aktualisiert: 17.12.2012 16:06 Uhr
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WÜRZBURG
Die ARD will nicht länger Spaßbremse sein
Das Erste startet am 20. Dezember zur Geisterstunde eine Satireshow mit Florian Schroeder und Jo Brauner
Die alte Tante ARD will endlich komisch werden – doch offenbar traut sie sich noch nicht so richtig: Mitten in der Nacht hat am 20.12. die neue Satireshow „Das Ernste“ Premiere, erst zur Geisterstunde darf sich eine Riege von Spaßmachern um den badischen Kabarettisten Florian Schroeder und den ehemaligen „Tagesschau“-Chefsprecher Jo Brauner über Fernsehen und Politik, Stars und Sternchen lustig machen.
Die Show läuft nach Dieter Nuhrs Jahresrückblick um Mitternacht und soll Fragen klären wie: „Ist Philipp Rösler ein südostasiatischer Sprachroboter?“ oder, ganz besonders frech: „Wie viele Talkshows braucht die ARD wirklich?“ Das Konzept erinnert sicherlich nicht ganz zufällig an Oliver Welkes „heute-show“, mit der das ZDF beim jungen Publikum punktet und viel fürs Prestige tut.
Eine Portion Selbstironie
Jetzt will die ARD nicht länger als Spaßbremse der Nation dastehen, und der Titel „Das Ernste“ beweist ja immerhin eine gewisse Portion Selbstironie beim Sender. Die Sendung wird eine 45-minütige Nachrichtenparodie und im echten „Tagesthemen“-Studio gedreht, wie ein echter Anchorman sagt Florian Schroeder die wechselnden Beiträge und Parodien an.
In den Einspielfilmen schlüpft der als begabter Promi-Imitator bekannt gewordene 33-Jährige in verschiedene Rollen: Erste Bilder zeigen Schroeder als Bundespräsident Joachim Gauck vor einer Standarte mit Bundesadler am Schreibtisch sitzend oder als Bundesumweltminister Peter Altmaier eine Sahnetorte spachtelnd – mit Kunstglatze und täuschend echtem Doppelkinn.
Auch die anderen Teammitglieder von „Das Ernste“ parodieren Mächtige und Berühmte. So steht die Schauspielerin Sara Kelly-Husain als Claudia Roth mit rotem Pagenschnitt am Rednerpult des Bundestages, und ihr Kollege Thomas Nicolai verkörpert den schrillen Modeschöpfer Harald Glööckler – stilecht mit viel Strass, auffälligem Bart und wulstigen roten Lippen. Zwischen den Beiträgen präsentiert Jo Brauner zwei Nachrichtenblöcke mit lustigen Kurzmeldungen.
Ob die neue Sendung eher eine Comedyshow wird oder als echtes (gesellschafts-)politisches Kabarett durchgehen darf, muss sich zeigen. Die ARD will jedenfalls, sofern die 45-minütige Premiere zufriedenstellend läuft, kommendes Jahr weitermachen. „Wir freuen uns auf handverlesene junge Comedians und darauf, wie sie Politik, Wirtschaft, Werbung und das Fernsehen aufs Korn nehmen“, sagt Heiner Heller vom zuständigen Rundfunk Berlin Brandenburg.
Stellt sich nur die Frage, warum die ARD erst jetzt mit dem Kampf gegen das Humordefizit beginnt. In den vergangenen Jahren musste der öffentlich-rechtliche Sender zusehen, wie das ZDF mit seiner „heute-show“, der Kabarettsendung „Neues aus der Anstalt“ oder Monika Grubers „Leute, Leute“ zur ersten Anlaufstelle für zeitgemäßen Humor mit Hirn wurde. Beim Ersten dagegen vertraute man auf Dieter Hildebrandts Klassiker „Scheibenwischer“ und die zynischen Sprüche von Harald Schmidt. Beide sind mittlerweile abgewandert – Dieter Nuhrs monatlich gezeigter „Satire Gipfel“ wirkt wie ein letztes kabarettistisches Feigenblatt.
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