aktualisiert: 21.07.2010 10:35 Uhr
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WÜRZBURG
Freilichttheater in Würzburg: Gottes Auftrag und irdische Nichtigkeit
„Das Große Welttheater“ mit Eventcharakter auf Würzburger Kiliansplatz
Mysterienspiele und Allegorien sind ein Renner beim Publikum. Ob das am leicht verständlichen Inhalt, der nicht gerade zu angestrengtem Nachdenken, eher zu entspanntem Zurücklehnen einlädt, oder an tief verinnerlichter Religiosität liegt, sei dahin gestellt. Im Rahmen von „Endspiel. Würzburger Apokalypse 2010“ präsentiert das Mainfranken Theater mit „Das Große Welttheater“ von Calderón de la Barca (1600-1681) jetzt eine nette Inszenierung eines barocken Mahnspiels rund um Gottes Auftrag und irdische Nichtigkeit.
Im Auftrag der Diözese Würzburg präsentiert das Mainfranken Theaters auf dem Kiliansplatz zwischen Dom und Neumünster barockes, allegorisches Theater, mit den – der damaligen Zeit entsprechenden – üblichen Vertretern Macht, Demut, Schönheit, Elend. Jede der schablonenhaften Figuren spielt seine Rolle im „Großen Welttheater“ des göttlichen Meisters. Handelt sie gemäß der Maxime „Handle recht denn, Gott sieht zu“, winkt nach dem Tode göttliche Vergebung.
Regisseur Bernhard Stengele setzt in seiner farbenprächtigen Inszenierung ganz auf den Eventcharakter der Aufführung eines einfach gestrickten, plakativen Barockstücks vor der imposanten Kulisse des Domplatzes. Effektvoll zeigt eine verfremdete Videoübertragung aus dem Neumünster Ulrich Pakusch beim Live-Orgelspiel. Und die unfreiwillig auf dem Boden gelandete riesige Weltkugel, dient als gigantischer Mutterleib oder Höllenschlund.
Das Darstellerteam beweist Routine und große Einsatzbereitschaft, bleibt dabei – gemäß der barocken Theaterauffassung – in reservierter Distanz zu den Rollen. Auflockerung bieten dabei einige locker hingeworfene Scherze und hübsch bearbeitete Schlager unserer Tage.
Wunderbar sind einmal mehr die Kostüme von Adrian Basilius, und Wilfried Szybas Masken beeindrucken durch Ästhetik, aber auch blanken Horror. So schreitet Rainer Appel huldvoll als Schönheit im Burgfräulein-Gewand mit imposantem Haubenhut und niedlicher Porzellanpuppenmaske über die Bühne, Anne Simmering wandelt als Demut im schnörkellosen Gewand einer antiken Priesterin. Klaus Müller-Beck im goldenen Wams trägt den Überfluss tatsächlich im prallgefüllten Bauchladen vor sich her und liefert mit seiner feisten, aufgeblähten Maske ein wahrlich abschreckendes Beispiel, wenn er kurzatmig, mit heiserer Stimme verächtliche Worte ausspeit.
Die Arroganz der Macht vermittelt Issaka Zoungrana mit prächtigem, schimmerndem Umhang und ehrfurchtsgebietender Herrschermaske. Georg Zeies schindet sich in grobem Fellkleid und verhärmter Maske als Mühsal durchs Stück, und Max de Nil erhält durch sein goldbesetztes Gewand und eine bizarr anmutende Kopfbedeckung meisterliche Würde. Christian Manuel Oliveira als Erde wirkt mit imposanter Maske und unzähligen blauen Schaumstoffwürfeln am Körper wie eine putzige Osterinsel-Skulptur mit spielerischer Bauklötzchen-Leidenschaft.
Keine Pracht, doch reichlich Schauder bekommt Kai Christian Moritz als Elend ab, er verbreitet im hautfarbenen Trikot, mit Latex-Hautfetzen, aufgemalten Verletzungen und einer fürchterlichen Untoten-Maske dezenten Grusel. Das gilt auch für Carolin Kipka, die, mit einer schauerlich vernarbten Baby-Maske als im Mutterleib verstorbenes Kind in die Erdkugel verbannt, flehentlich die Arme ausstreckt.
Beim Premierenpublikum kam das Event-Konzept bestens an, feierte es doch das Ensemble mit ausdauerndem, frenetischem Beifall.
Nächste Vorstellungen am 20., 24. und 25. Juli, Beginn 20.30 Uhr. Karten unter Tel. (09 31) 39 08 124.
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