aktualisiert: 05.02.2012 18:37 Uhr
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BERLIN
75. Geburtstag: Der gesamtdeutsche Manfred Krug
Ob als selbstbewusster Brigadeführer in der DDR oder als unkonventioneller Anwalt in Westberlin – Manfred Krug ist einer der populärsten Schauspieler Deutschlands. Und er ist neben Armin Mueller-Stahl einer der großen Stars, die der DDR-Film hervorgebracht hat.
Geboren wurde Manfred Krug 1937 in Duisburg. Er kam als Zwölfjähriger in die DDR, zusammen mit seinem Vater, einem Eisenhütten-Ingenieur, der in die DDR umsiedelte. Schon ab 1957 stand er bei der DEFA-Filmgesellschaft regelmäßig vor der Kamera. Typisch für den jungen Krug waren Filme wie „Auf der Sonnenseite“ (1961) oder „Beschreibung eines Sommers“ (1962), in denen der Draufgänger und Casanova sich sowohl zum gesellschaftlich engagierten DDR-Bürger wie zum zartfühlenden Liebenden entwickelt. So liebte ihn das Publikum. 1960 entstand sein erster Film mit Regisseur Frank Beyer, „Fünf Patronenhülsen“, eine Geschichte aus dem spanischen Bürgerkrieg. Mit Beyer machte Krug dann 1965 „Spur der Steine“, den wichtigsten, besten und aufregendsten Film seiner Karriere. Als Hannes Balla führt er eine Zimmermanns-Brigade auf einer Großbaustelle. Der Film, der alle Konflikte offen durchspielte und einen kritischen Blick auf den DDR-Alltag warf, war für den bürokratischen Sozialismus der DDR viel zu anarchistisch.
Er kam 1966 in die Kinos und wurde nach nur drei Tagen Spielzeit und inszenierten Zuschauerprotesten verboten, wie viele andere DEFA-Filme im Jahr 1966. Erst 1989 konnte er wieder aufgeführt werden. Rosemarie Rehan, Filmkritikerin in der DDR, hat 1995 in einem Buch Manfred Krug als Balla so charakterisiert: „Nie haben wir eine Arbeiterfigur von solcher Vitalität und Poesie, von so kräftigem Witz und Charme gesehen. Ein Kerl, vierfacher Aktivist, mit hinreißend anarchistischen Zügen.“ Und sie bescheinigt ihm „ein erotisches Flair aus lässig gehandhabter Vorzeige-Männlichkeit und einer Seele, die auf Zehenspitzen geht“. In den Jahren bis zum Verlassen der DDR 1977 spielte Krug in vielen sehr unterschiedlichen Filmen mit und wurde auch als Sänger von Schlagern und Jazzstandards populär. Er trat 1970 sogar in der Komischen Oper in Berlin als der Rauschgifthändler Sportin' Life in Gershwins Musical „Porgy und Bess“ auf.
In der Bundesrepublik konnte Krug seine Karriere ohne Unterbrechung fortsetzen. Als Fernfahrer in der TV-Serie „Auf Achse“ (1978 - 1995), als Kommissar im „Tatort“ des NDR (1984 - 2001) und besonders als Rechtsanwalt in „Liebling Kreuzberg“ (1986 - 1998) wurde er zu einem der beliebtesten Fernsehstars in West- und Ostdeutschland. „Liebling Kreuzberg“ wurde mehrfach ausgezeichnet. Die Drehbücher zu vier der fünf Staffeln schrieb der Schriftsteller Jurek Becker, der Krug sehr kannte. Sie waren befreundet, hatten zusammen in Ostberlin in einer Wohngemeinschaft gelebt. Der Anwalt wurde so fast zu einem anderen Ich von Krug. Liebling ist ein Frauenheld, der sich nicht mit einer Freundin begnügt, und ein Anwalt, der lieber spazieren geht als unangenehme Fälle anzunehmen. Zugleich ist die Serie eine Chronik von Berlin, sie setzt vor dem Mauerfall ein und endet erst kurz vor dem neuen Jahrhundert.
Krugs Aktivitäten gehen über Filme weit hinaus. Er hat fünf Bücher geschrieben, zuerst 1996 „Abgehauen“, seine kritische Sicht auf die DDR. Er hat CDs mit eigener Musik veröffentlich, auch Hörbücher mit Texten von Brecht. Er hat für die Telekom-Aktie geworben und sich später dafür entschuldigt, dass die Aktionäre Geld verloren. Er ist seit 1963 mit Ottilie Krug verheiratet. Gemeinsam haben sie drei Kinder, darunter die Sängerin Fanny Krug. 2002 wurde bekannt, dass er ein uneheliches Kind hat. Krug, der 1997 einen Schlaganfall erlitt und mit 65 seine Karriere als Schauspieler beendete, lebt in Berlin. Er tritt noch gelegentlich als Sänger und mit Lyrik auf.
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