Gesundheit

aktualisiert: 08.11.2011 17:15 Uhr
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WÜRZBURG
Krankenhauskeime: Wenn die Klinik krank macht
Besonders an Unikliniken sind sie ein gewaltiges Problem: Erreger, mit denen sich Patienten infizieren. Dass immer mehr Bakterien resistent gegen Antibiotika werden, macht den Kampf gegen sie extrem schwierig.
Nosokomiale Infektionen, so heißen sie im Ärztedeutsch. Nichtmediziner sagen: Krankenhausinfektionen. „Nósos“ heißt im Griechischen Krankheit, „komein“ bedeutet pflegen. Und so steht hinter dem Begriff eine Tatsache, die erschreckt: Jedes Jahr werden in deutschen Krankenhäusern 600 000 bis 800 000 Menschen nicht gesund, sondern noch viel kränker. Es könnte auch eine Million Patienten sein, die sich in der Klinik Infektionen zuziehen, schätzen Fachleute. Die Todesrate ist hoch. 15 000, vielleicht auch die doppelte Zahl an Patienten sterben pro Jahr daran. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene spricht gar von 40 000 Todesfällen. Denn was der Fachjargon-Wort „nosokomial“ nicht sagt: Viele Krankenhauskeime haben die tückische Eigenart, dass sie sich nicht mit Antibiotika bekämpfen lassen. Jedenfalls nicht mehr.
Warum die Infektionen mit den resistenten Erregern gerade in Kliniken auftreten? Jeder Mensch trägt Milliarden und Abermilliarden von Bakterien, Pilzen und Einzellern mit sich herum, ohne dass diese Mikroben stören würden. Im Krankenhaus werden sehr viele Keime herumgetragen. Hier werden schwer kranke und alte, infektanfällige Menschen behandelt, häufig mit Antibiotika. Der Einsatz von medizinischen Geräten ist beträchtlich, Venen- und Blasenkatheter sind klassische Eintrittspforten für Erreger. Dazu die zahlreichen Operationen, Infusionen, Injektionen – gerät ein Erreger erst einmal in eine Wunde, kann es gefährlich werden. Besonders, wenn der Keim gefährliche Resistenzen gegen die gängigen Antibiotika gebildet hat.
Wo viele Antibiotika verwendet werden, genießen Bakterien mit Resistenzen einen Überlebensvorteil gegenüber ihren Artgenossen – und breiten sich entsprechend gut aus. Und Bakterien tauschen sehr leicht Erbmaterial aus, geben die Widerstandsfähigkeit weiter. „Das ist Evolution in Echtzeit“, sagt der Würzburger Mikrobiologe Professor Ulrich Vogel. „Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten durch die Antibiotika-Therapien einen enormen Selektionsdruck aufgebaut.“
Die bekanntesten Krankenhauskeime sind Bakterien vom Typ Staphylococcus aureus, die gegen Methicillin und andere eigentlich für sie tödliche Wirkstoffe resistent geworden sind. Methicillin-resistente Staphylococcus aureus heißen sie im Fachjargon, kurz MRSA. Die widerstandsfähigen kugeligen Keime können sich auf der Haut gegen die normale Flora durchsetzen und nisten sich auf Schleimhäuten ein. Für Gesunde ist der Erreger, der sich im Nasen-Rachen-Raum eingenistet hat, meist kein Problem. Wer eine normale Immunabwehr hat, wird die Mikroben in der Nase gar nicht merken. Doch ist ein Mensch geschwächt und dringen die Keime in eine Wunde oder in die Blutbahn ein, können sie schwere Wundinfektionen oder Blutvergiftungen auslösen.
Rund 20 Prozent der Staphylococcus-aureus-Stämme, die bei mikrobiologischen Untersuchungen in Kliniken nachgewiesen werden, gehören zu den hartnäckigen MRSA. Aber sie sind längst nicht mehr die einzigen Problemkeime, sagt Professor Ulrich Vogel vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Uni Würzburg. Und sie sind nicht mehr die aggressivsten und gefährlichsten. Die resistenten Varianten der sonst harmlosen Enterokokken können bedrohliche, immer schwerer zu behandelnde Blutvergiftungen verursachen. Und einzelne, resistent gewordene Stämme von Pseudomonas, Escherichia, Klebsiella oder Acinetobacter sind immer häufiger Auslöser von Harnwegsinfektionen und lebensbedrohlichen Lungenentzündungen. Mittlerweile erleben uralte Substanzen wie das in den 1940er Jahren entdeckte Colistin eine Renaissance, da sie die letzte Option bei der Therapie sein können.
„Die Gefahr der Resistenzen ist weit größer als wir uns vorstellen können“, sagt die Würzburger Strukturbiologin Professor Caroline Kisker. „Aber wir kommen von den resistenten Keimen nicht mehr weg.“ Mikrobiologe Ulrich Vogel sieht es genauso: „Wir müssen uns daran gewöhnen, dass diese Bakterien zu uns gehören. Sie sind sogar bei Nutz- und Wildtieren vorhanden.“ Der Mensch sei den wandlungsfähigen, trickreichen Erregern immer unterlegen. „Bei den Behandlungsmöglichkeiten ist in seltenen Fällen schon die Fahnenstange erreicht.“ Die Zahl der Patienten, die infiziert mit MRSA in die Klinik kommt, steigt bundesweit stetig an. Zwischen 1,5 bis zwei Prozent der Neuaufnahmen an der Uniklinik sind bei Aufnahme MRSA-Fälle. Das klingt undramatisch – „ist mir aber viel zu viel“, sagt Ulrich Vogel.
„Es ist eine Illusion zu glauben, dass man Übertragungen im Klinikum völlig verhindern kann“, warnt der Mikrobiologe. Umso wichtiger sei, dass moderne Informationstechnologie wie am Uniklinikum genutzt wird: Bei Verlegungen in andere Abteilungen sollen Patienten mit multiresistenten Keimen jederzeit identifiziert werden können. „Es braucht ein gutes Ausbruchsmanagement und die mikrobiologische Untersuchung von Risikopatienten, gleich bei der Einlieferung.“
Häufig spielen Ärzte und Pfleger die Rolle der Keim-Überträger. Ein einzelner Klinikmitarbeiter, der Tag für Tag unter hohem Zeitdruck mit vielen Patienten sehr engen Kontakt hat, kann – wenn er seine Hände nicht häufig und gründlich desinfiziert – eine Erregerübertragung befördern. „Man weiß, dass sich mindestens ein Drittel aller Krankenhausinfektionen durch einen guten hygienischen Standard vermeiden lassen“, sagt Vogel. Die wichtigste Einzelmaßnahme nach wie vor: regelmäßiges, gründliches Desinfizieren der Hände. Aus diesem Grund nimmt die Uniklinik an der bundesweiten Aktion „Saubere Hände“ teil. Die Ausstattung der Abteilungen mit Desinfektionsmittelspender ist deutlich verbessert worden.
Warum die Resistenzentwicklung in Deutschland und in vielen anderen Ländern so stark ansteigt? „Weil Antibiotika noch immer viel zu häufig zu breit, ohne vorherige mikrobiologische Testung und manchmal ohne Notwendigkeit verschrieben werden“, sagt Ulrich Vogel. Sowohl zu kurze als auch zu lange Antibiotika-Therapien fördern neue Resistenzen. Und nicht zu vergessen: der hohe Antibiotika-Verbrauch in der Tierzucht, der das Problem verschärft. Ein Grund, warum die interdisziplinäre Forschung von Tier- und Humanmedizinern gefördert wird.
Krankenhausinfektionen entstehen oft durch körpereigene Mikroorganismen des Patienten, die unter bestimmten Bedingungen in eigentlich sterile Körperbereiche gelangen – zum Beispiel durch Operationen. Solche Infektionen lassen sich nicht gänzlich vermeiden. Anfällig sind vor allem ältere, chronisch kranke Menschen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Bekanntester Vertreter der Keime ist der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA). Er ist gegen viele Antibiotika unempfindlich und kann zu schweren Lungenentzündungen oder Sepsis führen.
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Die neuesten Kommentare
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grayjohn (1547 Kommentare) am 10.11.2011 12:10
KrankenhauskeimeIch schätze, da spielen eine ganze Menge Umstände und Voraussetzungen mit. Und von diesen werden die Themen "(mangelndes) Geld" und "unsachgemäße Anwendung von Antibiotika" keine untergeordnete Rolle spielen.Alles muss in unserer Zeit seinen Preis (nicht: Wert!!!) haben und umsonst gibt es schon mal gar nichts, denn sonst macht jemand anders einen höheren Gewinn als man selber. Solange die Menschheit auf dieser Tour weiterreitet ohne Maß und Ziel, rechne ich nicht damit, dass unter dem Strich ein menschenwürdiges Leben für alle(!) herauskommt. Die Herrschaft des Geldes ist völlig amoralisch, und wenn die Menschheit da nicht Zweck und Mittel sauber definiert, bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke. Ähm, und die Antibiotika? Naja, wenn man weit genug denkt, stellt man fest, dass es doch wieder auf "Geld" hinausläuft. Diesmal für die Not leidende Pharmaindustrie, die es durch entsprechenden Druck auf die Tränendrüsen der Regierungsmitglieder auch geschafft hat, bei jeder "Gesundheitsreform" nicht schlechter dazustehen als vorher... Machen wir uns nichts vor: Gesundheit wird "bei uns" definiert als Industrieprodukt. Nach "dem Menschen" fragt da niemand - denn Zeit ist Geld. Und da muss man ein paar (untergeordnete) Kollateralschäden einfach in Kauf nehmen. Oder? |
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Grabfelder (102 Kommentare) am 01.10.2011 14:09
also blaubiso ein schmarrn(und das um diese Uhrzeit, da schlaf ich noch) ich frag mich nur w o ? diese Keime herkommen, das gab,s doch früher nicht, ich denke da wird nicht so sehr auf absolute Sauberkeit geachtet |
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blaubi (2809 Kommentare) am 01.10.2011 06:28
va banque?...nach diesem bericht ist es wie russisch roulet, wenn ich mich unters messer lege. im prinzipschüren solche berichte mehr die vobie der bevölkerung gegenüber hospitälern. demnach ist es doch egal, ob ich an einer krankheit sterbe oder geheilt an bakterien, die ich mir bei der OP zugezogen habe....aber letztendlich ist ja egal wie man sich entscheidet der totengräber, der uns als letztes sieht ![]() PS:wiederum bewiesen "wir werden alle sterben" |
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