aktualisiert: 20.06.2010 18:09 Uhr
Text
Text
BAD KISSINGEN
Klaus Maria Brandauer - Der lüsterne Librettist
Begeisterter Beifall für Klaus Maria Brandauer
Er gilt als Diva, als „Österreichs Schwieriger“. Aber auf der Bühne ist er Meister, Jongleur nuancenreicher Schauspielkunst, Magier. „Che inferno – Was für eine Hölle“, ruft Klaus Maria Brandauer, stürmt die Bühne, setzt sich stumm ans Lesepult und lässt erst mal den Pianisten Arno Waschk einige Takte aus Mozarts A-Dur-Sonate spielen. „Casanova, Da Ponte und ein Genie“ hieß die musikalische Lesung im Rahmen des Kissinger Sommers.
Brandauer taxiert mit wachem Blick das Publikum im nahezu ausverkauften Kurtheater. Er trägt ein weißes T-Shirt, eine schwarze Hose und einen gefährlich eng zugeknöpften schwarzen Baumwollsakko. Eine Bleistiftspitze ragt aus der Brusttasche. Er wirkt lässig, aber konzentriert.
Dann beginnt er zu lesen. Eineinhalb Stunden lang. Ohne an einem Wasserglas zu nippen. Fast durchgehend – mit kleinen Erholungspausen bei feinsinnigen Klaviereinschüben aus Mozarts F-Dur-Sonate, Schumanns „Mondnacht“, Schuberts „Der Tod und das Mädchen“. Anfangs liest Brandauer sehr routiniert, fast ein wenig schludrig. Dann steigert er die Intensität, zieht das Publikum in Bann, nimmt Blickkontakt auf. Die Story kreist um die 1780er Jahre. Die Wege der drei berühmten Männer kreuzen sich immer wieder, manchmal ohne dass sie es wissen. Mal in Venedig, dann in Wien, die letzte Begegnung ist in Prag. Da Ponte schreibt das Libretto für Mozarts„Don Giovanni“, an dem auch Casanova irgendwie mitwirkt.
Brandauer wird zum lüsternen Librettisten und Priester Lorenzo da Ponte („Morgens eine kleine Messe. Nachmittags ein kleines Spielchen. Abends ein kleines Weibchen“). Dann steigert er sich in die Fantasien des alternden Giacomo Casanova. Waschk spielt den „Fandango“ von Padre Antonio Soler. Brandauer taktiert, pulsiert, summt erst leise mit. Dann spreizt er die Arme, nimmt mit den Beinen den Rhythmus auf, tanzt sitzend am Lesepult.
Auf einmal ist die Luft geschwängert von Leidenschaft. Ganz kurz, dann pfeift Brandauer schrill durch die Finger: „Schluss, aus.“ Doch es gibt noch die frivolen, derben Briefchen von Mozart an sein Bäsle – Bravourstückchen für den charismatischen Österreicher. Begeisterter Beifall.
Diesen Artikel
Die neuesten Kommentare
Stadtkultur Schweinfurt
Kunst und mehr Die Stadt Schweinfurt hat kulturell eine ganze Menge zu bieten. »mehr

Wetter
