aktualisiert: 24.11.2009 16:26 Uhr
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NEW YORK
70. Geburtstag: Tina Turner überrundet alle
Sie füllt noch immer die größten Stadien und Hallen – Rock-Ikone wird 70
(dpa/sr) Im Mai fetzte sie noch mit ihrer Löwenmähne, in Netzstrümpfen, High Heels und superkurzem Lederrock über die Bühne. Jetzt wird sie 70. An diesem Donnerstag, 26. November, feiert Tina Turner runden Geburtstag.
Das Magazin „Rolling Stone“ rühmte sie als „eine der größten Stimmen aller Zeiten“. Fast 200 Millionen Platten hat die Rock-Ikone verkauft und mehr Konzertkarten als irgendein anderer Solo-Interpret der Geschichte. Bei der „Tina! 50th Anniversary Tour“ aus Anlass ihrer ein halbes Jahrhundert umspannenden Musikkarriere blieb nicht ein Platz frei. Mühelos füllte die 69-Jährige die Olympiahalle in München, das Staples Center in Los Angeles, den Madison Square Garden in New York, das O2-Stadion in London. Derzeit legt sie wieder eine Pause ein. Fragt sich nur, wie lange.
Fünfmal schon hat sich die frühere Soulsängerin mit der rauchig-röhrenden Stimme in den Ruhestand verabschiedet. Jedes Mal kehrte sie zurück, als wäre die Zeit spurlos an ihr vorbeigegangen: kein Zeichen von Alter und Müdigkeit, kein Verlust an Vitalität und erotischer Ausstrahlung. Dabei liebt Turner inzwischen Ruhe. „Ich bin einfach gern zu Hause. Dort kann ich die Musik hören, die mir gefällt, und meinen Lieblingswein trinken“, meinte sie in der ARD-Talksendung „Beckmann“.
Von Köln, wo sie sich lange zu Hause fühlte, siedelte sie 1994 mit ihrem Lebenspartner Erwin Bach nach Zürich um. Das Paar lebt außerdem in Südfrankreich und Kalifornien. Über Bach, einen Deutschen, sagte sie einmal: „Egal, wo er hingeht, ich werde mit ihm gehen.“
1939 – noch zur Zeit des rassistischen Ku-Klux-Klans – kam Tina Turner als Anna Mae Bullock in Brownsville (Tennessee) zur Welt. Ihr Vater war der schwarze Vorarbeiter auf einer Baumwollplantage, die Mutter hatte indianisches Blut in den Adern. Das Südstaaten-Girl wuchs in einer Gospelkirche auf, wandte sich während ihrer chaotischen 70er Jahre dem Buddhismus zu und folgt seinen Lehren bis heute.
Nach der Schulzeit zog es die bildschöne junge Frau in die Blues-Metropole St. Louis. Sie traf den acht Jahre älteren Gitarristen Ike Turner. „Fool in Love“, die erste Single, die sie gemeinsam aufnahmen, stürmte 1960 die US-Hitparaden. Mit dem Song „River deep – Mountain high“, den Phil Spector 1966 für sie komponierte, gelang der Durchbruch.
Doch erst als das Duo 1969 im Vorprogramm der Rolling Stones auftrat, hatte es auch das weiße Publikum für sich gewonnen. Der Erfolg des inzwischen verheirateten Paares wurde durch die Drogensucht, Untreue und Brutalität des Ehemannes überschattet. Nachdem Tina am 2. Juli 1976 in einem Hotelzimmer in Dallas erneut von Ike zusammengeschlagen worden war, massierte sie ihn noch einmal wie gewohnt in den Schlaf. Dann aber nahm sie die vier Kinder, ihre eigenen Söhne und zwei Stiefkinder, und flüchtete mit wenig Geld in der Tasche. Bei der Scheidung verzichtete sie auf Unterhalt und alle Rechte an der gemeinsamen Musik. Bis zum Start der Solo-Karriere hatte sie eine halbe Million Dollar Schulden und lebte von Sozialhilfe.
1984 bekam die 45-Jährige für ihr Comeback-Album „Private Dancer“ vier Grammys und spielte neben Mel Gibson in „Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel“. Es folgten weitere Filmrollen, mehr als zehn Alben, einige der höchsten Ehren der Musikbranche und die Gewissheit, fast alle Kollegen überrundet zu haben. Nur Marlene Dietrich hielt es länger aus: Sie trat noch 73-jährig mit ihrer One-Woman-Show auf, allerdings eher wie eine Statue im langen Abendkleid – und nicht wie der Wirbelwind Tina Turner mit wilden Tanzschritten in hautengen Hosen oder superkurzem Rock.
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