publiziert: 14.05.2010 19:38 Uhr
aktualisiert: 14.05.2010 19:44 Uhr
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Ringen um gute Lehrlinge

Eine vertiefte Berufsorientierung soll Jugendliche für eine Ausbildung im Handwerk begeistern
  • Schüler erleben Handwerk: Hugo Neugebauer (links), Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken, und Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, mit Schülerinnen, die das Angebot der vertieften Berufsorientierung nutzen.
    Foto: Daniel Röper
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Stefanie Falter und Christina Schachner wiegen, rühren, kneten und backen. Statt die Schulbank zu drücken, schnuppern die Mädchen eine Woche lang in die Berufswelt der Konditoren hinein. „Vertiefte Berufsorientierung“ nennt sich das Projekt, das die Handwerkskammer (HWK) für Unterfranken zusammen mit der Agentur für Arbeit vor vier Jahren ins Leben gerufen hat. Der Grund: Dem Handwerk fehlen Lehrlinge.

„Der Wettlauf um die guten Auszubildenden hat längst begonnen“, bestätigt Eugen Hain, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Würzburg. Die meisten Betriebe schließen ihre Ausbildungsverträge mit den Jugendlichen immer früher ab. Die guten Kräfte seien schnell weg vom Markt, sodass viele Firmen Schwierigkeiten hätten, jetzt noch geeignete Bewerber zu finden. Die „vertiefte Berufsorientierung“ gebe Jugendlichen einen Einblick in die große Palette an Ausbildungsberufen und unterstütze sie beim Übergang von der Schule in die Berufs- und Arbeitswelt.

Fotomodell oder Fußballtrainer

Im Jahr 2009 wurde für 33 Projekte der vertieften Berufsorientierung von der Arbeitsagentur Würzburg ein Betrag von etwa 875 000 Euro ausgegeben. Ein stolzer Preis. Der sich aber auszahlt, da sind sich Arbeitsagentur und Handwerkskammer sicher. Fotomodell oder Fußballtrainer, diese Berufe stünden bei den Jugendlichen ganz oben. Die Realität sieht freilich anders aus. „Das Handwerk ist dringend auf guten Nachwuchs angewiesen“, betont HWK-Präsident Hugo Neugebauer.

Doch immer weniger Jugendliche streben eine Ausbildung im Handwerk an, denn viele können mit dem Begriff Handwerk überhaupt nichts mehr anfangen. Nur zwei Drittel aller Deutschen wissen, dass Schreiner ein Handwerksberuf ist. Und nur jeder Zehnte erkennt im Metzger einen Handwerker. Daher startete der Deutsche Handwerkskammertag eine auf fünf Jahre angelegte Image-Kampagne: „Das Handwerk: Die Wirtschaftsmacht von nebenan.“ Zur Fußball-Weltmeisterschaft wird mit folgendem Spruch geworben: „Selbst bei einem Null zu Null haben wir zwei Tore gemacht.“

Die Handwerkskammer für Unterfranken verzeichnet mit 596 abgeschlossenen Lehrverträgen bis Ende April 2010 eine sehr hohe Quote, sagt Rolf Lauer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Doch Lauer hofft noch auf mehr Abschlüsse. Denn die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer verzeichnet noch 920 offene Stellen. „Diese Zahl zeigt deutlich, dass unsere Betriebe gerne ausbilden wollen, aber keine Lehrlinge finden“, so Lauer. Gesucht werden noch Lehrlinge als Fachverkäufer im Lebensmittelhandel, Maler und Lackierer, Friseure, Metzger, Mechatroniker, Elektroniker, Zahntechniker und Optiker.

Es mangelt am Interesse

Der demografische Faktor sei bei den Bewerberzahlen bereits zu erkennen. Es werden immer weniger Schulabgänger bei den Hauptschulen. Doch es mangelt auch am Interesse der Jugendlichen. „Viele Bewerber sind nicht ausbildungsreif“, erklärt Lauer. Häufig fehlen den Jugendlichen Grundkenntnisse in Deutsch und Mathematik. Einige sind zudem nicht ausbildungswillig. Ein Instrument der beruflichen Vorqualifikation sei die vertiefte Berufsorientierung. Über 6000 Haupt- und Realschüler konnten 2009 in den Bildungszentren der Handwerkskammer für Unterfranken Handwerksberufe erleben.

Viele Jugendliche sind orientierungslos, sagt Frank Weth, Bereichsleiter Berufliche Bildung bei der Handwerkskammer. Das Projekt vertiefte Berufsorientierung will Orientierung geben und junge Leute gezielt auf ihr späteres Berufsleben vorbereiten. Zwei bis fünf Tage verbringen Schüler der 8. Klassen während der Schulzeit in den Werkstätten des Handwerks. Ausbildungsmeister wie die Konditormeisterin Brigitte Baldauf arbeiten mit den Jugendlichen. Stefanie Falter hat bei ihrer Berufsorientierung bereits einiges gelernt: „Wir haben Blätterteig selbst hergestellt und daraus Plunder gebacken. Das hat Spaß gemacht“. Doch das Konditorhandwerk hat auch seine Tücken: „Es war sehr anstrengend, weil man den ganzen Tag stehen muss“, sagt die 14-Jährige.

Interessierte Schüler von Haupt- und Realschulen oder Gymnasien (Klassen 8 bis 10) können sich an ihren Fachlehrer oder Schulleiter wenden, wenn sie an der vertieften Berufsorientierung teilnehmen wollen. Mehr Informationen unter: www.hwk-unterfranken.de

Von unserem Redaktionsmitglied Claudia Kneifel
    
    

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