aktualisiert: 05.07.2010 16:37 Uhr
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BAD KISSINGEN
Dvoøáks unerfüllte Liebe
Wenn ein Cellist erzählt
Wie ein großer, schwarzer Vogel spreizte Dirigent Yakov Kreizberg die Arme bei der ersten von zwei Zugaben, dem „Valse triste“ von Jean Sibelius. Es schien, als umarme er sein brillant aufspielendes Orchestre Philharmonique de Monte Carlo. Der Dirigent, der alle Werke auswendig dirigierte, und das ihm an den Augen hängende Orchester boten eine poetische, lustvolle und frische „Sheherazade“ von Nikolai Rimski-Korsakov.
Der Kissinger Sommer hatte zur „Soiree beim Fürsten“ eingeladen, und der Große Saal im Regentenbau war nahezu voll besetzt. Mit vielen Bravorufen und Applaus bedachte das Publikum die „Sheherazade“. Da waren aber auch ein Flirren, ein Glanz, ein Beben im Spiel und ein tiefes Einverständnis zwischen Orchester und Dirigent. Kompliment an den ersten Geiger David Lefevre, der als Sheherazade in tausendundeiner Kadenz solistisch glänzte und den prachtvoll aufspielenden Sultan-Bläsern anmutig Paroli bot. Überhaupt die Blech- und Holzbläser: Egal, wer gerade zum Solo ansetzte, er lief zu Höchstform auf. Nicht minder engagiert spielten die Streicher. Es war pures Vergnügen, diesem Klangkörper zu lauschen. Bis zum Schluss beeindruckten die Monegassen mit Intonationssicherheit, stimmten achtsam die Instrumente nach.
In Antonin Dvoøáks impressionsreichem h-Moll-Cellokonzert drohte die Spiellust des Orchesters im ersten Satz Daniel Müller-Schotts Cellospiel zu übertönen. Doch im Mittelsatz, dem sehnsuchtvollen Adagio, waren sie dem Solisten inspirierende Begleiter. Jetzt spielte Müller-Schott zum Atemanhalten schön, erzählte von Dvoøáks unerfüllter Liebe zu Josefine, der älteren Schwester seiner späteren Frau Anna. Auffällig die immer wieder korrespondierenden Blicke zwischen Dirigent Kreizberg, dem ersten Geiger und Daniel Müller-Schott. Überwältigend intensiv gelang das Duett zwischen Geige und Cello im Finalsatz. Kein Wunder, dass auch Daniel Müller-Schott viele Bravorufe bekam.
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