aktualisiert: 14.12.2009 18:22 Uhr
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WÜRZBURG
Allergie-Vorbeugung beginnt im Mutterleib
Bereits mehr als 20 Prozent der Deutschen sollen Allergiker sein – Ein Würzburger Experte gibt Tipps
Sind beide Elternteile gesund, liegt für ihr Kind das Risiko, eine Allergie zu entwickeln, bei fünf bis 15 Prozent. Hat ein Elternteil eine Allergie, steigt das Risiko fürs Kind auf 20 bis 40 Prozent, leiden beide Eltern an Heuschnupfen, Asthma oder Neurodermitis, erreicht das Risiko schon 40 bis 60 Prozent. Diese Zahlen nennt der Würzburger Allergie-Experte Professor Axel Trautmann – und er erklärt, wie man Allergien vorbeugen kann.
„Die Vorbeugung von Allergien beginnt bereits während der Schwangerschaft“, sagt Professor Axel Trautmann. Der Leitende Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universitätsklinikums Würzburg spricht von über „20 Prozent aller Deutschen, die irgendeine Allergie haben“. Aber die Zahl könnte deutlich geringer sein, wenn man richtig vorbeugen würde. Das Problem: Die Neigung, eine Allergie zu entwickeln, ist vererbbar. Warum genau, ist noch nicht vollständig erforscht, und die genetische Komponente bedingt auch nicht zwangsläufig, dass das Kind unter derselben Allergie leidet wie ein Elternteil. Es kann sein, dass der Vater Asthma hat und sein Kind an Neurodermitis leidet.
„Eine spezielle vorbeugende Diät während der Schwangerschaft gibt es nicht“, sagt der Fachmann, „aber das Kind wird auf jeden Fall von einer gesunden und ausgewogenen Ernährung der werdenden Mutter profitieren.“ Raucht sie nach der Schwangerschaft, „erhöht sich das Asthma-Risiko des Kindes drastisch“, warnt Trautmann, der Tabak sorge vermutlich für eine geringgradige Entzündung der Atemwege des passivrauchenden Säuglings – durch die entzündeten Atemwege können sich dann leichter Allergien entwickeln. „Die beste Allergie-Vorbeugung ist das Stillen“, sagt Trautmann. Am besten sechs Monate lang, darüber hinaus sollte im ersten Lebensjahr des Kindes darauf geachtet werden, dass die Beikost kein Hühnerei, kein Fisch und keine Nüsse enthält. Kann die Mutter nicht stillen, sollte auf spezielle Nahrung zurückgegriffen werden: die „hypoallergene Säuglingsnahrung“, auch H.-A.-Nahrung genannt. „Diese spezielle Säuglingsnahrung wurde entwickelt, um das Risiko einer Kuhmilchallergie bei Säuglingen, die nicht gestillt werden, zu minimieren“, so der Fachmann. Ansonsten eigneten sich als Beikost:
• Reis
• Kartoffeln
• Karotten
• Birnen
• Äpfel
Stichwort Tierhaarallergie: „Auf Haustiere zu verzichten, empfiehlt sich nur bei erhöhtem Risiko“, sagt Trautmann, also wenn mindestens ein Elternteil Allergiker ist. Studien hätten gezeigt, dass „Hundehaltung nicht mit einem erhöhten Allergie-Risiko einhergeht“, das Halten von Katzen und Nagetieren wie Kaninchen, Hamster dagegen schon.
Stichwort Impfungen: „Da gibt es keine Einschränkungen, egal, ob die Kinder ein erhöhtes Allergie-Risiko haben oder nicht“, sagt Trautmann, der empfiehlt, den Nachwuchs nach den „Impfregeln des Robert-Koch-Instituts impfen zu lassen“. Zudem sollten die Eltern auf ein gesundes Raumklima achten, damit Hausstaubmilben und (Schimmel-)Pilze keine Chance haben. Hilft alle Vorsorge nichts, gelten die drei Bausteine für die Behandlung von Allergien:
• 1. Vermeidung des Allergens.
• 2. Medikamente gegen die Symptome, die meisten davon sind auch bei Langzeitanwendung sicher und gut verträglich.
• 3. Immuntherapie/Hyposensibilisierung, um das Übel an der Wurzel zu packen, damit der Körper das Allergen wieder toleriert.
„Je früher eine Allergie behandelt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sie heilen kann oder zumindest ein Fortschreiten der Allergiekrankheit, das heißt zunehmende Beschwerden und Entwicklung neuer Allergien, verhindert“, erklärt Trautmann. Zwar könnten sich Allergien „mit zunehmendem Lebensalter spontan verlieren“, weil das Immunsystem von selbst wieder die Kurve kriegt, „ärgerlicherweise kann es andererseits aber auch passieren, dass noch in höherem Lebensalter neue Allergien entstehen“.
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