publiziert: 26.07.2009 12:13 Uhr
aktualisiert: 26.07.2009 12:22 Uhr
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Wie viel Gesundheit in einem Müsli steckt

Warum Cerealien der Gesundheit Gutes tun können – Die Ratschläge eines Würzburger Mediziners

In der Werbung heißt es immer, Cerealien seien wichtig und gut für die Gesundheit. Im Grunde zählen nicht nur Müsli und Müsliriegel und Cornflakes dazu, sondern alle Getreideprodukte, auch Brot und Backwaren. Ein Würzburger Mediziner erklärt, warum Cerealien Ihrer Gesundheit tatsächlich Gutes tun können.

  • Körner, Milch und Früchte – meist die Grundbestandteile eines Müslis.
    FOTO dpa
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Cerealien – der Name leitet sich ab vom altrömischen Fest zu Ehren von Ceres, Göttin des Ackerbaus, der Ehe und des Todes. Ernährungswissenschaftler verstehen unter Cerealien sämtliche Getreideprodukte einschließlich Brot und Backwaren. Die Werbesprache aber hat dafür gesorgt, dass Cerealien (engl. Cereals) heute Synonym sind für bestimmte Arten des Frühstücks: für mit Joghurt oder Milch oder Früchten oder Säften verzehrte Getreideprodukte oder Feldfrüchte. „Getreidekörner sind ein sehr wertvoller Nahrungsbestandteil, weil darin viele Vitamine, Spurenelemente und Ballaststoffe enthalten sind“, erklärt der Würzburger Professor Wolfgang Scheppach. Der Chefarzt an der Medizinischen Klinik des Juliusspitals nennt die wichtigsten Inhaltsstoffe von Cerealien und erläutert ihre gesundheitlichen Vorteile:

• Vitamin B1: Herz, Nerven und Muskeln sind die Hauptprofiteure. Ein extremer Mangel kann zu Gehirnleistungsstörungen, Herzproblemen und Muskelschwäche führen.

• Vitamin B3: Wichtig für die Schleimhäute. Bei Mangel drohen schuppende Hautveränderungen und Durchfälle.

• Vitamin C: Wichtig für die Bildung von Bindegewebe, für die Aufnahme von Eisen aus dem Darm und für den Schutz des Erbgutes vor Oxidation.

• Vitamin E: Ein Mangel kann zu gesteigerter Müdigkeit und Abgeschlagenheit führen und die Entstehung von Arteriosklerose begünstigen. Die umgangssprachlich Arterienverkalkung genannte Arteriosklerose ist Hauptursache von Thrombosen, Angina Pectoris, Herzinfarkt und Schlaganfall. An ihren Folgen sterben die meisten Menschen in den westlichen Industrienationen.

• In Cerealien sind auch die für den Menschen essenziellen Spurenelemente Eisen, Zink und Mangan zu finden. Fehlen essenzielle Spurenelemente, können schwere Mangelerscheinungen auftreten wie Anämie (Blutarmut) bei Eisenmangel.

• Auch zahlreiche Ballaststoffe sind in Cerealien enthalten, die etwa bei Obstipation (Verstopfung) helfen und wahrscheinlich bei der Vermeidung von Darmkrebs eine wichtige Rolle spielen, wie die europäische EPIC-Studie, die den Zusammenhang von Ernährung und Krebsentstehung unter die Lupe nimmt, gezeigt hat.

Als „grundsätzlich positiv“ schätzt Professor Scheppach also Cerealien wie Müsli und Müsliriegel ein – wobei er rät, bei Letzteren schon „etwas genauer hinzuschauen und den Energiehaushalt zu berücksichtigen“. Da gebe es auch Vertreter mit reichlich Zucker, also mächtig Kalorien. Da könne sich dann der gesundheitliche Nutzen womöglich umkehren.

Die ältesten industriell hergestellten Frühstücks-Cerealien sind Cornflakes, entwickelt vom US-amerikanischen Arzt John Harvey Kellogg und seinem Bruder Will Keith. Die beiden waren Ende des 19. Jahrhunderts auf der Suche nach einem vegetarischen Nahrungsmittel für ihre Patienten, um deren Genesungsprozess zu fördern. Ihr Rezept: getrockneter, dann gepresster Weizen, als dünne, knusprige Flocken verpackt und mit etwas Salz verspeist. Mit dieser Methode wurden später auch Mais und ähnlich Reis bearbeitet. Heute sind Cornflakes zuallermeist aus Mais – und oft auch Bestandteil in Müsli-Mischungen.

Ursprüngliche Heimat des Müslis ist die Schweiz, wo es zwingend Müesli geschrieben wird. Um 1900 kam der Arzt und Ernährungswissenschaftler Maximilian Oskar Bircher-Benner, ein Pionier der Vollwertkost, durch die Behandlung einer magenkranken Frau auf die Idee, eine Rohkost-Diät zu entwickeln, die er auch im Selbstversuch testete, als er an Gelbsucht erkrankt war. Bekanntester Bestandteil der Diät: das nach ihm benannte Müsli, das er „Apfeldiätspeise“ nannte, oder schweizerisch „d'Spys“ (siehe „Im Blickpunkt“).

Heute steht Müsli meist für Fertigmischungen aus Haferflocken, Rosinen, Trockenobst und Nüssen, oft werden sie zusätzlich mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert – „gesund sind Cerealien in der richtigen Dosierung allemal“, sagt Professor Scheppach.

Im Blickpunkt

Das original Bircher-Müsli Das Originalrezept des von Bircher-Benner entwickelten Müslis: • Einen gestrichenen Esslöffel Haferflocken in drei Esslöffel Wasser zwölf Stunden lang einweichen.

• Dann einen Esslöffel Zitronensaft und einen Esslöffel gezuckerte Kondensmilch beifügen, das Ganze zu einer Sauce vermischen.

• Zwei Äpfel (400 g) einer möglichst säuerlichen Sorte unmittelbar vor dem Servieren mit der Schale in das Müsli hineinreiben und gelegentlich umrühren, damit sich das Apfelfleisch nicht bräunt.

• Einen Esslöffel Haselnüsse oder Mandeln (jeweils gerieben) drüberstreuen. Guten Appetit!

Von unserem Redaktionsmitglied Thomas Brandstetter
    
    

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