aktualisiert: 12.02.2012 16:47 Uhr
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WÜRZBURG
So stärken Sie die Abwehrkräfte Ihres Körpers
Abwechslungsreiche Ernährung ist sinnvoller als Nahrungsergänzungsmittel – Ein Würzburger Experte klärt auf
Extra viele Vitamine in Kinderbonbons, Vitamin C und Zink in Lutschtabletten, ACE in Fruchtsäften, Omega-3-Fettsäuren in Margarine – all das soll fit und gesund machen. Gerade im Winter ist der Körper vielen schädlichen Einflüssen ausgesetzt. Aber kann man das Immunsystem mit der richtigen Ernährung wirklich gezielt stärken?
Dr. Walter Burghardt, Ernährungsmediziner, Facharzt für Gastroenterologie und Innere Medizin und Ärztlicher Leiter der Diätschule der Uniklinik Würzburg, klärt auf.
„Prinzipiell kann man sagen: Wer sich normal und gesund ernährt, braucht keine Nahrungsergänzungsmittel, um sein Immunsystem bestmöglich zu unterstützen“, sagt Burghardt. „Gesunde Ernährung heißt: genügend, aber nicht im Übermaß Energie zuführen, vielseitig essen, nicht zu viel Fleisch und Wurstwaren, ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche, fünfmal täglich Obst und Gemüse und reichlich Flüssigkeit. Das sind die Eckpfeiler, an denen man sich orientieren kann.“
Vitamine sind nicht immer gut
Allerdings sind alte oder kranke Menschen, Raucher und Alkoholiker insgesamt anfälliger für Krankheiten. „Ob und welche Nahrungsergänzungsmittel für solche Patienten empfohlen werden, muss ganz individuell ein Arzt entscheiden. Die Weisheit, dass Vitamine immer gut sind und daher unbedenklich eingenommen werden können, ist aber falsch“, warnt Burghardt.
Die bekanntesten Vitamine – A, C und E – stärken tatsächlich das Immunsystem mit ihrer antioxidativen Wirkung. Der Mediziner erklärt: „Man kann sich das so vorstellen: Wenn der Körper angegriffen ist, entsteht oxidativer Stress, die freigesetzten Sauerstoffradikale schädigen Zellwände und damit den gesamten Mechanismus. Diese freien Radikale können durch Vitamine abgefangen und unschädlich gemacht werden.“
Allerdings gilt nicht je mehr, desto besser. Einige Studien haben bereits belegt, dass Vitamine in zu hohen Dosen sogar sehr schädlich sein können. „In den 80er Jahren fand man heraus, dass überdosiertes Vitamin A, das eigentlich Raucher vor Krebs schützen sollte, die Krankheit sogar begünstigt“, sagt der Ernährungsmedziner. „Bei Vitamin C ist so etwas, zumindest bei normaler Nierenfunktion, nicht zu erwarten, denn das wasserlösliche Vitamin wird in der Regel bei Überschuss einfach vom Körper ausgeschieden. Vorsicht ist hingegen bei den fettlöslichen Vitaminen wie A und E geboten.“ Alles in allem ist ein gesunder Mensch nicht auf die Hilfe von Nahrungsergänzungsmitteln angewiesen, denn durch eine ausgewogene Ernährung werden alle lebenswichtigen Stoffe zugeführt.
„Außerdem enthalten Tomaten, Äpfel, Orangen und Ähnliches nicht nur die bekannten Vitamine, die man auch in einer Tablette schlucken könnte. In ihnen stecken noch Hunderte von sekundären Pflanzenstoffen, die man nicht künstlich herstellen kann, die jedoch ausgesprochen gesund sind“, erklärt Burghardt. Und es ist nicht schwer, seinen Körper mit der benötigten Menge an Vitaminen zu versorgen: Schon eine große Orange am Tag enthält die empfohlene Dosis von 100 mg Vitamin C. „Mit verschiedenen Sorten Obst – zum Beispiel Äpfeln, Orangen, Bananen – und Gemüse wie Tomaten oder Paprika, aber auch saisonalem Wintergemüse wie Grünkohl und Rosenkohl unterstützt man das Immunsystem optimal“, so der Mediziner.
Für Knochen und Muskulatur
Ein weiteres bekanntes Vitamin, Vitamin D, unterstützt den Aufbau der Knochen und der Muskulatur. Unter günstigen Umständen wird es im Körper durch Sonnenlicht hergestellt, ist jedoch im lichtarmen Winter kaum vorhanden. „Hier schafft Fisch, der viel Vitamin D enthält, Abhilfe. Ein weiterer Vorteil regelmäßiger Fischmahlzeiten: Die ebenfalls enthaltenen Omega-3-Fettsäuren sind wichtig für den Fettstoffwechsel, halten Gefäße und Blutkreislauf gesund.“
Auch Zink, das in vielen Lebensmitteln wie Milch, Eiern oder Getreide vorhanden ist, unterstützt das Immunsystem. Es stärkt insbesondere die Abwehrzellen und Antikörper, das heißt zelluläre und humorale Bestandteile des Immunsystems. „Ein Zinkmangel ist jedoch sehr selten, also ist auch hier keine Nahrungsergänzung mit Zinktabletten nötig.“ Alle Funktionen, Wirkungsketten und Effekte der Ernährung sind noch lange nicht geklärt. Oft wissen auch die Wissenschaftler lediglich, dass etwas hilft, aber nicht unbedingt, wie es wirkt.
„Fakt ist aber: Ein gutes Immunsystem schützt nicht nur vor Schnupfen, sondern sogar vor Krebs. Wir können unseren Körper angesichts des vielfältigen Angebots an Nahrung heute optimal versorgen und ihn so auch im Winter ohne Ergänzungsmittel stark machen“, sagt der Würzburger Mediziner.
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