publiziert: 23.06.2011 16:06 Uhr
aktualisiert: 24.06.2011 17:52 Uhr
» zur Übersicht Kultur
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text BAD KISSINGEN
Kein Rausschmeißer nach Mozarts Jupiter-Sinfonie

Aleksandar Markovic und das Franz Liszt Kammerorchester verzichteten beim Kissinger-Sommer-Konzert auf eine Zugabe

Es klingt vielleicht ein bisschen seltsam, wenn man ein Orchester dafür lobt, dass es nicht spielt, aber die Tatsache, dass Aleksandar Markovic und das Franz Liszt Kammerorchester Budapest auf jegliche Zugaben verzichteten, trug wesentlich zum Gelingen ihres Abends „Wiener Klassik“ beim Kissinger Sommer bei.

Kein ungarischer, kein slawischer und auch sonst kein Tanz, keine Leichte Kavallerie, keine Abschiedsschnulze – Mozarts Jupiter-Sinfonie, beendet mit dieser furiosen, immer wieder neu aufgenommenen Fuge, kann weiterwirken, ohne dass der Eindruck durch einen der üblichen Rausschmeißer überlagert wird.

Überhaupt: In diesem kurzen, unprätentiösen Programm passt alles – ein noch ganz im Rokoko verhaftetes Trompetenkonzert von Haydn, Beethovens erstes Klavierkonzert, das wie der Beginn des Abschieds von seinen Vorbildern Haydn und Mozart wirkt, und schließlich Mozarts letzter Beitrag zum Thema Sinfonie. Der ungarische Trompeter Gábor Boldoczki spielt einen wohlgeordneten Haydn, mit ganz leicht rauchigem Ton, langem Atem und locker-mühelosen virtuosen Einsprengseln. Hier kündigt sich erst an, was das Instrument einst können wird, mehr will Boldoczki auch gar nicht zeigen. Mit liebevoller Sorgfalt zeichnet er Haydns Ideen nach, deren vermeintliche Einfachheit sich so als Fundgrube funkelnder Minimotive entpuppt.

Nach dem klaren, direkten Trompetenton wirkt der Klang des Flügels eher diffus. Was nicht an Boris Berezovsky liegt, der (von Noten) eine mitreißend kaltschnäuzige und dennoch sensible Version von Beethovens Erstem abliefert, sondern an der Aufstellung: Der Flügel steht ohne Deckel mit der Schmalseite zum Publikum, was neben dem akustischen Verlust auch den Nachteil hat, dass man nur die Füße des Solisten sieht.

Fast pantomimische Gestik

Dennoch: Boris Berezovsky vereint zupackende und umstandslose Annäherung und immer wieder überraschend filigrane Passagen zu äußerst lebendigem Spiel. Aleksandar Markovic dirigiert auch die Sinfonie ohne Taktstock.

Seine fast pantomimische Gestik wirkt nicht ganz uneitel, aber sie funktioniert. Wenn er auch den unbedeutendsten Cello-Einwurf mit dramatisch verdrehter Hand in Gang setzt. Wenn er seitlich in die Knie geht, um mehr Behutsamkeit einzufordern. Oder wenn er den Geigen ein Seitenthema entwindet wie eine lange Stoffbahn.

Das Resultat jedenfalls kann sich hören lassen: Das Orchester musiziert inspiriert und sichtlich mit Spaß. Und so entlassen die Budapester das Publikum mit den Klängen einer wunderbar rasanten Mozart-Fuge in die mittsommerliche Dämmerung.

Von unserem Redaktionsmitglied Mathias Wiedemann
    
    

Diesen Artikel

Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen.
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Rubriken

    
Anzeige

Stadtkultur Schweinfurt 

Theater, Kabarett,
Kunst und mehr
Die Stadt Schweinfurt hat kulturell eine ganze Menge zu bieten. »mehr

Kino 

Lust auf Kino?
Das regionale Kinoprogramm finden
Sie hier. »mehr

Online-Tickets 

Hier bestellen
Ob Konzert, Theater oder Gala - kaufen Sie hier Ihre Eintrittskarten »mehr

In Serie 

Kollege Mathias Wiedemann beschäftigt sich mit den bekanntesten TV-Serien der letzten Jahre. »mehr

Leserbriefe 

Schreiben Sie uns
Wenn Sie uns einen Leserbrief schreiben wollen, dann können Sie das direkt hier tun. »mehr