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aktualisiert: 27.01.2012 13:41 Uhr
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GIEBELSTADT
Giebelstädter Firma verschenkt Handyspiele
Spiele für Smartphones sind ein Wachstumsmarkt – Bei HandyGames entwickeln auch Azubis Nummer-eins-Hits
Im Wartezimmer, im Bus, daheim auf der Couch: Wenn Menschen im Alltag konzentriert auf ihrem Smartphone herumtippen, muss nicht unbedingt die wichtige Arbeits-E-Mail an den Chef dahinterstecken – vielleicht wird gerade das neueste Handyspiel getestet.
Das Geschäft mit Spielen auf dem Mobiltelefon blüht – und macht einen enormen Wandel durch: Musste man bis vor Kurzem noch für die meisten Spiele bezahlen, bekommt man inzwischen einen Großteil kostenlos. Nur drei bis fünf Prozent der Handybesitzer legen für ihre Downloads Geld auf den Tisch, die Gratis-Games finanzieren sich über eingebaute Werbung. Dadurch, dass die Spiele den Nutzer nichts kosten, schrumpft die Hürde, Neues auszuprobieren. Auch die rasant wachsende Anzahl von Smartphones trägt zum Boom in der Handyspiele-Branche bei: So werden täglich weltweit allein über eine halbe Million Android-Geräte neu freigeschaltet.
„Handyspiele galten lange als Kindervergnügen.“Udo Bausewein
Der schnelle Wandel auf dem Mobiltelefonmarkt und der nicht vorhersehbare technische Fortschritt haben sich auch beim größten Arbeitgeber in der Games-Industrie in der Region, dem Giebelstädter Unternehmen HandyGames, bemerkbar gemacht. „Vor zwei Jahren haben wir eine dreiviertel Million Spiele pro Jahr verkauft“, so Udo Bausewein, kaufmännischer Leiter der Firma. „Heute verschenken wir mehrere Millionen Spiele pro Monat – weltweit.“ Dies geschieht zum Beispiel auf Android Market, einer Software von Google, die standardmäßig auf Smartphones mit dem Betriebssystem Android ausgeliefert wird. Über Android Market können Spiele heruntergeladen und installiert werden. Wer ein iPhone besitzt, erhält die Spiele von HandyGames im App-Store von Apple.
Dass die Zahl der Downloads so hoch ist, liegt auch daran, dass sich die Zielgruppe erweitert hat: Während sich früher vor allem 14- bis 29-Jährige die Zeit mit Spielen auf dem Handy vertrieben, tun dies heute auch 60-Jährige. „Handyspiele galten lange als Kindervergnügen, heute sind sie gesellschaftlich akzeptiert.“
Der Schwerpunkt für HandyGames hat sich durch diese Entwicklungen verlagert – vom Spiel zum Spielenden. Alle Produkte werden ins Internet gestellt, der Kunde entscheidet, was ihm gefällt. In diesem Zusammenhang haben auch soziale Online-Netzwerke wie Facebook an Bedeutung gewonnen: „HandyGames hat seit November 2010 eine Seite bei Facebook – mit mittlerweile über 142 000 Fans, die uns Rückmeldung zu unseren Produkten geben“, sagt Markus Kassulke, der zusammen mit seinem Bruder Christopher die Geschäftsführung der Firma bildet. Und das ist wichtig: Lief ein Spiel früher schlecht, konnte man nur spekulieren, worin der Misserfolg lag. Heute teilt der Kunde seine Meinung online direkt mit – etwa zum Namen, dem Thema oder der Grafik eines Spiels.
All das bringt enorme Geschwindigkeit und neue Herausforderungen mit sich: „Früher hat sich der Games-Designer das Spiel und das Drehbuch dazu ausgedacht, und alle anderen Mitarbeiter sollten das Projekt bis zu einem bestimmten Zeitpunkt umsetzen“, erklärt Bausewein. „Das funktioniert heute nicht mehr.“
Belohnung und ein gutes Gefühl
Durch das Einführen einer neuen Arbeitsmethode, genannt „Scrum“, sind nur noch drei bis vier Wochen nötig, um ein Spiel so weit zu entwickeln, dass man eine erste Version davon herausbringen kann. Vorher dauerte dies bis zu sechs Monate. Sobald es eine Grundidee gibt, legt ein Team los. Geplant wird nur für jeweils eine Woche – um das Spiel immer wieder den Entwicklungen auf dem Markt anpassen zu können. Da auf diese Art unkompliziert Nachbesserungen möglich sind, lassen sich auch Azubis von Anfang an in Teams einbinden. „Schon im ersten Ausbildungsjahr haben sie ein Spiel auf dem Markt und können einen Nummer-eins-Hit landen“, so Kassulke. Wie man einen solchen Hit produziert? Belohnung und ein gutes Gefühl, nichts Schwieriges – das ist es, was die Leute von einem Handyspiel erwarten, meint Kassulke. „Außerdem darf es möglichst wenige ausschließen, es sollte Männer wie Frauen begeistern, junge und alte.“ Und dann muss eine gute Grundidee her, das Herz eines Spiels.
Stimmiges Gesamtkonzept
Im Fall von „Clouds And Sheep“, das Ende 2011 erschien, bestand dieses Herz aus Schafen und Wolken sowie der Idee, beides in einer Art Kreislauf zusammenzubringen. „Die Schafe sind das Wichtigste am Spiel“, so Kassulke. Mit ihnen soll der User per Finger auf dem Touchscreen seines Smartphones alles mögliche machen können: die Tiere am Schwanz ziehen, sie in der Luft herumschleudern. „Füttere sie, spiel mit ihnen – und werde der beste Hirte aller Zeiten“, heißt es in einem Werbetext.
Und wie kommen die Wolken ins Spiel? Zum Beispiel dadurch, dass Schafe auch trinken müssen. Hier ist der User gefragt: Nur wenn er auf dem Display Regenwolken zusammenschiebt, kommt es zu dem von den Schafen heiß herbeigesehnten Regen. „Der erste Eindruck vom Spiel sollte fesseln, es muss sich stimmig anfühlen“, erklärt Kassulke. „Wenn es etwa regnet, das Schaf dabei aber trocken bleibt, ist das Ganze nicht rund.“ „Kostenlose Spiele, die trotzdem von guter Qualität sind, dahin geht der Trend in unserer Branche“, so Bauseweins Prognose. Seine Firma sieht er für die Zukunft gut gerüstet – auch wenn er überzeugt ist, dass das Wachstum nicht beliebig weitergehen wird. Aber: „Wir wollen die Situation jetzt erst einmal genießen.“
Spiele-Apps fürs Handy
Gut vier Millionen Deutsche haben im Jahr 2010 laut einer Umfrage des IT-Verbands Bitkom Spiele-Apps auf ihrem Handy genutzt. Vermarktet werden die Spiele über das Internet, die Weiterverbreitung übernehmen die User. Über den „Gefällt mir“-Knopf auf Facebook oder mit Rezensionen auf Blogs entscheiden sie mittlerweile über Erfolg oder Misserfolg eines Spiels – und können so auch einen regelrechten Hype um eine App auslösen. Vorteil für Spieleentwickler und Programmierer: Das kostspielige Rühren der Werbetrommel für ein Produkt entfällt. Viele Spiele-Apps stehen kostenlos zum Download bereit, meist sind sie Appetithäppchen. Will ein Gamer über ein bestimmtes Level hinaus weiterspielen, kommt er meist nicht um den kostenpflichtigen Download der Vollversion herum. Der Vorteil daran: Man kauft nicht die Katze im Sack. Die Firma HandyGames stellt den Usern drei Geschäftsmodelle zur Wahl: Der kostenlose Download eines Spiels ist durch Werbung finanziert, die am Rand des Handydisplays läuft oder das Spiel kurz unterbricht. Wer zusätzliche Spielinhalte zur Gratis-Version will, kauft diese dazu. Möchte man gänzlich ohne Werbeeinblendungen spielen, kann man die Vollversion des Spiels erwerben. Laut Udo Bausewein, kaufmännischer Leiter von HandyGames, werden täglich weltweit mehrere hunderttausend Spiele seiner Firma aus dem Netz heruntergeladen. Die Games können auch auf Tablet PCs wie etwa das iPad heruntergeladen werden.
ONLINE-TIPP
Spiele-Apps fürs Smartphone – sie waren 2011 eines der Hauptthemen auf der Computermesse Gamescom: www.mainpost.de/multimedia
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