publiziert: 10.03.2010 17:51 Uhr
aktualisiert: 10.03.2010 17:53 Uhr
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Was alles für das Impfen spricht

Ein Würzburger Befürworter über die seiner Meinung nach zahlreichen Vorteile und geringen Risiken
  • Impfen ist unerlässlich, sagen die einen – Impfen ist unnötig, ja schädlich sagen andere.
    Foto: DPA
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Ob gegen Keuchhusten, Wundstarrkrampf oder Gebärmutterhalskrebs: Impfen ist unerlässlich, sagen die einen. Impfen ist nicht notwendig, sogar schädlich, sagen die anderen. Zu den Impfbefürwortern zählt der medizinische Mikrobiologe und Infektionsepidemiologe Professor Dr. Tino F. Schwarz, seit 1996 Chefarzt des Zentrallabors am Juliusspital in Würzburg, eines der wenigen internationalen Prüfzentren für klinische Studien mit Impfstoffen in Deutschland.

Frage: Warum sind Impfungen notwendig?

DR. Tino F. Schwarz: Wir leben nicht alleine und isoliert auf der Welt. Deshalb besteht jederzeit das Risiko, sich selbst und andere mit Krankheiten anzustecken. Schutz bieten Impfungen, die von offizieller Seite, der Ständigen Impfkommission, empfohlen werden. Sie basieren auf einer gründlichen Analyse der wissenschaftlichen Daten und der Kosten-Nutzen-Risiko-Abwägung. Hier gibt es ordentliche wissenschaftliche Arbeiten, die unabhängig von der Industrie gemacht wurden. Anhand dieser sieht man ganz klar: Impfen bringt etwas, wir können Krankheiten reduzieren. Deshalb sollten alle Eltern ihre Kinder impfen und Erwachsene ihre Impfungen auffrischen lassen.

Dennoch folgen nicht alle Menschen den Impfempfehlungen.

Schwarz: Es gibt zwei verschiedene Zielsetzungen beim Impfen: Kollektiv- und Individualschutz. Beim Individualschutz, dazu zählen Reiseimpfungen, gibt es wenig Diskussionen. Vor einer Reise, etwa nach Indien, ist die Bereitschaft groß, sich beispielsweise gegen Hepatitis A impfen zu lassen. Das sähe wahrscheinlich anders aus, wenn diese Impfungen generell empfohlen würden. Es scheint, dass manche Menschen den Sinn kollektiver Schutzmaßnahmen nicht verstehen.

Was verstehen Impfgegner nicht?

Schwarz: Manche Menschen realisieren nicht, dass wir die Krankheiten nicht mehr haben, weil sie „weggeimpft“ worden sind. Wenn man mit Impfgegnern beispielsweise über Kinderlähmung diskutiert, dann argumentieren sie, Kinderlähmung gäbe es doch gar nicht. Aber die Frage, warum es Kinderlähmung nicht mehr gibt, stellen sie sich nicht. Sie profitieren von der Solidargemeinschaft, vom Impfschutz der anderen, von der Herdenimmunität. Das heißt: Wenn 80 oder 90 Prozent der Menschen geimpft sind, schützen sie gleichzeitig diejenigen, die nicht geimpft sind. Allerdings kann eine Krankheit schnell wieder ausbrechen, wenn der Impfschutz nicht aufrechterhalten wird und die Impfraten nach unten gehen.

Warum haben dann manche Eltern Vorbehalte, ihre Kinder impfen zu lassen?

Schwarz: Das Problem ist: Wir impfen Menschen, die gesund sind. Deshalb ist es meiner Meinung nach bedenklich, wenn manche, womöglich anthroposophisch eingestellte Hebammen Mütter massiv beeinflussen, ihre Kinder nicht impfen zu lassen. Denn sie beraten Mütter zu einer Zeit, in der dem Kind nichts fehlt. Wenn Krankheiten auftreten, beispielsweise eine Mittelohrentzündung bei Kindern im Alter von einem Jahr, dann geschieht das, weil sie nicht gegen Pneumokokken geimpft worden sind – eben weil die Mütter von den Hebammen einen Kinderarzt empfohlen bekommen haben, der bekanntlich nicht impft. Aber zu diesem Zeitpunkt beraten diese Hebammen bereits wieder andere Mütter und sehen nicht, wie sich ihre Ratschläge auswirken können.

Es gibt auch Erwachsene, die sich nicht impfen beziehungsweise ihre Impfungen nicht auffrischen lassen.

Schwarz: Das ist oft Nachlässigkeit. Im Alter zwischen 20 und 40 Jahren geht man, wenn man nicht krank ist, auch nicht zum Arzt. Und deshalb besteht in dieser Zeit eine gewisse Impfmüdigkeit. Das liegt auch daran, dass bei uns Impfungen freiwillig und nicht verpflichtend sind.

Gibt es beim Impfen keinerlei Risiken?

Schwarz: Wir entwickeln heute Designer-Impfstoffe. Das heißt, wir haben sehr genaue Zielvorstellungen und wissen, was beim Impfen immunologisch passiert. Deshalb sind die Risiken minimal.

Und die Nebenwirkungen?

Schwarz: Sicher kann es beim Impfen allgemeine lokale oder systemische Beschwerden geben: Rötungen, Schwellungen, Druckschmerzhaftigkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen. Das ist normal. Sie dauern einen Tag oder auch zwei Tage an, das war's. Dann gibt es die seltenen unerwünschten Nebenwirkungen, die sich in einer Größenordnung von 0,x abspielen. Sie lassen sich jedoch nicht in einen Kausalzusammenhang mit einer Impfung bringen – was oft getan wird. Es handelt sich dabei aber um eine Koinzidenz, um ein zeitliches Aufeinandertreffen von zwei oder mehr Ereignissen. Je mehr man impft, desto mehr Einzelfälle wird es geben – die allerdings auch auftreten, wenn nicht geimpft worden ist. Bestes Beispiel sind SAEs, schwere unerwünschte Reaktionen, hinter denen sich auch Verkehrsunfälle, Suizide oder Tötungen, die in einem zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung auftraten, verbergen.

Ist die 14-Jährige aus England, die Ende September nach einer Impfung gegen Viren, die Gebärmutterhalskrebs vorbeugen können, starb, so ein Einzelfall?

Schwarz: Es ist ein bedauerlicher Einzelfall. Bei der Obduktion hat sich herausgestellt, dass das Mädchen an einem zum Zeitpunkt der Impfung nicht diagnostizierten ausgedehnten bösarten Tumor im Brustraum litt, der den Tod verursacht hatte. Es besteht also kein kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und ihrem Tod.

Was spricht gegen eine Impfung?

Schwarz: Kontraindikationen sind akute schwere Erkrankungen, gegebenenfalls Chemotherapien und Unverträglichkeiten, etwa gegen Hühnereiweiß bei Grippeimpfungen. Ein banaler Schnupfen ist dagegen kein Grund, sich nicht impfen zu lassen.

Das Gespräch führte Christine Jeske
    
    

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Die neuesten Kommentare

mikkid (15 Kommentare) am 11.03.2010 12:57

Nicht gut informiert!

Sehr geehrte Damen und Herren,
auf www.impfschaden.de/info
sind weitere Einzelfälle aufgelistet, und auf ARTE war eine Sendung über viele Einzelfälle in kurzem Zeitraum nach einer Sechsfachimpfung.
Ein Bericht über die Schäden wäre auch Sinnvoll! Vielleicht bald, nach dem Robert Koch Institut Empfehlung zu Zeckenimpfung ausspricht. Sie kommt in ca. 3-4 Wochen.
(0)
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