publiziert: 23.11.2012 20:23 Uhr
aktualisiert: 23.11.2012 20:27 Uhr
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Kalk, Leim oder Latex?

Welche Farbe an die Wand kommt hängt vom Raum und seiner Nutzung ab
  • Foto: dpa
    Welche Farbe an die Wand kommt, hängt auch vom Raum ab: Manche Farben müssen besonders widerstandsfähig sein, andere wiederum feuchtigkeitsabweisend.
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Alles in Weiß oder Rot fürs Wohnzimmer, Grün im Arbeitszimmer und ein kühles Blau im Schlafzimmer: Wie die eigenen Räume gestrichen werden, ist Geschmackssache. Womit gestrichen wird, dagegen nicht. Kunden müssen bei der Wahl der Farbe daher prüfen: Deckt sie gut? Hält sie lange? Und was, wenn mein Kind mit der Zunge die Wand ableckt?

„Gut sind alle Produkte mit dem Blauen Engel“, sagt Ludger Küper vom Paint Quality Institute in Schwalbach im Taunus. Dieses Prüfzeichen deklariert umweltfreundliche Produkte, die keine gefährlichen Inhaltsstoffe haben. Tabu sind für den Vertreter der Branchenvereinigung nur lösemittelhaltige Lacke. Er rät deshalb, nur Farben auf Acrylbasis zu verwenden. „Sonst warten Sie ja Wochen, bis der Geruch raus ist.“

Latexfarben für feuchte Bereiche

Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin rät zu mehr Vorsicht: „Man kann bei Farben gar nicht genau sagen, was unbedenklich ist.“ Sie hält auch Umweltzeichen für keinen Garant für die Verträglichkeit von Farben. Sie rät, stattdessen darauf zu achten, dass die Inhaltsstoffe vollständig angegeben sind. Volldeklaration heißt der Fachbegriff dafür. Allergiker und Asthmatiker sollten mit einem Arzt abklären, welche Stoffe für sie nicht geeignet sind. Übernimmt ein Maler das Streichen, sollte man ihn darüber informieren.

In Baumärkten türmen sich die Eimer mit Wand- und Deckenfarben. Meist handelt es sich um Dispersionsfarben. Das sind zähflüssige Anstriche aus einer Emulsion von Binde- und Lösungsmitteln mit Pigmenten und diversen Zusatzstoffen. Farbig werden diese durch sogenannte Volltöne, die dazugegeben werden. Laut dem Umweltbundesamt (UBA) in Dessau-Roßlau sind Dispersionsfarben gut für stark beanspruchte Flächen.

Latexfarben haben einen höheren Anteil an Kunstharzen, weshalb sie sich besonders für feuchte Bereiche im Haus wie das Bad oder den Keller sowie für Außenflächen eignen, erläutert das UBA. Den Angaben zufolge sind sie wasserdampfdurchlässig sowie besonders scheuerbeständig und unempfindlich gegenüber herkömmlichen Reinigungsmitteln.

Ein weiteres Produktsegment sind Naturfarben, die meist mit Wasser angerührt werden müssen. Auch hierfür gibt es Abtönpulver in allen Nuancen. Die Zutaten sind natürliche Erden, Ultramarine, Pigmente und gemahlenes Metallpulver. Naturfarben enthalten nur natürliche Lösemittel wie Zitrusschalenöl. Hier gibt es vier verschiedene Produktgruppen: Harz-, Kalk-, Lehm- und Kaseinfarben.

Produkte mit Kasein haben heute meist eine Basis aus Sojamilch, früher wurden sie mit Molke angerührt. Traditionell werden Kaseinfarben bevorzugt auf Lehmwänden beziehungsweise -putz verstrichen. Grundsätzlich gilt wie für alle Wandfarben auch hier, dass es sinnvoll ist, die Farbe dem Untergrund anzupassen. Für einen Kalk-Zement-Putz ist demzufolge etwa eine Kalkfarbe ideal. Die klassische Raufasertapete hingegen lässt sich mit allen Farbtypen überstreichen.

Harzfarben enthalten als Bindemittel Naturharze wie Kolophonium oder Schellack und als organische Lösemittel Balsamterpentinöl oder Zitrusschalenöle. Zur Farbgebung werden häufig Pflanzenextrakte verwendet. Wie Kunstharzlacke sind diese Farben eher für dauerhafte Anstriche auf Holz oder Metall geeignet, bei den Wandfarben spielen sie nur eine untergeordnete Rolle.

Leimfarben sind abwaschbar

Leimfarben aus Kreide und Leimen brauchen keine organischen Löse- und Konservierungsmittel, erläutert das UBA. Aber sie können von Wand und Decke wieder abgewaschen werden – und sind daher nichts für Flächen im Freien, wo es an die Wand regnen kann. Auch Kalkfarben sind nicht wischfest – und daher laut der Behörde am besten für den Keller geeignet. Silikatfarben seien hingegen sehr strapazierfähig.

Grundsätzlich rät Farbexperte Ludger Küper, in stark beanspruchten Räumen wie Küche, Flur und Kinderzimmer eine Farbe mit mindestens Deckkraft der Klasse 2 zu nehmen. „Diese Farben sind deutlich robuster und scheuerfest.“ So können Flecken an der Wand oder Decke mit einem rauen Schwamm entfernt werden, ohne dass die Farbe gleich abgeht. Diese Klassenangaben seien auf mehr als 90 Prozent der Eimer verzeichnet. Sie sind verteilt wie Schulnoten – 1 ist die beste, 6 die schlechteste.

Im Bad oder der Küche sollte die Farbe zusätzliche Stoffe enthalten, die Schimmel vermeiden. Und in Kinderzimmern – sowie für Spielzeug, das angemalt wird – sollten die Produkte Speichel und Schweiß standhalten, so Küper. Solche Farben können ein grünes Logo mit Bauklötzen tragen und den Hinweis, dass sie der europaweiten DIN EN 71-3 entsprechen. Wichtig sei es in jedem Fall, den Anteil flüchtiger organischer Verbindungen möglichst klein zu halten.

Was eine hochwertige Farbe ist, lasse sich auf den ersten Blick ebenfalls nur schwer beurteilen, urteilte die Stiftung Warentest nach einem Test mit weißen Wandfarben (Zeitschrift „test“, Ausgabe 05/2012). So gebe es häufig auch ein- und dieselbe Farbe unter verschiedenen Namen – und mit unterschiedlichen Preisen. Die Qualität der Deckkraft variierte in dem Test stark: Auch preiswerte Farben erzielten durchaus gute Ergebnisse.

Wandfarben für innen und außen hat die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt geprüft. Sie rät, Farbpulver, die vor Ort angerührt werden, zu verwenden, da diese keine gesundheitsschädlichen Konservierungsstoffe enthielten. Gerade im Wohnbereich wie Kinder- und Schlafzimmer sollten die Produkte anhand ihrer Inhaltsstoffe ausgewählt werden, rät Martina Angelus, Umweltexpertin der Verbraucherzentrale in Halle.

Zwar griffen Verbraucher gerne zu schnell und einfach verwendbaren Wandfarben. Doch Angelus berichtet auch von einem Comeback: Traditionellere Mischungen, die oft nur noch im Fachhandel oder im Öko-Baumarkt erhältlich sind, werden wieder gerne gekauft.

Von dpa-Korrespondent Wolfgang Becker
    
    

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