publiziert: 30.03.2010 17:31 Uhr
aktualisiert: 30.03.2010 17:34 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text STRODEHNE/WÜRZBG.
Der wichtigste Repräsentant der DDR-Kunst vermisst Anerkennung

Maler Bernhard Heisig feiert am heutigen Mittwoch 85. Geburtstag – Auch im Würzburger Museum am Dom hängen Werke von ihm
  • Bernhard Heisig
    Foto: dpa
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(dpa/fr) Die fehlende Anerkennung für DDR-Künstler und ihre Werke nach der Wende kann er bis heute nicht akzeptieren, da hilft auch die Milde des Alters nicht. Der Maler Bernhard Heisig, der am heutigen Mittwoch, 31. März, 85 Jahre alt wird, ist der letzte Überlebende der Leipziger Schule. Ihm und den Künstler-Kollegen Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke wurde zwar immer Anerkennung gezollt. Doch vielen anderen ist sie nach seiner Ansicht versagt worden.

Heisig, von dem auch Bilder im Würzburger Museum am Dom zu sehen sind, lebt in dem kleinen brandenburgischen Ort Strodehne an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. In der beschaulichen Landschaft geht er seiner Kunst nach. Er malt – wie sein Leben lang – jeden Tag einige Stunden. Im Rollstuhl sitzt er vor der Staffelei und arbeitet an den Themen, die ihn nicht loslassen. Die eigene Vergangenheit und die Erfahrungen als junger Mann im Zweiten Weltkrieg sind Wunden, die bei ihm nicht verheilten. „Konfliktsituationen und das Verhältnis von Täter und Opfer bleiben immer mein Thema“, sagt Heisig. Das sei nie aufzuarbeiten.

Dokumentationen im Fernsehen über den Zweiten Weltkrieg und heutige kriegerische Auseinandersetzungen erinnerten ihn an lange zurückliegende Erlebnisse. Heisig wird als sehr guter realistischer Zeichner geachtet. „Dafür habe ich in der DDR das geeignete Klima gefunden“, sagt er. Und gibt zu: „Ich habe wenig Beziehung zur abstrakten Malerei.“ Mit dieser Art könne er nicht die Themen verwirklichen, die ihm auf der Seele brennen. Er erzählt in seinen Bildern von den Ereignissen der Pariser Kommune oder zeigt seine brennende Geburtsstadt Breslau. Wut, Trauer, Schmerz, Angst und Tod lassen den Betrachter kaum los. Er sei ein „pessimistischer Optimist“, beschreibt er seinen Stil.

Heisig beschäftigt sich heute auch mit Porträts: Fontane, Bach und Goethe, mit dem Hitler-Attentäter Graf von Stauffenberg. Vielfältige Motive bietet auch die umgebende Havellandschaft. Er malt nicht mehr so detailgetreu wie früher, sagt seine Frau und erste Kritikerin, die Malerin und Grafikerin Gudrun Brüne. Sie bemerkt auch stärkere Farben in seinen Bildern, wo früher mehr dunkle und graue Töne vorherrschten. Sie weiß, dass ihr Mann Perfektionist ist. Legendär sind seine Einsätze in Ausstellungen, wo er bei bereits abgelieferten Werken noch einmal Hand anlegte und Korrekturen auf die Leinwand brachte. Der wichtigste Repräsentant der DDR-Kunst musste sich nach der Wende Vorwürfen zu seiner Rolle stellen. Das SED-Mitglied wurde 1961 Professor und Rektor der Kunsthochschule Leipzig, 1964 aber abgesetzt wegen Kritik an der Kulturpolitik der SED. 1976 kehrte er für gut zehn Jahre an die Leipziger Hochschule zurück. Er erhielt zwei Nationalpreise der DDR – mit der Wende gab er sie zurück und trat aus der SED aus.

Der Auftrag des Kulturbeirates des Deutschen Bundestages 1997/98 zur Ausgestaltung der Cafeteria im neuen Parlament entfachte eine Kampagne gegen den in Ost und West anerkannten Künstler, der 1986 ein Porträt des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt (SPD) malte. Obwohl er sich als 17-Jähriger freiwillig zur Waffen-SS gemeldet hatte, hielt der Kulturbeirat an ihm als Künstler für diese Arbeit fest. Heisig sah das auch als Anerkennung der Leistungen ostdeutscher Künstler.

    
    

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