publiziert: 09.07.2008 15:30 Uhr
aktualisiert: 09.07.2008 15:50 Uhr
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Christine Schäfer beim Kissinger Sommer: Anrührender Klagegesang

Feine Christine Schäfer

Manchmal ist es schwer zu begründen, warum es einem Konzert an Magie mangelt. Warum der Funke einfach nicht überspringen will. Vor allem, wenn rein äußerliche Kriterien wie Intonation oder Dynamik im Großen und Ganzen nicht zu beanstanden sind.

Im Falle des Gastspiels der Berliner Barock-Solisten am Dienstag beim Kissinger Sommer könnte man es an der verhaltenen Eröffnung mit einem Vivaldi-Concerto-Grosso festzumachen versuchen. Am blutleeren Solo von Konzertmeister Rainer Kussmaul im langsamen Satz oder den allzu routinierten Phrasierungen der tänzerischen Sätze. Man könnte darauf verweisen, dass nicht alle vergessenen Werke zu Unrecht vergessen sind, und dass, wer den Zuhörer vom Gegenteil überzeugen will, ein wenig mehr tun muss, als nur zu zeigen, dass er mit einem Barock-Bogen umzugehen versteht.

So erklärt sich vielleicht ein wenig, warum erst beim letzten Stück des Programms, den Auszügen aus Henry Purcells „Dido and Aeneas“, wirklich Spannung aufkommt. Was im Übrigen vor allem Verdienst der Sopranistin Christine Schäfer ist. Sie hat zwar schon vor der Pause in Pergolesis „Salve Regina“ makellose Gesangskunst gezeigt, doch ist das Stück trotzdem eigentümlich blass geblieben.

Purcells „Dido“ dagegen macht sie – diesmal mit inspirierterer Begleitung – zu einer anrührenden Klage über die Vergänglichkeit der Liebe und damit des Lebens überhaupt. Die Oper ist ein buntes Sammelsurium von Rezitativen, Arien, Solo- und Tutti-Stücken, an deren Ende das wunderbare „Thy hand“ steht, ein tieftrauriger Abschied von allen Hoffnungen, den Christine Schäfer mit einem hypnotisch verhangenen Ton beginnt, den sie ganz langsam aufblühen lässt. Und dann ist sie doch noch da, die Magie.

Online-Tipp

Alles vom Kissinger Sommer: www.mainpost.de

Von Mathias Wiedemann
    
    

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