aktualisiert: 12.11.2009 16:23 Uhr
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WÜRZBURG
COPD: Wenn die Lunge schleichend zugrunde geht
COPD ist die einzige Volkskrankheit mit einer Zuwachsrate – Jährlich erkranken 500 000 Deutsche
Unter den Volkskrankheiten ist sie die einzige mit Zuwachsraten. Und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat errechnet, dass sie in spätestens 15 Jahren die dritthäufigste Todesursache sein wird, weltweit. Dabei ist die Vorsorge gegen die heimtückische Erkrankung der Lunge, die den Namen COPD trägt, sehr simpel: Lassen Sie Ihre Lunge durchatmen!
Bei COPD geht die Lunge schleichend zugrunde, im Zeitlupentempo. Deshalb wird die Funktionseinschränkung meist erst nach Jahren bemerkt. COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease), auf Deutsch „Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung“, ist ein Oberbegriff für drei Krankheiten, erklärt Professor Michael Schmidt, Leiter des Schwerpunkts Pneumologie der Medizinischen Klinik I am Universitätsklinikum Würzburg:
• Die obstruktive Bronchitis: Dabei werden die Bronchien, die von der Luftröhre in die Lunge führen und sich immer weiter verästeln, immer enger. Die Belüftung der Lunge wird behindert.
• Das Lungenemphysem: Das Lungengewebe, das aus vielen Millionen winziger Lungenbläschen besteht, wird unheilbar zerstört. Der Sauerstofftransport ins Blut wird zunehmend verringert.
• Der Niedergang der Bronchienschleimhaut, eine Vorstufe des Lungenkrebses.
Wie viele Lungenerkrankungen zeigt sich auch COPD „durch Atemnot bei Belastung, durch Husten und Auswurf“, also dem Abhusten von Schleim, erklärt Professor Schmidt. Die Patienten reagieren empfindlich auf Veränderungen in der Luft, haben bei kalter, feuchter Luft mehr Probleme als bei warmer, trockener. „Früher hat man Raucher-Bronchitis dazu gesagt“, so der Fachmann – das macht deutlich, was die Hauptursache für COPD ist: Zigarettenrauch.
Das Rauchen setzt durch permanente Reizung der Atemwege eine Entzündungsreaktion in Gang, die – qualmt man weiter – nicht mehr zu stoppen ist. Andererseits: „Wir können auch nicht behaupten, dass jeder Raucher auf jeden Fall COPD bekommt“, so Professor Schmidt. Sondern die Hälfte aller Raucher, was die Mediziner einen genetischen Faktor annehmen lässt.
Weitere Ursachen für COPD können – recht selten – eine extrem hohe Staubbelastung (Bergleute, Tunnelgräber) und – noch seltener – eine Erbkrankheit sein, die sich durch einen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel auszeichnet. Diesen Menschen fehlt ein Hemmstoff, der dafür sorgt, dass die Enzyme der weißen Blutkörperchen beim Abwehren von Erregern zielgerichtet helfen und nicht den Körper schädigen. Die COPD-Welle rollt, zahlenmäßig ist sie schon heute „viel schlimmer als das Bronchialkarzinom“, so Pneumologe Schmidt. 40 000 neue Fälle von Lungenkrebs werden hierzulande jedes Jahr gezählt – und 500 000 neue COPD-Fälle. Was die Situation zusätzlich dramatisiert: „Wir haben noch immer keine gute Therapie. Hören die Betroffenen nicht mit dem Rauchen auf, schreitet die Krankheit unaufhaltsam voran.“
Denn nur gegen die obstruktive Bronchitis gibt es gute Medikamente, gegen die anderen unter COPD zusammengefassten Erkrankungen, die zur Zerstörung der Lunge führen, ist noch kein Kraut gewachsen. Und weil die Raucher/innen immer jünger werden, „können viele mit Mitte 20, Anfang 30 ernsthafte Probleme mit ihren Lungen bekommen“.
Das Stichwort
COPD Die Abkürzung steht für „Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung“ (englisch: Chronic Obstructive Pulmonary Disease) und bezeichnet als Sammelbegriff mehrere Krankheiten, die durch Husten, Auswurf und Atemnot bei Belastung gekennzeichnet sind. COPD wird oft als „Raucherhusten“ verharmlost.
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