publiziert: 28.05.2008 11:10 Uhr
aktualisiert: 28.05.2008 11:23 Uhr
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Knalltüten-Lurch und Unterhosen-Zwerg

Illustrator Michael Schober übers Fluchen von Kindern – Kinder- und Jugendbuchmesse in Nordheim
  • Schimpfwörter-ABC
    Esslinger Verlag
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Wer flucht, gilt schnell als schlecht erzogen oder aggressiv. Dass Schimpfen aber etwas sehr Fantasievolles sein kann, beweist das Kinderbuch „Das verrückte Schimpfwörter-ABC“: Vom „langweiligen Knalltüten-Lurch“ bis zum „glupschäugigen Couchkissen-Teufel“ reicht die Schimpfwörter-Auswahl. Illustrator Michael Schober, der am Freitag bei der ersten Kinder- und Jugendbuchmesse in Nordheim (Lkr. Kitzingen) das Buch vorstellt, erzählt im Interview von der Lust des Schimpfwörter-Erfindens und geschlechtsspezifischen Unterschieden beim Fluchen.

Frage: Was ist Ihr Lieblingswort aus dem „Schimpfwörter-ABC“?

Michael Schober: Intergalaktischer Unterhosen-Zwerg. Oder Missmutiger Muffel-Maulwurf, der sieht ein bisschen aus wie Norbert Blüm.

Schimpfen Kinder heute anders, als es Generationen vor ihnen getan haben?

Schober: Vielleicht ist das Schimpfen herber geworden, ja.

Waren Kinder früher fantasievoller?

Schober: Ich denke, das ist zu weit gegriffen. Bei Lesungen bin ich oft erstaunt, wie wortgewandt einige Kinder sind oder was für eine tolle Formensprache sie beim Zeichnen haben.

Fluchen Jungs anders als Mädchen?

Schober: Das kann ich nicht beurteilen. Auffälliger finde ich den Unterschied zwischen Stadt- und Landkindern. Ich halte bis zu 50 Lesungen pro Jahr und stelle immer wieder fest, dass die Kinder vom Land oder aus der Kleinstadt disziplinierter sind als die aus der Großstadt. Dort weht manchmal ein rauerer Wind, auch was Schimpfwörter angeht.

Würden Sie das „Schimpfwörter-ABC“ als pädagogisch wertvoll bezeichnen?

Schober: Nein. Klar sind viele Eltern froh, wenn ihre Kinder zur Abwechslung mal fantasievoll schimpfen. Die Begriffe zu entwickeln, war eine ziemliche Gratwanderung. Es sollten keine bösartigen Schimpfwörter sein und keine Fäkalsprache – aber eben auch nicht zu harmlos. Sind Wörter wie „erbärmlich“, „kratzbürstig“ und „obermickrig“ pädagogisch wertvoll? Ich glaube nicht. Sie machen einfach nur Spaß. Und das ist auch der Sinn des Buchs. Man sollte danach nicht sagen können: „Mensch, jetzt kann ich noch besser schimpfen“, sondern eher: „Richtig derbe Wörter brauche ich zum Schimpfen gar nicht.“

Für welche Altersgruppe ist das Buch geeignet?

Schober: Für Kinder ab drei Jahren. Das Buch wird aber auch sehr gern von Erwachsenen gekauft. Es gibt einen Nachfolger, das „Schmusewörter-ABC“, mit Kombinationen wie „drolliger Glücks-Brummer“ oder „entzückender Veilchen-König“. Verliebte können sich erst das „Schmusewörter-ABC“ kaufen, und wenn das erste Verliebtsein abgeflaut ist das „Schimpfwörter-ABC“ (lacht).

Benutzen Ihre Kinder das Schimpfwörterbuch?

Schober: Natürlich. Wir beschimpfen uns gerne als „obermickriger Unterhosen-Vogel“ oder ähnlich, das hat sich bei uns schon etabliert.

Wie sind die einzelnen Schimpfwörter entstanden?

Schober: Autorin Regina Schwarz hatte die Idee. Meine Aufgabe war es, zu sagen, ob sich ihre Schimpfwörter auch bildlich umsetzen ließen. Manche waren als Wort wunderbar, ließen sich aber nicht darstellen. Andere wiederum haben gut funktioniert – der „alberne Anzug-Affe“ etwa. Das Buch ist dreigeteilt, jeder Teil ist einzeln aufklappbar. Im Fall des Affen zeigt das obere Drittel einen Affen mit albernem Gesichtsausdruck. In der Mitte sieht man einen Anzug, im unteren Drittel die Affenbeine. Mein Ziel war, dass man alle Begriffe auch getrennt voneinander erraten kann.

Wie lange haben Sie an dem Projekt gearbeitet?

Schober: Die reine Arbeitszeit an den Illustrationen betrug etwa ein Vierteljahr. Normalerweise schreibt jemand einen Text, der wird illustriert, fertig. Bei diesem Buch haben Regina Schwarz, unsere Lektorin Sabine Frankholz und ich sehr eng zusammengearbeitet und akribisch alle Texte und Bilder durchgesprochen. Eine sehr zeitaufwändige Angelegenheit. Für den Buchstaben W – der „wabblige Wackel-Wurm“ – habe ich 14 Skizzen entworfen, bis endlich alle zufrieden waren.

Haben Sie bei den Arbeiten auch Kinder zu Rate gezogen?

Schober: Ich habe mit meinen Söhnen die Skizzen besprochen. Mein Ältester ist zwölf, der andere neun, beide waren recht kritisch. Regina hat ihre Schimpfwörter auf Lesungen getestet und sie Kindern aus der Nachbarschaft vorgelesen. Dabei kam heraus, dass es Begriffe gibt, die Kinder heute gar nicht mehr kennen, weil sie anscheinend nicht mehr gebräuchlich sind. Umso schöner fand ich es, ein fast vergessenes Wort wie „erbärmlich“ so zu illustrieren, dass es wirklich Mitleid erregt.

Im Blickpunkt

Kinder- und Jugendbuchmesse Bei der ersten Kinder- und Jugendbuchmesse in der Winzergenossenschaft Nordheim (Divino, Landgasse 33) präsentieren von heute, Mittwoch, 28. Mai, bis Samstag, 31. Mai, 30 Verlage 1000 Neuerscheinungen. Am Freitag, 30. Mai (13 bis 15 Uhr) bieten Regina Schwarz und Michael Schober einen Workshop und eine Lesung zum „Schimpfwörter-ABC“ an. Veranstalter der Messe ist die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. Informationen unter Tel. (0 93 81) 43 55, Internet: www.akademie-kjl.de

Das Gespräch führte Catharina Hettiger
    
    

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