publiziert: 05.12.2007 09:51 Uhr
aktualisiert: 02.02.2008 09:32 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text Leverkusen/München (dpa/tmn)
An verformten Füßen leiden meist Frauen

Es beginnt harmlos: Der Schuh drückt - erst leicht, im Laufe von Monaten aber immer stärker. Der Ballen des großen Zehs rötet sich, schwillt an und beult aus. Schließlich steht der große Zeh völlig schief.

Hallux valgus heißt diese Verformung, die im Extremfall dazu führen kann, dass jeder Schritt starke Schmerzen verursacht. Nach Schätzungen von Orthopäden leiden bundesweit mehrere Millionen Menschen am Hallux valgus - überwiegend Frauen. Das hat seinen Grund: Zu enges und hochhackiges Schuhwerk begünstigt die Erkrankung.

«Hallux valgus ist die häufigste Fehlstellung des Fußes», erläutert Daniel Frank, Präsident der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk (DAF) in Leverkusen. Sie tritt in jedem Lebensalter auf - Kinder sind genauso betroffen wie Senioren. Die meisten Betroffenen erkranken aber im mittleren Lebensalter. Ganz klar sind die Ursachen nicht: Die meisten Experten gehen von einem angeborenen Defekt aus, der durch falsches Schuhwerk verstärkt wird. Oft denken die Betroffenen zuerst an eine Blase oder verstärkte Hornhautbildung. «Manche gehen zunächst zur Fußpflegerin», sagt Frank.

Doch im Innern des Fußes hat sich längst alles verschoben. Die Achse der Großzehe weicht zum Fußaußenrand hin ab, der erste Mittelfußknochen verschiebt sich zur Fußinnenseite, sagt Prof. Johannes Hamel aus München. «Zusätzlich werden die Beuge- und Strecksehnen zum Fußaußenrand verlagert.»

Bisweilen ist der große Zeh so verschoben, dass er fast im 90-Grad-Winkel zum Fuß steht und sich sogar über die anderen Zehen legt. Doch auch jenseits dieser Extremfälle sei die Fehlstellung meist so ausgeprägt, dass verschiedene Teile des Vorderfußes korrigiert werden müssten - in der Regel durch eine Operation, sagt Prof. Hamel. Hinzu kommt ein weiteres Problem: «An den Nachbarzehen zeigen sich oft Folgeschäden.» So kommt es zu sogenannten Hammer- oder Krallenzehen, die ebenfalls korrigiert werden müssen.

Bei den Operationen hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. «Früher wurde oft das Gelenk geopfert, das war die schnellste Lösung», sagt Daniel Frank. Der Nachteil sei jedoch, dass der Fuß nicht mehr so gut abrollt. Inzwischen steht bei den meisten Experten der Gelenkerhalt im Vordergrund. Die heutigen Eingriffe sind deutlich vielfältiger - die Zahl der Methoden ist stark angestiegen. Laut Prof. Hamel besteht eine Hallux-valgus-OP im Prinzip aus drei Schritten: Zunächst wird der Ballen am ersten Mittelfußknochen beseitigt. Anschließend werden die Weichteile neu geordnet: «Zum Beispiel werden die Sehnen an die richtige Stelle gebracht.»

Anschließend werden die Knochen der Großzehe und des Mittelfußes wieder in die richtige Position gerückt. In anderen Fällen kann es nötig sein, etwa die Gelenkköpfe zu versetzen oder den Knochen zu durchtrennen und mit Schrauben neu zu befestigen. Hamel und sein Kollege Christian Kinast setzen dabei auf kleine Schräubchen, die aus Milchsäure bestehen und sich nach einiger Zeit auflösen. Die OP dauert etwa eine Stunde.

Mittlerweile werde sie oft ambulant vorgenommen, erläutert Axel Neumann, Vorsitzender des Landesverbandes für Ambulantes Operieren Bayern in München. Neben den Fortschritten bei der Narkose ermöglichten auch die neuen OP-Verfahren, dass die Patienten schon kurz nach dem Eingriff wieder laufen können.

Von Thomas Kärst, dpa
    
    

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