aktualisiert: 01.03.2013 20:15 Uhr
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WÜRZBURG
Heino im Exklusiv-Interview: Von Totenkopfring und Cover-Songs
Der Volksmusikant über den Wirbel um sein Album mit Coversongs – Am Sonntag zu Gast in Würzburg
„Schwarzbraun ist die Haselnuss“ und „Blau blüht der Enzian“ waren gestern – heute covert Heino „Sonne“ von Rammstein, „Junge“ von Die Ärzte, „Augen auf“ von Oomph! und andere Pop-, Hip-Hop- und Rocksongs. Seine jüngste CD, „Mit freundlichen Grüßen“, Untertitel „Das verbotene Album“, kletterte sofort an die Spitze der Album-Hitparade, was dem 74-Jährigen in seiner 50 Jahre langen Karriere noch nie gelang.
Und noch nie wurde ein Werk eines deutschen Musikers in der ersten Woche so oft legal aus dem Internet heruntergeladen. Die Scheibe hat für mächtigen Wirbel gesorgt, inklusive wenig schmeichelhafter Bemerkungen von den gecoverten Künstlern (wir berichteten). An diesem Sonntag, 3. März, ist Heino Stargast beim „Frühlingsfest 2013“ in Würzburg. Ein Gespräch mit Heino über den Wirbel um die CD, ein Messer in einer Talkshow und seinen neuen Totenkopfring.
Heino: Ich gehe davon aus, dass das die Volksmusik der neuen Generation wird und teilweise schon ist. Wie ich angefangen habe, vor knapp 50 Jahren, habe ich auch Lieder gesungen aus der Bündischen Jugend (Anmerk. d. Red.: eine Jugendbewegung nach dem Ersten Weltkrieg, die die Gesellschaft verändern wollte). Das waren die Leute, die mit dem damaligen System nicht zufrieden waren, das waren deren Rockerlieder. Deswegen habe ich mir gedacht: Jetzt ist es mal wieder an der Zeit, ein neues Repertoire aufzugreifen.
Sie sollen gesagt haben, dass die von Ihnen gecoverten Lieder rein musikalisch lächerlich seien.Heino: Das habe ich nicht gesagt. Das würde ich doch nie machen, etwas lächerlich finden und dann aufnehmen. Ich habe gesagt: Sie sind einfach gestrickt, modern gestrickt, haben gute Texte zum Teil. Aber die Melodien bewegen sich halt nur in einer Oktave. Das ist doch nicht negativ. Der „Enzian“ ging über drei Oktaven. Es ist musikalisch ein anderer Anspruch, das zu singen.
Sie haben die Bands nicht um Erlaubnis fragen müssen, die Songs covern zu dürfen, solange Sie Text und Melodie unverändert lassen . . .Heino: Ja, wir haben nur gefragt, ob wir einige Titel für Werbezwecke benutzen dürfen, und dann haben die natürlich teilweise sehr bösartig reagiert. Aber wenn ich bei den Downloads und beim Verkauf Nummer eins bin, können die doch nicht sagen, es ist schlecht (er lacht). Im Gegenteil: Einige haben sich schon gemeldet, dass sie das ganz toll finden, manche wünschen mir viel Erfolg. Udo Lindenberg hat sogar gesagt: „Warum hat er nicht ein Lied von mir gesungen?“
(Neulich war Heino in der NDR-Talkshow zu Gast. Simone Thomalla hat ihm einen Gedichtband von Till Lindemann überreicht, der ist Sänger und Texter von Rammstein und Lyriker. Thomallas Tochter Sophia ist mit Lindemann liiert. Der Gedichtband heißt „Messer“, und in dem Geschenk für Heino lag ein echtes Messer.)
Was haben Sie empfunden, als Sie dieses Geschenk bekamen?Heino: Ach wissen Sie, der Sänger schweigt und genießt. Ich habe damit kein Problem. Das war witzig gemacht, ich finde das auch witzig. Mir ist das aber eigentlich auch wurscht. Ich bin da nicht so empfindlich.
Sie glauben nicht, dass es eine Form von Kritik oder Unmut war?Heino: Die können doch gar keine Kritik äußern, weil das Lied von ihnen ist.
Macht Sie der aktuelle Erfolg stolz?Heino: Natürlich bin ich stolz, mit 74 den Markt aufzuwirbeln. Klar. Ich bin mehr als stolz.
Jürgen Marcus sang mal: „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben.“ Fühlen Sie ähnlich momentan, was Ihre neue Liebe zu anderer Musik angeht?Heino: Vom Wort her ja. Es findet momentan eine musikalische Integration statt. Ein Freund meines Managers, der halb so alt ist wie ich, hat gesagt, dass er nun zusammen mit seiner Mutter Heino hören kann. Das ist doch schön. Das sind Aussagen, die mich stolz machen. Mein Repertoire ist jetzt erweitert um vieles. Jetzt können wir daran weiterstricken und frische Sachen machen.
Sie planen eine Nachfolge-CD?Heino: Ja, zumindest habe ich bei der Schallplattenfirma noch einen Vertrag auf zwei weitere Optionen. Ich habe ja noch vieles nicht gemacht, was wir vorhatten.
Sie haben einen neuen Totenkopfring.Heino: Den hat meine Frau Hannelore mir in Florida gekauft.
Was bedeutet der Ring für Sie?Heino: Na ja, ich habe ja die ganzen T-Shirts und Tassen und was da so alles auf dem Merchandisingmarkt rauskommt jetzt, da ist der Totenkopf ja auch drauf. Deswegen habe ich jetzt auch den Ring, das hat ja auch die Plattenfirma angeregt.
Um Ihnen ein neues Image zu verpassen?Heino: Ja, ein jüngeres Image.
Singen Sie in Würzburg auch Lieder Ihres neuen Albums?Heino: Ich singe ein Hit-Medley von mir, dann „Junge“ von den Ärzten und dann zum Schluss wieder ein Fahrtenlieder-Medley, also einen Titel von der neuen CD.
Haben Sie denn keine Angst, das bei einem typischen Volksmusik-Frühlingsfest zu erwartende Publikum mit dem gecoverten Ärzte-Lied ein wenig zu verschrecken?Heino: Ganz im Gegenteil. Ich habe das ja schon häufiger gemacht zuletzt, und es ist jetzt schon einer der größten Erfolge auf der Bühne. Ich habe da gar keine Angst.
Heino in Würzburg
Der Sänger, geboren am 13. Dezember 1938 in Düsseldorf-Oberbilk, heißt bürgerlich Heinz Georg Kramm. Durch sein markantes Auftreten mit blondem Haar samt Haarteil und schwarzer Sonnenbrille sowie seinem charakteristischen Bariton wurde Heino zu einer Art popkultureller Ikone, die im deutschsprachigen Raum einen Bekanntheitsgrad von angeblich über 90 Prozent erreicht. 50 Millionen Tonträger soll Heino verkauft haben. Die dunkle Sonnenbrille trägt er aufgrund seiner Erkrankung an Morbus Basedow.
An diesem Sonntag, 3. März, ist Heino ab 18 Uhr der Stargast bei „Das Frühlingsfest 2013“ in der Würzburger s.Oliver Arena, das von Florian Silbereisen präsentiert wird. Weitere Gäste sind unter anderem Lena Valaitis, Marianne & Michael, Gotthilf Fischer und die aus dem unterfränkischen Kirchaich (Lkr. Haßberge) stammende Band Die Dorfrocker. Karten an der Abendkasse.
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