aktualisiert: 29.06.2008 15:25 Uhr
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BAD KISSINGEN
Ein aufregend neuer Beethoven
Die Bamberger und Jonathan Nott makellos beim Kissinger Sommer
Zum Schluss schenkt Jonathan Nott dem Solo-Oboisten den blauen Karton mit (vermutlich) dem Bocksbeutel, den beim Kissinger Sommer die männlichen Solisten und Dirigenten anstatt der Blumen bekommen. Er hätte ihn ebenso gut dem Solo-Horn, der Solo-Bratsche oder der Solo-Flöte schenken können.
Denn beim Gastspiel der Bamberger Symphoniker gibt es keine Schwachstellen. Das Orchester liefert zwei leuchtend schöne Beethoven-Sinfonien ohne Makel ab. Nott hat die Bamberger seit dem Jahr 2000 aus ihrer Krise geführt und den unbeständig gewordenen Klangkörper wieder zu einem Spitzenorchester gemacht. Er verbindet offensichtlich akribische Probenarbeit, brillante Dirigiertechnik und mitreißende Präsenz im Konzert. So kann er sich bei „Pastorale“ und „Eroika“ darauf verlassen, dass die Bamberger seinem ungewöhnlichen Ansatz jederzeit folgen.
Denn Notts Beethoven verweist auf Mozart und nicht auf Brahms oder Wagner. Es scheint, als interessierten ihn die – sattsam bekannten – Brüche und Verwerfungen weit weniger als die Farben und die irisierenden Flächen, die entstehen, wenn man etwa in der großen Fuge der „Marcia funebre“ auf die übliche trotzig aufstampfende Artikulation verzichtet. Das könnte Musik sein für einen James-Ivory-Film: Unter einer sanft patinierten, von Haltung und Form geprägten Oberfläche werden plötzlich nie zuvor gehörte Details wahrnehmbar, etwa die Horn-Einwürfe im zweiten Satz der Pastorale. Jonathan Notts Beethoven: auf den ersten Blick eher unaufgeregt, auf den zweiten aufregend neu.
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