publiziert: 13.09.2011 11:23 Uhr
aktualisiert: 13.09.2011 11:24 Uhr
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Auf der Suche nach der Balance

Ethik und Erfolg unter einem Dach: Warum nachhaltiges Wirtschaften wichtig ist und sich auch ökonomisch lohnt
  • In der Balance:Ethik und Erfolg untereinen Hut zu bringen – das ist die große Herausforderung.Foto: Thinkstock
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Es sind harte Worte, die die „WirtschaftsWoche“ jüngst fand. „Der Nachhaltigkeitsbegriff verkommt zu einer nichtssagenden PR-Hülse. Dabei müssen wir dringender denn ja darüber sprechen“, hieß es in einem Spezial zum Thema „Green Economy“. Die „inflationäre Verwendung“ mache den Begriff leider oft wertlos und verzichtbar.

Dieser Analyse stimmt Hans Ulrich Hutten durchaus zu: „Das ist schon so.“ Nachhaltigkeit sei in der Tat ein etwas „ausgelutschter Feigenblattbegriff“. Das aber will der Würzburger Unternehmensberater zum Thema Nachhaltigkeit wieder korrigieren. Denn Fakt sei, dass es in Zukunft stärker darum gehen müsse, Ökologie, Ökonomie und Soziales besser unter einen Hut bringen.

„Die Wirtschaftskrise war ja auch eine Vertrauenskrise.“

Gunther Schunk, Sprecher Vogel Business Media

„Wir müssen weg vom kurzfristigen Denken – und das hat nichts mit Gutmenschentum zu tun.“ Nach wie vor, so Hutten, gehe es natürlich darum, „Geld zu verdienen“. Leider aber hätten viele Entscheidungsträger die ökonomischen Vorteile des nachhaltigen Wirtschaftens noch nicht erkannt. „Man muss sicher noch ganz schön missionieren.“

Doch gerade auch in Franken gebe es gute Beispiel für eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Unternehmenskultur. Hutten nennt etwa den Siemens-Konzern, der einen „enormen Wandel“ hinter sich habe. Oder den Wälzlagerriesen Schaeffler (Herzogenaurach/Schweinfurt) und Autozulieferer Brose (Coburg/Würzburg).

Doch es sind nicht nur Großunternehmen aus der Industrie, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen. Der Würzburger Immobilienmakler Roland Reinhart hat erkannt: „Nachhaltigkeit erschöpft sich für uns nicht in Wohltätigkeitsveranstaltungen und Spenden.“ Seine Branche habe ja direkt mit den Menschen zu tun. „Und da geht es darum, einen wesentlichen Teil der individuellen Lebensrealität sowie der gesamtgesellschaftlichen Struktur eines Lebensraumes zu prägen.“

War lange die Definition und Zielsetzung von Nachhaltigkeit verwaschen und der individuellen Auslegung überlassen, gibt es seit dem Frühjahr nun eine Norm für nachhaltiges Wirtschaften – die ISO 26 000. Sie stellt keinen exakten, zertifizierbaren Standard dar, eher eine Art Leitfaden. Und der gibt Orientierung und Empfehlungen, wie sich Organisationen verhalten sollten, damit sie als gesellschaftlich verantwortlich angesehen werden können.

Dieses gesellschaftlich verantwortungsvolle Handeln von Unternehmen wird international auch mit dem Begriff Corporate Social Responsibility, kurz CSR, bezeichnet. Für die Macher von Vogel Business Media in Würzburg war es nun Zeit, sich dem Thema intensiver zu widmen. Vor wenigen Monaten startete Vogel gemeinsam mit dem Portal „CSR NEWS“ eine Fachzeitschrift und ein Internetnetzwerk. Ziel: die breitere Information und damit Professionalisierung der gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung.

Vogel-Sprecher Gunther Schunk: „Die durch die Finanzwelt induzierte Wirtschaftskrise war ja auch eine Vertrauenskrise.“ In der Folge spielen Werte für Unternehmen heute eine zunehmend wichtige Rolle. Dazu komme „der Megatrend der Nachhaltigkeit, ohne die heute kaum noch ein glaubwürdiges unternehmerisches Handeln denkbar ist“.

Auch die bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber haben sich das Thema auf die Fahne geschrieben und am Donnerstag den Startschuss für ihre neue Nachhaltigkeits-Offensive gegeben. Verbandschef Bertram Brossardt lobte denn auch den „Dreiklang aus Ökonomie, Ökologie und Sozialem“. Um sich hier zurechtzufinden, gibt es für Mitglieder online etwa einen „NachhaltigkeitsCheck“.

Berater Hutten ist erfreut über die neue Wahrnehmung von Nachhaltigkeit in der Wirtschaft. Es gehe ganz einfach darum, eine langfristige Strategie, er spricht von „Leitplanken“, zu entwickeln. Eine, mit der sich die Herausforderungen der Zukunft – Demografie, Klimawandel, der Konflikt Ökologie und Ökonomie – bewältigen lassen. Eine solche Strategie zu haben heiße: „Nicht die kurzfristigen Gewinne im Blick zu haben, sondern Trends und Bedürfnisse weiter zu denken und neue Antworten zu suchen.“ Er nennt eine Zahl, die wohl manchen Unternehmenschef zum Nachdenken bringen dürfte: „93 Prozent der Konsumenten erwarten, dass Unternehmen zum Gemeinwohl beitragen.“

Roland Reinhart kann dies aus seiner Praxis bestätigen. Und er macht Unternehmern, Managern und Selbstständigen Mut: „Sozial und ökologisch verantwortliches unternehmerisches Handeln kann sich also in mancherlei Hinsicht als ein Wettbewerbsvorteil erweisen und den Wert einer Marke steigern.“

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Deppisch
    
    

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