publiziert: 20.06.2008 12:00 Uhr
aktualisiert: 20.06.2008 15:01 Uhr
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Kissinger Sommer: Wenn Klaus Maria Brandauer zum Elfchen wird

Ein beeindruckender „Sommernachtstraum“ beim Kissinger Sommer
  • Klaus Maria Brandauer.
    FOTO dpa
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Mehr als 400 Jahre auf dem Buckel – und dennoch von bezaubernder Attraktivität: William Shakespeares Komödie „A Midsummer Night's Dream“ hat die Fantasie von Dichtern, Komponisten und Schauspielern zu unterschiedlichsten Interpretationen angeregt. Dass aber ein Mann das gesamte irdische und jenseitige Ensemble auf sich vereinigt, die schillernden Charaktere verinnerlicht und ausspielt, hat sich der englische Autor sicher nicht träumen lassen.

Klaus Maria Brandauer agiert mit diesem Anspruch auf der Bühne des voll besetzten Kurtheaters, macht den „Sommernachtstraum“ zu einem Höhepunkt des Kissinger Sommers. In dem 90-minütigen Solo schlüpft er in die rund zwanzig Rollen, flüstert wie ein Elfchen und poltert in derbem Handwerkerton. Allein mit der Kraft und Variationsbreite der Sprache knüpft Brandauer die Knoten des verwickelten Sommernachtstraums und entwirrt sie in überlegener Ruhe oder hektischem Gewusel. Er mimt den Oberon zornverbissen, gnädig gestimmt und von Reue geplagt. Der rastlos hechelnde, vermaledeite, närrische Kobold Puck taucht urplötzlich auf und verschwindet in einer vom Liebesrausch betörten Titania, der auch die Eseleien ihres Angebeteten Entzücken bereiten.

Den rasanten Wechsel der Stimmungen und Stimmlagen begleitet der hochdekorierte Schauspieler, der am morgigen Sonntag 65 Jahre alt wird, mit punktgenau stimmiger Mimik: kein Lächeln zu viel, keine Zornesfalte zu wenig! Brandauer erobert und beherrscht die Bühne mit sparsam eingesetzten, aber detailliert ausgespielten Gesten. Mit verschmitztem Lächeln oder suchenden Blicken hält er Kontakt zum Publikum, das ihm willig und begeistert durch das Traumspiel folgt.

Begleitet, untermalt und mitgestaltet wird Brandauers Theaterkunst vom Klavierduo Andreas Grau und Götz Schumacher. Ihre launige und akkurate Interpretation von Mendelssohn Bartholdys Schauspielmusik zum verzwickten Spiel der Liebeslist verführt zum genießenden Zuhören. Brandauers leicht ironischer Kommentar am Ende des kräftig ausschreitenden „Hochzeitsmarsches“ gilt für den gesamten Abend: „Schön! Sehr schön! Immer wieder sehr schön!“

Online-Tipp

Alle Berichte zum Kissinger Sommer im Internet unter: www.mainpost.de

Von Reinhard Glaab
    
    

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