publiziert: 28.06.2010 17:15 Uhr
aktualisiert: 28.06.2010 17:21 Uhr
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Blechacz beim Kissinger Sommer: Ein gelebter Chopin

Rafal Blechacz bei der Wiener Klassik-Soiree

Schnell reagierten Pianist Rafal Blechacz und Dirigent Philippe Auguin auf entfernte Vuvuzela-Klänge und ein aufdringliches Martinshorn, die am Ende des innig schön gespielten Chopin-Larghettos in den Konzertsaal drangen. Statt das melancholische Pianissimo nachklingen zu lassen begannen sie sofort mit dem temperamentvollen Allegro-Vivace-Finalsatz. Zur Wiener Klassiksoiree hatten die Wiener Symphoniker beim Kissinger Sommer eingeladen. Eingebettet in eine der „Leonoren“-Ouvertüren und die 7. Sinfonie Beethovens präsentierten sie Frédéric Chopins zweites Klavierkonzert in f-Moll. Solist war der Gewinner des Chopin-Wettbewerbs von 2005, Rafal Blechacz.

Sehr routiniert begleiteten die Wiener den 25-jährigen polnischen Pianisten. Man hätte sich passagenweise vom Orchester etwas mehr Herzblut gewünscht und etwas weniger Lautstärke. Blechacz spielte angenehm unaufgeregt mit differenziertem Anschlag. Er beherrschte die virtuosen Klangkaskaden und die lyrischen Solopassagen und überzeugte vor allem im Mittelsatz, dem Larghetto. Da lebte er seinen Landsmann Chopin, verschleppte ausdrucksvoll oder beschleunigte virtuos die perlenden Klavierläufe und verströmte jugendliche Melancholie. Den begeisterten Applaus belohnte Blechacz mit Chopins As-Dur-Mazurka Nr. 31.

Auguin hatte schon in der „Leonoren“-Ouvertüre gezeigt, dass er den Rhythmus vorgeben wird. Wenn nötig exakt taktierend, überdeutlich den Dirigentenstab schwingend oder imposant die ergraute Mähne schüttelnd. So richtig angekommen war die Botschaft bei einigen wenigen Wiener Geigern aber erst im Laufe der siebten Sinfonie von Beethoven. Da endlich ging ein Ruck durch sie, lasch überkreuzte Füße lösten sich, man registrierte Körperspannung und aus technisch abgespultem Spiel wurde ein fesselndes.

Insgesamt überzeugten die Wiener mit der Siebten das Publikum. Es erklatschte sich eine Zugabe: Bei Johann Strauss' Pizzicato-Polka überraschte der Paukist nicht nur die Zuhörer, sondern offensichtlich auch Orchesterkollegen mit keck eingestreuten Triangel-Schlägen.

Von unserer Mitarbeiterin Angelika Silberbach
    
    

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