publiziert: 08.02.2012 12:38 Uhr
aktualisiert: 08.02.2012 12:42 Uhr
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Anna Gourari zwischen kühler Analyse und hysterischer Leidenschaft

Die international renommierte russische Pianistin änderte das Programm ihres Würzburger Konzerts und spielte fast nur Chopin

Die Enttäuschung über die spontane Programmänderung war schnell überwunden. Anna Gourari, russische Pianistin internationalen Formats, eröffnete ihr Meisterkonzert-Programm im Großen Saal der Würzburger Hochschule für Musik nicht wie geplant mit Ferruccio Busonis imposanter Bearbeitung der Bach‘schen d-Moll-Chaconne, sondern mit Chopins cis-Moll-Polonaise – in einem fast reinen Chopin-Programm ein bisschen schade, zumal der Name Bach groß auf allen Plakaten prangte. Doch wer Chopin spielen kann, sollte das auch ausgiebig tun, und Gourari kann es.

Chopin war ein zurückhaltender und feinfühlender Charakter, und vielleicht darf man eine Interpretation seiner Werke dann als angemessen bezeichnen, wenn sie den Mittelweg findet zwischen unterkühlter Analyse und allzu hysterischer Leidenschaft. Gourari fand ihn fast immer. Die zwei Nocturnes des Abends wurden zu echten Nachtstücken, gespielt in flüsterndem, leuchtendem piano – berührend intim, doch immer pointiert und klar, nie weichlich verhuscht. In den lebhafteren der Mazurken, zum Beispiel der in Des-Dur aus op. 30, blieb Gouraris kerniger Zugriff auch bei größerer Lautstärke ohne Härte, drängte sie temperamentvoll und selbstbewusst nach vorne, ohne überdreht zu wirken.

Das gelang ihr im Scherzo Nr. 1 nicht ganz so gut: Auch ein Presto con fuoco braucht noch Zügel, um verständlich zu bleiben, und hier überholte sich die Pianistin quasi selbst – Ergebnis war ein indifferentes Klangrauschen. Mehr als wettmachen konnte das die zweite Hälfte des recht knappen Programms (die große Bach-Busoni-Chaconne fehlte eben doch ein wenig), beginnend mit Sofia Gubaidulinas „Chaconne“. Dieses Frühwerk der mittlerweile 80-jährigen Russin, die auch in Gouraris Geburtsstadt Kasan lebte, übernimmt die Kompositionsstrukturen Bachs, auch Schostakowitschs von Bach inspirierte Präludien klingen an.

Die Chopin‘sche C-Dur-Mazurka geriet Anna Gourari dann wieder zupackend und griffig, weder zu laut noch zu leise, maßvoll, ohne auch nur einmal langweilig zu sein, kultiviert ohne jeden belehrenden Unterton, immer persönlich und immer Chopin.

Von unserer Mitarbeiterin Katja Tschirwitz
    
    

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