aktualisiert: 09.07.2009 16:44 Uhr
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BAD KISSINGEN
Kissinger Sommer: Die Rachegöttin und der zurückhaltende Meister
Faszinierende Gegensätze bei der Wiener Klassik-Gala mit Simone Kermes und Melvyn Tan
Rachegöttin in Orange trifft Verkörperung der Zurückhaltung in Schwarz. Die Wiener Klassik-Gala des Kissinger Sommers spannte die exzentrisch auftretende Sopranistin Simone Kermes (orangefarbenes Haar und Kleid) und den Hammerklavier-Meister Melvyn Tan (in bescheidenes Schwarz gehüllt) zusammen. Das verbindende, beseelende Element zwischen beiden war die Wiener Akademie, die unter Leitung von Martin Haselböck den Abend im fast ausverkauften Max-Littmann-Saal des Regentenbaus zu einem Erlebnis machte.
Die Herzen des Publikums gewann Tan mit Mozarts C-Dur-Konzert für Klavier und Orchester KV 503. Es war erstaunlich, welch differenzierten, leuchtenden und reinen Ton Tan dem Hammerklavier entlockte. Hochgeschwindigkeitsläufe perlten in unglaublicher Anschlagskultur. Ein von der Schönheit mozartscher Melodien überwältigter, keck blickender und fast immer lächelnder Melvyn Tan zauberte Triller, die Auge und Ohr fast überforderten. Schade, dass keine Großleinwände seine Mimik einfingen, um sie auch den in den letzten Reihen sitzenden Zuhörern zu zeigen.
Die dramatische Ausdruckskraft der draufgängerischen Opernsängerin schränkte die Notenmappe, die sie in Händen hielt, ein. Phänomenal der außergewöhnliche Stimmumfang von Simone Kermes, die zum Auftakt Beethovens dramatische Szene und Arie für Sopran „Ah, perfido!“ von der Bühne schleuderte. Nie klang ihre Stimme schrill, nie schien ihr die Luft auszugehen. Auch in Mozarts heroischer Elektra-Arie „Ma che vi fece, o stelle?“ kamen die höchsten Töne mit makellosem Ansatz und steigerten sich ins Dramatische. Sicher meisterte die Sopranistin jede scharfkantige Klippe, die Mozarts koloraturenreiche Arie birgt.
Nach so viel Virtuosität war Beethovens vierte Sinfonie ein Quell der Entspannung. Gefühlvoll und feinsinnig gestaltete Haselböck die mystische Einleitung vor dem munteren, freudigen Allegro vivace. Heiter und innig musizierte die Wiener Akademie, die Spielfreude stand den Musikern ins Gesicht geschrieben. Der anfangs dramatische Finalsatz klang graziös und heiter aus, verströmte ungetrübte Lebensfreude.
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