publiziert: 27.06.2010 14:05 Uhr
aktualisiert: 27.06.2010 14:24 Uhr
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Dreieckiger Hut auf Pizzicato-Teppich

Die Bamberger Symphoniker mit Tschaikowsky beim Kissinger Sommer

Vermutlich ist der Dirigierstil von Kirill Karabits für die Musiker ebenso ungewohnt wie für den Konzertbesucher. Wenn Karabits' unkonventionelle Gestik aber die Bamberger Symphoniker irritiert, dann ist davon jedenfalls nichts zu spüren bei der „Bamberger Violinsoiree“ des Kissinger Sommers am Samstag. Karabits dirigiert ohne Stab, die Arme mit ausgestellten Ellbogen, die Hände meist vor dem Körper. Oft wirkt er eher wie ein Chordirigent, mitunter auch wie ein Big-Band-Leader. Aber es scheint zu funktionieren, wenn man von kleinen Unschärfen in Tschaikowskys Ouvertüre zu „Romeo und Julia“ absieht.

Das Orchester genießt das reine Tschaikowsky-Programm sichtlich und vor allem hörbar – die vierte Sinfonie, besonders das Finale, ist ein Fest der prachtvollen Klänge. Pointierte Holzbläser, strahlendes Blech, samtene Hörner und ebenso präzise wie satte Streicher – die Bamberger sind dauerhaft in der Weltspitze angekommen, und es ist immer wieder faszinierend, wie sie die Vorgaben unterschiedlicher Dirigenten umsetzen. Hochdifferenziert etwa unter ihrem Chef Jonathan Nott, unbekümmert gelöst nun eben unter Kirill Karabits.

Der sieht seine Aufgabe nicht darin, Werk oder Orchester seine Handschrift aufzuprägen. Im Gegenteil. Er hat die Stärken der Bamberger erkannt und verhilft ihnen bereitwillig zur Geltung. Bestimmt nicht der unklügste Ansatz eines jungen Dirigenten bei seiner Premiere mit einem derart profilierten Orchester.

Ouvertüre und Sinfonie umrahmen das Violinkonzert, das Vadim Repin farbenreich, mal knackig, mal schwelgend, erfahren und mit einem Hauch Routine spielt. Das ist vielleicht nicht jede Sekunde bannend, große Geigenkunst ist es allemal. Er kennt das Stück in- und auswendig, und damit wohl auch seine Schwächen. Vielleicht deshalb geht im dritten Satz vor dem furiosen Finale kurz ein wenig der Faden verloren.

Den begeisterten Applaus belohnt Repin mit ein paar lässig-präzise hingeworfenen Variationen Paganinis zu „Mein Hut, der hat drei Ecken“. Das Orchester hat er zuvor angewiesen, ihm einen Pizzicato-Teppich aus zwei gebrochenen Akkorden zu bereiten. Und plötzlich geht es nicht mehr um schicksalsträchtige Romantik, sondern um den puren Spaß am musikalischen Witz.

Von unserem Redaktionsmitglied Mathias Wiedemann
    
    

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