publiziert: 04.07.2012 18:16 Uhr
aktualisiert: 04.07.2012 18:19 Uhr
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Kissinger Sommer: Kult-Pianist Grigory Sokolov und das Wesen mozartscher Genialität

Der 62-Jährige begeisterte auch mit einer Rameau-Komposition und den Händel-Variationen von Brahms

Ein Mann und ein Klavier – mehr braucht's nicht, um das Publikum zu begeistern. Zumindest, wenn Grigory Sokolov am Flügel sitzt. Beim Kissinger Sommer gab der russische Virtuose mit Kult-Status im großen Saal des Regentenbaus ein umjubeltes Solo-Konzert.

Zu den Überraschungen des Abends gehörte die Interpretation von Mozarts a-Moll-Sonate. Bei Sokolov hatte schon der erste Satz nichts Martialisches und künstlich Dramatisiertes an sich. Der 62-Jährige spielte den Mozart nicht, als ob es sich um Beethoven handle. Unverkrampft und dennoch mit klarer Kontur präsentierte er das Werk.

Spätestens kurz vor der Reprise, beim chromatischen Sechzehntel-Aufstieg, den Sokolov mit anrührender Zartheit und fast ehrfürchtiger Präzision spielte, war klar: Hier hat ein Pianist das Wesen mozartscher Genialität erfasst. Mit durchdachter Phrasierungskunst gestaltete Sokolov das F-Dur-Andante als pastoralen Ruhepol vor dem aufwühlenden a-Moll-Finale. So spielte er sowohl die Sonate von Mozart wie auch die Händel-Variationen von Brahms mit der für ihn so charakteristischen beispiellosen Mischung aus Konzentriertheit und Lockerheit.

Bewundernswert war, wie Sokolov innerhalb der Abfolge der 25 Variationen immer wieder Grüppchen aus zwei bis vier zu Einheiten zusammenfasste und dennoch gleichzeitig die beinahe sinfonische Sogkraft der Gesamtanlage bis hin zur packenden Schlussfuge nicht aus den Augen verlor. Dieses sorgsam austarierte Verhältnis zwischen präzis gestalteten Details und übergeordneter musikalischer Großarchitektur war auch für die Art und Weise charakteristisch, wie Sokolov die „Suite en re“ von Jean Philippe Rameau aus dem Jahre 1724 vortrug. Gerade bei Rameaus Ornamentik erwies sich der Virtuose als ein Meister der Genauigkeit und Noblesse und dadurch auch als jemand, der den Sinn dieser hochartifiziellen Musiksprache für heutige Zuhörer verständlich macht.

Der Wille zur Anschaulichkeit prägte zudem Sokolovs Vortrag der Brahms-Intermezzi, nach denen er den hingerissenen Zuhörern die stolze Zahl von sechs Zugaben gab.

Von unserem Mitarbeiter Frank Kupke
    
    

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