aktualisiert: 11.10.2009 15:59 Uhr
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WÜRZBURG
Damit Ihr Blut Sie nicht unter Druck setzt
Wie man Bluthochdruck vorbeugen und wie man ihn heilen kann – Würzburger Professor gibt Tipps
Rund 20 Millionen Deutsche leiden an Bluthochdruck (Hypertonie), „die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich weit höher. Denn viele lassen ihren Blutdruck nie messen und wissen gar nicht, dass er zu hoch ist“, sagt Professor Dr. Georg Ertl, Kardiologe und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I der Uni Würzburg. Er erklärt, worauf man achten sollte und was man gegen hohen Blutdruck tun kann.
Bluthochdruck kann so gut wie jeden treffen. Das Tückische: Den wenigsten Betroffenen geht es schlecht. Im Gegenteil. „Viele fühlen sich pudelwohl, sind sogar besonders leistungsfähig und geistig fit“, sagt Ertl. Warnsignale wie Kopfschmerzen oder Druck in der Brust treten nicht bei jedem auf – und wenn, dann werden sie häufig als vorübergehende Alltagsbeschwerden abgetan. Das eigentliche Problem wird oft erst erkannt, wenn schon andere Komplikationen, etwa mit dem Herzen oder der Niere, da sind oder ein Schlaganfall droht – Angina pectoris (Herzenge), Gefühlsstörungen in Händen oder Beinen oder kurzfristige Sprachstörungen seien dann sehr ernste Warnzeichen, so der Experte.
Anstieg im Laufe des Lebens
Dass der Blutdruck im Lauf eines Lebens ansteigt, ist normal. Über 140 zu 85 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) sollte er dennoch nicht klettern. „Früher hat man gesagt 100 plus Lebensalter“, erklärt der Professor, „bis man feststellte, dass schon ein Blutdruck über 140 ungünstig für die Lebenserwartung ist.“ Zur Bestimmung des Blutdrucks werden zwei Werte ermittelt, der systolische (oberer Messwert) und der diastolische (unterer Messwert) Blutdruck. Als normal gelten Werte zwischen 110 und 130 zu 80 bis 84 mmHg.
Ein zu hoher Blutdruck belastet vor allem das Herz. Es pumpt ständig Blut durch die Gefäße und versorgt die Zellen so mit Sauerstoff und Nährstoffen. Der Blutstrom ist dabei nicht gleichmäßig, denn das Blut wird stoßweise – mit jedem Herzschlag – durch den Körper gepresst. Um in alle Gefäße zu gelangen, benötigt das Blut einen gewissen Druck, den Blutdruck eben. Ist er dauerhaft erhöht, muss auch das Herz mehr leisten. Das ist anstrengend, denn der Herzmuskel muss ständig gegen die erhöhte Beanspruchung anpumpen und verdickt sich. „Auch die Blutgefäße sind für andauernden Bluthochdruck nicht ausgerüstet“, sagt Ertl. Die Gefäßwände werden härter, verkalken und werden brüchig (Arteriosklerose). Es drohen Schlaganfall, Hirnblutung, Herzinfarkt, Herzmuskelschwäche oder Nierenversagen.
Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, kann man vorbeugend selbst etwas tun: auf ein normales Gewicht achten, Sport treiben, am besten Ausdauersportarten, die einem wirklich Spaß machen – „es bringt nichts, sich zu quälen“, so der Experte – und für eine ausgeglichene Ernährung sorgen. „Zu empfehlen sind wenig Salz und Mittelmeerkost mit viel frischem Obst und Gemüse, Salat, Fisch und Olivenöl.“
Klingt einfach, aber das auch wirklich durchzuhalten, ist schwierig. Vor allem übergewichtigen Patienten fällt es oft schwer, abzunehmen. Dabei gehören gerade sie zu den Risikopatienten. Denn Bluthochdruck tritt häufig in Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie Übergewicht (vor allem dem Bauchfett), Typ-2-Diabetes und hohen Blutfettwerten auf. Treffen alle vier Faktoren zusammen, sprechen Ärzte vom Metabolischen Syndrom.
Abnehmen zahlt sich also doppelt aus: „Manche Bluthochdruckpatienten können ihren Blutdruck allein durch Reduzierung ihres Gewichts normalisieren – und sind so auch vor möglichen Folgeerkrankungen besser geschützt“, sagt Ertl. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es allerdings nicht. Auch normalgewichtige Menschen können Bluthochdruck bekommen – „selbst wenn ihre Werte ein Leben lang eher zu niedrig waren“, weiß Ertl. Bluthochdruck kann also jeden treffen. Es gibt aber Risikofaktoren, die die Entstehung begünstigen. Dazu gehören neben Übergewicht:
• Familiäre Neigungen zu erhöhtem Blutdruck.
• Bewegungsmangel.
• Stress.
• Salzhaltige Nahrung.
• Hoher Alkoholkonsum. „Wer weiß, dass Bluthochdruck in der Familie liegt, lässt den Blutdruck meist regelmäßig messen. Alle anderen viel zu selten“, sagt Ertl. Dabei geht es leicht und dauert nicht lange. „Wer nicht selbst messen möchte, kann die Gelegenheit nutzen, wenn er ohnehin beim Hausarzt oder in der Apotheke ist.“ Zweimal jährlich ist in der Regel ausreichend. Für Hochdruckkranke sei es zudem sinnvoll, die Blutdruckwerte und das Körpergewicht in ein Heft einzutragen.
Mit das wichtigste Stichwort für Bluthochdruckpatienten ist Konsequenz. „Das ist nicht wie bei einer Grippe, bei der man mal zwei Wochen Medikamente nimmt und dann ist es vorbei“, warnt Ertl. „Alle Maßnahmen, um den Blutdruck dauerhaft normal zu halten, müssen konsequent und regelmäßig durchgeführt werden!“
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