zur Zeit immer wieder. Als arm gelten Kinder laut einer Untersuchung des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufsforschung (Stand 2007) dann, wenn sie auf Sozialleistungen angewiesen sind. Nach dieser Untersuchung sind in Würzburg 17,4 Prozent aller Kinder arm, in Schweinfurt 23,9 und in Aschaffenburg 18 Prozent (wir berichteten).
Kein Geld für die Wolldecke
Was Armut alles bedeuten kann, weiß das Patenkind-Team. Schließlich landen hier die vielen, vielen Briefe mit der Bitte um Hilfe. „Mein Sohn würde gerne in der Fußball-Mannschaft mitspielen. Aber ich habe nicht das Geld für den Vereinsbeitrag.“ „Ich glaube nicht, dass ich ohne Hilfe meinen Kindern ein Weihnachtsgeschenk kaufen kann.“ „Mein Mann und ich würden uns so sehr über eine Wolldecke freuen!“ Vereinsbeiträge, Weihnachtsgeschenke, Wolldecken, neue Winterjacken, gutes Essen – für die meisten von uns selbstverständlich, aber für manche Menschen unbezahlbarer Luxus.
Armut hat viele Gesichter. Und manche davon sind nicht so leicht zu erkennen. Wer arm ist, spart nicht nur an Kleidung, Möbeln und Urlaub. Wer arm ist, fehlt auch oft – wenn sich Freunde zu einem Ausflug treffen, wenn alle anderen ins Kino gehen, wenn die anderen Kinder sich für das Schwimmbad oder zum Eisessen verabreden. Wer kein Geld hat, kann nicht von tollen Reisen erzählen, den gerade gekauften Computer vorführen oder den Freunden seine neuen Spielsachen präsentieren.
Armut grenzt aus. Denn Freizeitvergnügen kostet Geld, das arme Menschen einfach nicht haben. Die Folge ist nicht selten der völlige Rückzug der Betroffenen. Scham und die Angst, nicht mithalten zu können, machen einsam, verhindern die wichtigen sozialen Kontakte.
Genau hier setzt die Aktion Patenkind an. Natürlich kann das Team mit den Spenden unserer Leser keine kritische Situation komplett entschärfen oder große finanzielle Probleme beheben. Aber man kann die Lage lindern. Und das bedeutet gerade jetzt, in der Vorweihnachtszeit, für Menschen in der Krise eine kleine Atempause.
Mitten unter uns
Doch mindestens genauso wichtig wie Einkaufsgutscheine und Überweisungen für Weihnachtsgeschenke, ein gutes Essen und endlich neue Bettwäsche ist für viele Bedürftige das Gefühl, mit den finanziellen Sorgen und Zukunftsängsten nicht ganz allein gelassen zu werden. Genau das symbolisiert die Aktion Patenkind für die Menschen in der Region: Soziales Engagement für Menschen, die am gesellschaftlichen Rand leben, das Bewusstsein, dass Armut nicht weit weg, sondern mitten unter uns ist, und die Erkenntnis, dass jeder von uns helfen kann.
Dass die Aktion Patenkind für all das steht, verdankt sie den Lesern dieser Zeitung. Seit Jahrzehnten sorgen sie dafür, dass Menschen in Not aus der Region auf Hilfe hoffen können. Allein 2007 waren es 384 000 Euro, mit denen kinderreiche Familien, Senioren mit Mini-Renten und Alleinerziehende unterstützt wurden.
Spenden-Ziel erreicht
Der Startschuss der Aktion Patenkind ist gleichzeitig das Ende eines Spendenaufrufs in den Sommermonaten. „Wir helfen hier“ hieß die Aktion, mit der die Mediengruppe im Jahr ihres 125-jährigen Bestehens Leserinnen und Leser um Unterstützung für fünf soziale Hilfsprojekte in Mainfranken bat. Zum Auftakt legte die Mediengruppe selbst 12 500 Euro in den Spendentopf. 125 000 Euro hatte man sich als Ziel gesetzt, um jedem Projekt 25 000 Euro zur Verfügung stellen zu können.
Und es hat geklappt, die Summe kam zusammen. Unsere Leser erwiesen sich wie immer als eifrige Spender. Und die Anzeigenkunden halfen ebenfalls mit: Vom Anzeigenerlös der Jubiläumsbeilage, die am Samstag, 15. November, erscheint, flossen fünf Prozent in die Spendensumme.
Fünf soziale Projekte
Jetzt können fünf soziale Projekte noch mehr Gutes tun. So kann sich die Offene Behindertenarbeit der Diakonie in Schweinfurt freuen. Sie erhält einen Kleinbus, für den es keine öffentliche Förderung gibt. In Würzburg bekommt Wildwasser Würzburg, Verein gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Kinders, Geld. Hier startet ein Präventionsprojekt „Netzwerk Kindergarten“, das langfristig Schutz bieten soll.
Im Landkreis Main-Spessart kann das Familienhaus in Karlstadt-Laudenbach, das vernachlässigten Kinders eine Heimat bietet, mit dem Geld endlich renovieren oder vielleicht sogar neu bauen. In der Heilpädagogischen Tagesstätte des „Netzwerks für soziale Dienste e.V.“ in Salz im Landkreis Rhön-Grabfeld muss dringend ein Therapieraum für Kinder eingerichtet werden – das Spendengeld kommt da genau recht. Im Kitzinger Stadtteil wird mit dem Geld das Projekt „Wake up – die Zukunft sind wir“ unterstützt. Das Projekt der Stadtjugendpflege Kitzingen verbessert die Lebenssituation der von Armut betroffenen Kinder und Erwachsenen vor Ort.

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