publiziert: 20.05.2011 14:12 Uhr
aktualisiert: 20.05.2011 16:48 Uhr
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Der heilige Gral - Mythos und Wahrheit

Legende und Wahrheit

Seit Jahrhunderten taucht er in der Literatur auf. Auch Indiana Jones und Dan Browns Professor Langdon suchen ihn. Ist er das Gefäß, in dem das Blut Christi verwahrt wurde?

  • Fotos: Cinetext, Universitätsbibliothek Heidelberg
    Der Gral im Film: Parzival mit dem kuriosen Kelch (aus „Excalibur“). Im Text: Illustration einer „Parzival“-Handschrift.
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Es greift um sich wie eine Sucht. Sie verwandelt bodenständige Männer in Weltflüchtlinge. Fröhliche Haudegen, die gegeneinander zu Pferd mit Lanzen anrannten, um sich aus dem Sattel zu stoßen, die sich munter zechend um den runden Tisch auf Camelot versammelten, die das Dasein im Diesseits genossen – sie werden von einer Vision heimgesucht. Und einer nach dem anderen macht sich auf die Suche nach dieser Vision, jagt dem Heiligen Gral hinterher. Ritter Parzival weiht ihm sein junges Leben.

Seit der geheimnisvolle Gral erstmals, Ende des 12. Jahrhunderts, in Chrétien des Troyes' „Perceval“ in der Literatur auftauchte, regt er die Fantasie an. Seit damals wird über das mystische Gefäß – um ein solches handelt es sich mutmaßlich – fabuliert und spekuliert. Groschenhefte widmen sich ebenso wie ernst zu nehmende Literaten dem sagenhaften Stoff. Im Mittelalter-besessenen 19. Jahrhundert werden neue Legenden um den Gral gesponnen. Richard Wagner widmet ihm seine Oper „Parsifal“, die ab dem heutigen Samstag am Würzburger Mainfranken Theater zu sehen ist (siehe Artikel unten). Schon vorher hatte Wagner im „Lohengrin“ Berührung mit dem Grals-Stoff gefunden. Hollywood spinnt in den 1950er- und 60er-Jahren Ritterfilme um Tafelrunde und Gral. Harrison Ford und Sean Connery finden ihn dann 1989 in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“.

Obwohl der Gral seit gut 800 Jahren in den Köpfen herumspukt, weiß keiner wirklich, was genau er ist. Die Hollywood-Filmemacher sind kaum klüger als die unglücklichen Ritter der Tafelrunde, die mehr oder weniger einem Phantom hinterherjagten. Bekannt sind nur Legenden. Zum Beispiel die, dass Josef von Arimathäa das Blut, das Christus am Kreuz vergoss, in einer Schale – dem Gral – auffing. Eine andere Sage behauptet, der Gral sei ein Smaragd, der aus Luzifers Krone fiel, als dieser in die Hölle fuhr. In Chrétiens Epos ist der Gral ein Hostiengefäß. Wolfram von Eschenbach, dessen 1210 entstandener „Parzival“ auf Chrétiens Dichtung fußt, macht daraus einen auch symbolisch zu verstehenden Speise- und Heilkraftspender. Bei Wagner ist der Gral der Kelch des letzten Abendmahls (und aufgeladen mit typisch Wagner'scher Heilssymbolik).

Die Grals-Legende wuchert noch im 21. Jahrhundert in Dan Browns fantastischem, auch verfilmtem Roman „The Da Vinci Code“ (auf Deutsch: „Sakrileg“). Hier ist der Gral, dem Symbolforscher Robert Langdon auf der Spur ist, kein Gefäß. Es sind die heute noch lebenden Nachfahren von Jesus und Maria Magdalena – das „Blut Christi“ in einem übertragenen Sinn. Jenseits von Fiktion und Fantasie bemühen sich Wissenschaftler, dem Geheimnis des Grals auf die Spur zu kommen. Als Gralsburg, der Ort, an dem der magische Gegenstand aufbewahrt wird, kommt ein Dutzend Namen in Frage. Etwa Winchester Castle in Südengland (dort wurde ein runder Tisch aus dem 13. Jahrhundert gefunden, vielleicht die „Tafelrunde“), Montségur in den französischen oder Montsalvasch in den spanischen Pyrenäen.

San Juan de la Pena ist ein heißer Favorit für die Gralsburg. Das Bergkloster in den spanischen Pyrenäen liegt versteckt unter riesigen überhängenden Felsen. Nur Ortskundige finden es. Eine Urkunde von 1134 bescheinigt dem Kloster, dass es im Besitz jener Schale sei, in der das Blut Christi aufgefangen wurde. Das Gefäß bestand angeblich aus Achat, gefasst in eine goldene, mit Perlen und Rubinen verzierte Halterung. Solch eine Schale ist heute in der Kathedrale von Valencia zu sehen. Untersuchungen zeigten, dass sie zwischen dem vierten Jahrhundert vor Christus und dem ersten nach Christus im Nahen Osten hergestellt wurde. Sie könnte also beim Letzten Abendmahl verwendet worden sein, hätte auch Jesu Blut enthalten können. Sicher ist das alles nicht.

Letztlich bleibt der Gral in mythischem Dunkel. Vielleicht ist er auch nur eine Metapher für die ewige Jagd des Menschen nach dem Glück, das, wie der Gral, nur schwer zu finden ist. Vielleicht nie.

Von unserem Redaktionsmitglied Ralph Heringlehner
    
    

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