publiziert: 12.08.2012 17:41 Uhr
aktualisiert: 12.08.2012 18:34 Uhr
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Exklusiv-Interview: Warum Kurt Krömer sich für einen Außerirdischen hält

Der Komiker und Grimmepreisträger über seine Herkunft und seine neue Late-Night-Show in der ARD – Erste Sendung ist am 18. August
  • Foto: dpa
    Kurt Krömer: „Ehrgeizig war ich eigentlich nie.“ Erfolgreich ist der Komiker heute trotzdem.
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Ist das schon ein Comeback? Ein Jahr war Alexander Bojcan, 37, bekannt als Kurt Krömer, weg vom Bildschirm. Er drehte Filme und ging auf Tournee. Nun kehrt er zurück, immer samstags, nach dem „Wort zum Sonntag“, zunächst acht Folgen lang, ab 18. August. „Krömer“ heißt die 45-minütige Show des Grimmepreisträgers, Untertitel „Late Night Show“. Ein Gespräch über seine Herkunft und seine neue Sendung.

Frage: Sie können recht fies werden auf dem Bildschirm. Sind Sie privat netter?

Kurt Krömer: Privat bin ich ziemlich zurückhaltend. Auch rücksichtsvoller. Da bin ich weder den ganzen Tag am Pöbeln, noch bin ich ständig lustig. Ich komme aus einem ganz normalen Elternhaus und habe mir diese Normalität bewahrt. Ich weiß, wie man mit Menschen umgeht und was Respekt ist.

Ihr Vater hat auf dem Bau gearbeitet.

Krömer: Mein Vater ist gelernter Tischler, meine Mutter Schneiderin. Wir sind eine richtige Arbeiterfamilie.

Hat Sie das geprägt?

Krömer: Ja, das prägt mich immer noch. Ich merke das, wenn ich mit Medienleuten zu tun habe, da sind ja oft irgendwelche affektierten Fatzkes dabei. Dann kommt bei mir oft der Proletarier hoch.

Was haben Sie gelernt?

Krömer: Nichts richtig. Hilfsarbeiter. Meine Lehre zum Kaufmann im Einzelhandel habe ich nach einem Jahr abgebrochen. Ich hatte dann sehr viele Jobs, habe Zeitungen ausgetragen, Teller im Hotel gewaschen, in einer Grundschule geputzt.

Ab wann wollten Sie mit Ihrem Talent, komisch zu sein, Geld verdienen?

Krömer: Das war schwierig. In meiner Familie gab es keine Beziehungen zur Kultur, keinen Onkel Hans beim Theater, der mir einen Job verschaffen konnte. Bei mir hat das alles länger gedauert. Der Wunsch, so etwas zu machen, kam mit 13 oder 14, mit 18 habe ich bei einer Laienspielgruppe in Berlin mitgemacht. Dann ging es los. Ich war heiß auf die Bühne. Und ich konnte nicht zurück. Denn ich hatte ja nichts gelernt. Zehn Jahre zogen ins Land, bis ich ansatzweise erfolgreich war, das war schon ein Tal der Tränen.

Wie sehr hat das Showgeschäft Ihren Charakter verdorben?

Krömer: Dieses „Hier kommt der Star“ finde ich affig. Ich bin so etwas wie ein Außerirdischer, ich mache meine Sendungen, und dann gehe ich wieder nach Hause. Im Showbiz finde ich nicht statt, gehe ausschließlich in die Talkshow „3 nach 9“ und nehme ansonsten an dem Tralala nicht teil. Der Lanz ruft immer an, aber ich habe kein Interesse daran, über mein Leben zu sprechen, selbst wenn sich da in 38 Jahren vielleicht ein paar interessante Sachen angesammelt haben.

Sind Sie ehrgeizig?

Krömer: Ehrgeizig war ich eigentlich nie. Ich hatte nur diesen Traum, dass sich etwas aus dem Theater und der Bühne für mich entwickelt.

Sie sind in Neukölln geboren, in Wedding aufgewachsen. Ist Alexander Bojcan bzw. Kurt Krömer ein Beispiel dafür, dass auch Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen etwas werden können?

Krömer: Ja. Ich war im Wedding auf einer Gesamtschule, da ist es schon so gewesen, dass viele das gemacht haben, was auch ihre Eltern machten. Oder, dass welche arbeitslos wurden. Einige sind auch an Drogen gestorben. Aber dann waren auch Leute dabei, bei denen zeigt sich: Egal, wo du herkommst, du kannst dir alles erarbeiten. Einer mit Migrationshintergrund, ein Türke aus dem Wedding, der hat Abi gemacht, studiert und ist heute Zahnarzt. Der hatte auch seinen großen Traum. Er denkt wahrscheinlich heute so wie ich: Keiner hat es einem zugetraut, aber man hat es doch geschafft. Deshalb ist man stolzer als das Akademikerkind, das immer alles zur Verfügung hatte.

Was unterscheidet Ihre neue Show „Krömer“ von der vorigen, „Krömer – Die Internationale Show“?

Krömer: Vieles bleibt wie gehabt, ich habe an meinen Fähigkeiten ein bisschen herumgedoktert, vielleicht bin ich insgesamt etwas erwachsener geworden. Dazu kommt: Ich wollte und musste schärfer werden.

Inwiefern?

Krömer: Nur der Fragensteller zu sein, hat mich genervt. Ich komme vom Live-Programm, habe jahrelang alleine auf der Bühne gestanden und ohne großen Schnickschnack zwei Stunden Programm gemacht. Was man heute als „Stand up“ bezeichnet, das mache ich seit 17 Jahren. Ich bin eben nicht nur Talkmaster, sondern in erster Linie ein Livekünstler. Das fließt jetzt alles zusammen, deshalb zeichnen wir auch im Berliner Ensemble und nicht mehr im sterilen Fernsehstudio auf.

Und was passiert genau bei „Krömer“?

Krömer: Wir behandeln Themen, bei denen man sagt 'So etwas gehört doch nicht in eine komische Show'. Rassismus an sich ist ja nicht besonders spaßig, und Nazimärsche sind nicht unbedingt zum Lachen. Ich gehe da aber hin und führe Interviews mit Nazis. In diesen Einspielfilmen kann der Zuschauer sehen, wie ich die Dummheit der Leute noch einmal unterstreiche. Das zu erleben und mitanzusehen ist schon zynisch, makaber und: Satire.

Versuchen Sie sich jetzt an politischem Kabarett?

Krömer: Ich bin kein politischer Kabarettist, den Zeigefinger lasse ich weg. Nur zu sagen 'Nazis sind Schweine' ist mir aber auch zu einfach. Lieber gehe ich zu den Nazis hin, führe Interviews und stelle fest 'Das sind wirklich Schweine'. Ich bin vielleicht reifer geworden, aber meine Naivität habe ich mir bewahrt.

„Late Night“ ist ein schwieriges Pflaster. Gerade erst ist Harald Schmidt bei Sat.1 gescheitert.

Krömer: 'Krömer' hat absichtlich den Untertitel 'Late-Night-Show', damit alle diskutieren, ob das funktionieren kann oder nicht. Was Schmidt macht und was ich mache, ist nicht zu vergleichen. Wenn er auf das sinkende Schiff Sat.1 aufspringt, dann muss er damit rechnen, dass es nicht klappt. Sat.1 ist Privatfernsehen, da ist die Quote entscheidend, da kann er machen, was er will.

Bei Ihnen ist die Quote egal?

Krömer: Die Obersten bei der ARD gucken nicht auf den Sendeplatz nach dem 'Wort zum Sonntag'. Da ist denen egal, was passiert, solange ich nicht auf die Bühne komme und den Hitlergruß mache. Ich habe keinen Druck, was die Quote angeht, keine Vorgabe. Aber den 'Musikantenstadl' um 20.15 Uhr, den dürfte ich wohl nicht übernehmen.

Das Gespräch führte Steffen Rüth
    
    

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Die neuesten Kommentare

aithir (429 Kommentare) am 13.08.2012 09:05

Ich würde sagen,

er macht das in Wirklichkeit, um sich in Szene zu setzen und eine schicke Überschrift für seine Interview zu ergattern. Daher wird es aucht nicht gelesen.
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