publiziert: 01.07.2010 16:07 Uhr
aktualisiert: 01.07.2010 16:16 Uhr
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Kissinger Sommer: Beethovens liebevolle Mozart-Hommage

Rudolf Buchbinder und die Tschechische Philharmonie in Bad Kissingen

Die zweite Sinfonie von Johannes Brahms gibt es nicht. Es gibt zumindest nicht eine zweite Sinfonie von Johannes Brahms. Das gilt natürlich in der Musik immer, aber selten wird es so deutlich wie beim Vergleich der Versionen von Jonathan Nott und Nikolaj Znaider.

Nott hat das Stück mit seinen Bambergern vor Kurzem als hochkomplexe Gedankenreise vorgestellt, der man deutlich die intensive Auseinandersetzung mit Mahler anmerkte. Bei Nikolaj Znaider und der Tschechischen Philharmonie am Mittwoch beim Kissinger Sommer ist es eher ein selbstvergessener, ein wenig zielloser Spaziergang durch freilich faszinierende Landschaften. Znaider und die Prager interessiert eher das Musikantische. Ihr Brahms ist ganz dem Augenblick verhaftet, diesseitig, direkt und nicht übermäßig differenziert. Das hört sich durchaus gut an, mit schönen Bläsersoli und runden Streichern. In den Sätzen zwei bis vier funktioniert das besser, im ersten zeigen sich allerdings bald Längen. Wenn die immer wieder auftauchenden Themen immer im gleichen Licht erscheinen, sind sie einfach nur Wiederholungen.

Vielleicht hätte man zuvor Rudolf Buchbinder ein wenig genauer zuhören sollen. Der beeindruckt im dritten Klavierkonzert von Beethoven einmal mehr mit seiner Fähigkeit, in wenigen Tönen die Essenz der Musik freizulegen. Er spielt das Stück als liebevolle und nur verhalten kantige Hommage Beethovens an Mozart und nicht, als wäre es ein Stück von Mozart – was angesichts all der Bezüge bestimmt verlockend wäre.

Man kann sich vorstellen, dass Buchbinder ein guter Geschichtenerzähler ist: einer, der weiß, worauf es ankommt, wie man Spannung erzeugt, wie man zu Tränen rührt und wie man Staunen macht. Am Flügel jedenfalls ist Rudolf Buchbinder ein wunderbarer Erzähler. Vermutlich, weil die lebenslange Auseinandersetzung mit dieser Musik sein eigenes Staunen immer nur noch vergrößert hat.

Von unserem Redaktionsmitglied Mathias Wiedemann
    
    

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