Multimedia

aktualisiert: 27.01.2012 14:37 Uhr
Text
Text
WÜRZBURG
Facebook: Zeitleiste ist ein Aufreger
Timeline wird Pflicht
20 Millionen Deutsche tummeln sich in Facebook. Auf sie und alle anderen Nutzer kommt jetzt eine Neuerung zu: die Zeitleiste. Schon hagelt es Kritik.
Es soll eine Übersicht über das gesamte Leben werden, ein digitaler Lebenslauf also: Facebook macht zum 1. Februar die Timeline (Zeitleiste) in den Profilen der weltweit 800 Millionen Nutzer zur Pflicht. Diese fundamentale Neuheit im größten sozialen Netzwerk der Welt scheint die Facebook-Gemeinschaft in zwei Lager zu teilen: Den einen ist die Timeline willkommen oder mindestens egal, die anderen kritisieren sie zum Teil massiv.
Wenngleich Facebook am Dienstag die Pflicht zur Timeline lapidar in seinem Blog ankündigte, kam die Neuheit mit Ansage: Schon Mitte Dezember hatte Facebook die Zeitleiste in einer Vorabversion eingeführt – auf freiwilliger Basis. In wenigen Tagen kommt jedoch kein Nutzer mehr dran vorbei. Es sei denn, er steigt aus Facebook aus.
Und das ist für manches Mitglied in der Tat ein Thema. So brachte es kürzlich ausgerechnet auf Facebook ein Nutzer auf den Punkt: „Entweder ich kann mich wie bisher in Facebook ohne Timeline frei bewegen oder (. . .) ich steige bei Facebook aus.“
Kritiker befürchten unter anderem, dass mit der Timeline nun massenweise Daten von Nutzern an die Öffentlichkeit gespült werden, die diese lieber verborgen hätten oder nicht mehr im Griff haben. Facebook steht somit erneut am Pranger von Datenschützern, die die Praktiken des US-Riesen seit Längerem geißeln. Zuletzt rügte EU-Kommissarin Viviane Reding Facebook wegen mangelhafter Datenschutzpolitik.
Doch die Macher des sozialen Netzwerks sind geübt darin, derlei Kritik entgegenzutreten. Es werde in Sachen Timeline nichts ohne die ausdrückliche Benachrichtigung der Nutzer geändert, betonte am Mittwoch eine Facebook-Sprecherin. Erst wenn man sein Profil aufsuche und die Freischaltung der Funktion bestätige, starte die Frist von sieben Tagen, in der ein Facebook-Mitglied sein Profil noch vorab aufräumen kann.
In der Timeline werden übersichtlicher als bisher alle Informationen angezeigt, die man je bei Facebook eingestellt hat. Das Online-Netzwerk würdigt es als eine Art Lebensgeschichte. Facebook betont, dass die Privatsphären-Freigaben bei allen Inhalten unverändert bleiben – und nachträglich auch verändert werden können.
So können Informationen nur für Freunde, nur für bestimmte oder aber für alle Nutzer sichtbar gemacht werden. Zur Überprüfung gibt es bei den Profileinstellungen den Punkt „Anzeigen aus der Sicht von...“. Damit kann man nachvollziehen, wie die Seite zum Beispiel für den Chef aussieht.
Klingt plausibel, klingt praktisch – doch allein aus Liebe zum Nutzer hat Facebook die Timeline nicht eingeführt. Das US-Unternehmen will mit Hilfe des neuen Layouts noch kanalisierter an so viele Nutzerdaten wie möglich kommen. Die Nutzer wiederum erhalten dann noch gezielter Werbung auf ihren Facebook-Profilen – was dem Unternehmen um Gründer Mark Zuckerberg weitere Einnahmen bringen soll.
Dieser schrankenlose Kampf um Daten hat in dieser Woche auch Google in die Schlagzeilen gebracht. Im Wettstreit mit Facebook ordnet der Suchmaschinen-Riese seine Ressourcen neu: Ist man angemeldet, werden Informationen quer über alle Dienste des Internetkonzerns ausgewertet.
Dies werde den Nutzern Vorteile in Form von relevanteren Suchergebnissen und Werbeanzeigen bringen, erklärte der Internetkonzern. Für die Änderungen sollen ab Anfang März die Datenschutzbestimmungen vereinfacht und zusammengeführt werden – statt heute 70 einzelner Dokumente für verschiedene Dienste soll es nur noch eins geben. Die Daten würden nach wie vor nicht nach außen verkauft, betont Google.
Wenn ein Nutzer bei Google angemeldet ist, „können wir Informationen, die Sie bei einem Dienst gemacht haben, mit Informationen aus anderen Diensten kombinieren“, erläuterte Googles Datenschutz-Chefin Alma Whitten in einem Blogeintrag. Kurz gesagt, werde man über alle Google-Dienste hinweg als ein Nutzer behandelt. Das solle für ein „einfacheres, intuitiveres Google-Erlebnis“ sorgen. Ein Nutzer kann das nur umgehen, wenn er nicht bei Google angemeldet ist.
Der Konzern vermarktet die Neuerungen vor allem als Gewinn für die Kunden. „Wir können die Suche besser machen – indem wir verstehen, was Sie wirklich meinen, wenn sie Apple, Jaguar oder Pink eintippen“, argumentierte Whitten.
Mit den Änderungen wird Google Werbung besser auf einzelne Nutzer zuschneiden können. Anzeigen im Umfeld der Internet-Suche sind die wichtigste Einnahmequelle des Konzerns. Google und Facebook liefern sich seit Monaten ein kommerzielles Wettrennen. So hat sich das Netzwerk Google+ an Facebook angeglichen – und umgekehrt.
Diesen Artikel
| Bewertung: |
|
| 0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein um zu bewerten) | |
Die neuesten Kommentare
|
nessi69 (29 Kommentare) am 31.01.2012 11:19
Keine anderen Probleme?Also ich versteh die ganze Aufregung wieder nicht. Jeder wird sich wie immer daran gewöhnen. Ich bin froh in den 80er Jahren aufgewachsen zu sein und bin trotzdem auf Facebook! Ich alleine entscheide was ich posten will oder nicht. Bankverbindung oder Adresse ist nicht Pflicht, also wer diese dort angibt ist selber Schuld. Wer nicht auffallen will soll sich daheim verstecken, nur bar bezahlen, nicht online gehen etc... nur da ist man wirklich sicher! Facebook verdient ein Haufen Kohle mit Werbung... und wir sind ja schon immer auf sowas eifersüchtig! Ich für meinen Teil mag Facebook, weil ich Kontakt mit vielen alten Freunden habe die in der ganzen Welt verstreut sind! Alles hat seine Vor-und Nachteile! Und die Zeiten ändern sich, ob wir wollen oder nicht...so isses nunmal
|
(0)
|
|
willy sachs (61 Kommentare) am 27.01.2012 07:45
Genearation Facebook?Selbst schuld wer sich bei Gesichtsbuch anmeldetEntweder sind die User so blöd wissen nicht was Datenschutz bedeutet, oder es ist ihnen einfach egal. Oder wollen sie es nicht wissen? Wenn du als Kind in den 80er Jahren lebtest, kannst du froh sein in einer der letzten Epochen der wahren Kindheit aufgewachsen zu sein. Ohne den ganzen******** |
(2)
|
Krankenhaus finden
Multimedia-Lexikon
Wir erklären Ihnen die wichtigsten Begriffe aus der digitalen Welt. »mehr

Wetter
