aktualisiert: 16.03.2010 16:24 Uhr
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Dresden (dpa)
Jubiläum mit Uraufführung - Schumann in Dresden
So richtig wollte sich keine Harmonie zwischen dem Komponisten Robert Schumann und Dresden herstellen. Dabei kam er 1844 voller Hoffnungen an die Elbe.
In Leipzig hatte man ihn als Gewandhauskapellmeister übergangen. Würde der Hof in Dresden eine Anstellung befördern? Auch daraus wurde nichts. Schumann schlug sich in Dresden mit Privatstunden und als Chorleiter durch. Gelegentliche Begegnungen mit Richard Wagner, damals Dresdner Hofkapellmeister, konnten ihn nicht aufbauen. Wagner war eine andere Natur. Zudem machte sich Schumanns Nervenleiden zunehmend bemerkbar.
«Dennoch sind die sechs Jahre Schumanns in Dresden differenziert zu bewerten. Es war für ihn eine sehr produktive Zeit», sagt der Musikdramaturg Tobias Niederschlag. In diese Phase fielen nicht nur das a-Moll-Klavierkonzert, sondern auch die 2. Sinfonie, die Musik zu «Manfred» und viele Kammerstücke. Die Hofkapelle - die heutige Staatskapelle Dresden - führte schon 1843 das Oratorium «Das Paradies und die Peri» unter Schumanns Leitung auf, 1849 folgten Teile aus den «Faust-Szenen». 200 Jahre nach seinem Geburtstag wird der Komponist (1810-1856) nun mit orchestralen Uraufführungen besonders geehrt.
Am Donnerstag (18.3.) erklingen in Schumanns Geburtsstadt Zwickau (Sachsen) die 1830 entstandenen Abegg-Variationen. Sie gelten als erstes Orchesterwerk des jungen Robert überhaupt, auch wenn er später den Orchesterpart verwarf und es beim Klavier beließ. Am Samstag (20.3.) folgt in der Dresdner Frauenkirche die mit besonderer Spannung erwartete «Abendmusik». Schumann-Experte Joachim Draheim spricht von einer kleinen Sensation. Lange lag dieses Stück als Klavierfassung auf seinem Tisch. «Es verlangte geradezu nach einer Orchestrierung», erzählt der Pianist und Forscher über das 1841 erschienene Werk.
Es war das große «sinfonische Jahr» Schumanns, in dem erstmals seine «Frühlingssinfonie» und auch seine 4. Sinfonie erklangen. Genau wie beim Scherzo g-Moll (1841) ist davon auszugehen, dass Schumann die «Abendmusik» in ein sinfonisches Gewand kleiden wollte. Das Scherzo enthält bereits Hinweise zur Instrumentierung. Draheim besorgte nun den Rest - wie auch im Fall der «Abegg»-Variationen, die vom Orchester des Theaters Plauen-Zwickau gespielt werden. Für die «Abendmusik» sind zwei Tage später die Dresdner Staatskapelle und der britische Dirigent Daniel Harding zuständig.
«Die Werke Schumanns gehören seit jeher zum Kernrepertoire der Staatskapelle. Trotzdem freut es uns natürlich, dass wir dem Komponisten mit dieser späten Uraufführung eine besondere Ehre erweisen können», sagt Konzertmeister Matthias Wollong. Mit Blick auf Schumanns Leidenszeit an der Elbe spricht der Geiger von einer «späten Wiedergutmachung». Bis Jahresende folgen weitere Programme.
Draheim sieht einen klaren Unterschied zu kleineren Stücken, die sensationslüstern als Uraufführungen gehypt werden. An dem Scherzo und der «Abendmusik» lasse sich ablesen, wie Schumann ein neues Experimentierfeld beschritten habe. Fazit: Auch der große Schumann musste als Sinfoniker klein anfangen. Wieviel Schumann noch in den Archiven lagert, vermag er nicht zu sagen. «Es kann immer noch etwas auftauchen.» Schumann sei auch ein «genialer Resteverwerter» gewesen. Übriggebliebenes Material griff er selbst nach Jahren wieder auf.
Experten wie Draheim wissen, dass es auch bei einem öffentlich so gut erforschten Komponisten wie Schumann noch weiße Flecken gibt. «Es lagern noch Dinge in Privatsammlungen, da kommt man kaum ran.» Dass Autographen bedeutsamer Künstler als Spekulationsobjekte in Tresoren liegen, hält Draheim für fatal, und er wird an dieser Stelle sogar radikal. «In solchen Fällen bin ich für Enteignung.» Schließlich stehe Kulturgut von nationalem Rang auf dem Spiel.
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