publiziert: 17.03.2010 13:14 Uhr
aktualisiert: 17.03.2010 13:15 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text Oberhausen (dpa)
«Abseitsfalle» holt Finanznot auf die Bühne

Kein Tag vergeht im Ruhrgebiet derzeit ohne Hiobsbotschaften zur Finanznot: Etliche Städte sind schon jetzt oder in naher Zukunft pleite.

Rigide Sparmaßnahmen sind die Folge, und zuerst geht es notgedrungen an die Töpfe der freiwilligen Leistungen. Dazu gehören jene Einrichtungen, die Städte erst lebenswert machen: Bibliotheken, Schwimmbäder, Kultureinrichtungen aller Art wie kommunale Kinos, Festivals und die seit langer Zeit von Kürzungen geschwächten Theater. Akut bedroht sind die Theater in Wuppertal, Hagen und vor allem in Oberhausen, wo es besonders trostlos aussieht. Mit einem Stück zur Finanznot ist das Theater Oberhausen nun in die Offensive gegangen.

«Abseitsfalle» hat der Sänger, Autor, Clubbetreiber und Theaterregisseur Schorsch Kamerun sein Stück genannt, das am Dienstagabend seine Uraufführung feierte. Der für seine Wortspiele berühmte Kamerun, der als Spezialist für originelle Formate gilt, hat sein Theaterexperiment in die Sporthalle einer Gesamtschule im Oberhausener Stadtteil Osterfeld verlegt. Mit Bussen wird das Publikum dorthin gebracht, die Fahrt vorbei am Gelände der ehemaligen Gutehoffnungshütte, wo heute der gigantische Einkaufs- und Freizeittempel «CentrO» liegt.

In der Sporthalle läuft auf zwei Bühnen ein skurriler Wettbewerb. Das Team des Oberhausener Theaters tritt gegen ein Team des Fußballclubs Rot-Weiß Oberhausen an, um die Gunst des fiktiven Sponsors «Arab Petrol» zu gewinnen. In einer «Vier Chancen-Tournee» müssen die Teams ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Die Theater- Mannschaft rekrutiert sich mehrheitlich aus der Riege der Schauspieler, aber auch der Pförtner und ein Theatergänger sind dabei. Im Fußballteam sind Fans, der erste Vorsitzende und eine Spielerfrau versammelt.

Beide Teams spielen eine Szene aus Shakespeares «King Lear», müssen singen und ein Bild malen und schließlich soll das Publikum abstimmen, welche Mannschaft es wert ist, vom sagenhaften Sponsor aus dem Nahen Osten finanziert zu werden. Wie in TV-Sendungen eines Privatsenders werden laufend Sponsoren eingeblendet und das Geschehen von Werbepausen unterbrochen.

Aus diesen Zutaten hätte ein böser, kritischer und vor allem kämpferischer Abend werden können. Aber trotz des Charmes des Authentischen, den die Laiendarsteller und der Sängerbund der Gutehoffnungshütte beisteuern, trotz der Tristesse des Aufführungsortes bleibt Kameruns Theater allzu spielerisch und beiläufig. Zumal Kritik und Analyse ohne Schlusspointe verpuffen und so das Ganze am Ende unfreiwillig in Resignation umschlägt.

So herrscht auf der Rückfahrt keine Proteststimmung, in der sich die Angst um den drohenden Kulturverlust entlädt, sondern stoisches Schweigen. Und der Abstimmung, die angeblich das Theater gewonnen hatte, hat sich der Sponsor in seiner Entscheidung natürlich nicht angeschlossen.

Von Constanze Schmidt, dpa
    
    

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