publiziert: 11.07.2010 15:38 Uhr
aktualisiert: 11.07.2010 17:43 Uhr
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Alexei Volodin als zaubernder Pianist

Der St. Petersburger mit Beethovens fünftem Klavierkonzert in Bad Kissingen

Weißes Jackett, rotes Einstecktuch, schwarzes T-Shirt: Auf den ersten Blick würde Alexei Volodin auch als Barpianist durchgehen. Vermutlich würde der Mann aus St. Petersburg auch „As Time goes by“ so hinreißend spielen wie die Chopin-Zugaben bei der „Beethoven-Gala“ des Kissinger Sommers. Aber seine Hauptaufgabe an diesem Abend ist Beethovens fünftes Klavierkonzert, und das kommt so konzentriert, pointiert und sensibel, dass die Assoziation Barpianist nur noch unter dem Aspekt natürliche, souveräne Musikalität Bestand hat.

Volodin ist ein sprechender, ein singender und in den besten Momenten ein zaubernder Pianist: jedes Motiv eine Aussage, jede Phrase eine Geschichte. Die Partitur macht ihn im ersten Satz nicht zum Vorreiter, sondern zum Kommentator. Volodin fügt sich nicht nur in diese Rolle, er genießt sie. Um dann im zweiten und dritten Satz umso bestimmender seine Anliegen zu vertreten. Als da wären: unendlich zärtliche Kantilenen im Adagio und gestochen scharfe Allegro-Motive im Rondo. Das Gulbenkian Orchestra unter Lawrence Foster musiziert mal als eigenständiger, mal als anteilnehmend fürsorglicher Partner und hat damit wesentlichen Anteil an dieser inspirierenden und frischen Version des Fünften.

Der Beginn der zweiten Hälfte erinnert – wie so manches Kissinger-Sommer-Programm – an die Programme der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts: Vor Mendelssohns „Schottischer Sinfonie“ singt Simone Kermes zwei Bravour-Arien von Haydn und Mozart. Sie tut das energisch, mit großer, klarer Stimme, souverän in der Höhe, etwas angestrengt in den Koloraturen. Aber so richtig passen die Stücke nicht in den Ablauf: zu schnell vorüber, um wirklich Eindruck zu hinterlassen, und zu dominant, um nicht als Fremdkörper zu wirken.

Die Schottische schließlich ist reiner Genuss: Die Liebe des Orchesters zu dieser Musik ist in jedem Moment zu spüren. Musiker und Dirigent geben sich dunklen Farben und milder Aufgewühltheit hin und bringen so eine Ahnung von Herbst in den Hochsommer. In den die Zugabe – ein knackiges Scherzo aus dem „Sommernachtstraum“ – das begeisterte Publikum anschließend wieder entlässt.

Von unserem Redaktionsmitglied Mathias Wiedemann
    
    

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