publiziert: 15.07.2010 15:57 Uhr
aktualisiert: 15.07.2010 16:14 Uhr
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David Lomeli bringt die Ränge zum Toben

Mitreißendes Konzert eines Weltklasse-Tenors bei der Operngala des Kissinger Sommers

Solange er nicht singt, hat er was von einem Tanzbär. Einem verspielten, hinreißend linkischen Tanzbär. David Lomeli, 29, Weltklasse-Tenor, geboren in Mexico City, wohnhaft in San Francisco, ist auf der Bühne zu Hause. Dort darf er mit vielen Menschen das Glück teilen, mit diesem Talent, mit dieser Stimme ausgestattet worden zu sein. Sobald er singt, umgibt ihn nur noch Noblesse und die Gewissheit, dass es in diesem Moment nichts Wichtigeres, nichts Aufregenderes, nichts Bewegenderes geben kann. Wenn Pavarotti die Stimme des 20. Jahrhunderts war – Lomeli könnte die des 21. Jahrhunderts werden. Er hat alles: Ausstrahlung, Strahlkraft, Leichtigkeit, einen untrüglichen Sinn für Timing, Phrasierung, Dynamik, ebenso wie für Komik und Dramatik.

Sein dritter Auftritt beim Kissinger Sommer, bei der „Festlichen Operngala“, ist deshalb ein weiterer Triumph, auf den Rängen toben sie wie die Fankurve im Fußballstadion, auch im Parkett nehmen die Bravi kein Ende. Die ebenso seiner Partnerin gelten: Die amerikanische Sopranistin Nicole Cabell ist an diesem Abend mit Arien und Duetten von Dvoøák, Verdi, Massenet, Gounot, Cilea und Puccini weit mehr als nur der Sidekick, das zeigt sich schon im Traviata-Duett „Un di, felice“. Ihre herrlich runde und dunkle Stimme bildet die Komplementärfarbe zu Lomelis fast gleißender Helligkeit.

Und so bewegt sich das dramaturgisch geschickt zusammengestellte Programm mit einer perlenden Schmuckarie aus Gounods „Faust“, einem zutiefst anrührenden „O mio babbino caro“, einem grimmigen Auftritt des Macduff und dem skrupellos-schmissigen „La donna e mobile“ schlüssig auf den – vorhersehbaren – Höhepunkt zu: La Boheme. Er eröffnet den Flirt mit einem wunderbar zärtlichen „Che gelida manina“, sie zeigt sich empfänglich mit „Si, mi chiamano Mimi“, und das Duett „O soave fanciulla“ ist dann ungetrübtes Opernglück.

Das Münchner Rundfunkorchester unter Lawrence Foster assistiert fürsorglich und sorgfältig, mit warmem, homogenem Klangbild, und nutzt die Vor- und Zwischenspiele zu Demonstrationen gepflegter Orchesterkultur. Lomeli und Cabell danken für die Ovationen mit je einer Zarzuela und bekräftigen mit „Brindisi“, was der Zuhörer bis dahin mehr als nur geahnt hatte: Hier singt ein neues Opern-Traumpaar.

Von unserem Redaktionsmitglied Mathias Wiedemann
    
    

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