publiziert: 29.03.2009 14:38 Uhr
aktualisiert: 30.03.2009 10:41 Uhr
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Mainfranken Theater: Mobbing in der Provinz auf Weltniveau

„Der Parasit“ am Mainfranken Theater

Helfen Mobbing und Intrigen bei der Karriere? Oder gewinnt am Ende doch das Gute? „Der Parasit“ stellt diese Fragen, und Schauspieldirektor Bernhard Stengele macht in seiner Inszenierung am Würzburger Mainfranken Theater ein überaus flottes und kurzweiliges Vergnügen aus dem Friedrich-Schiller-Stück.

  • Frisch gewählt: Rainer Appel als Chef.
    FOTO Thomas Obermeier
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Stengele lässt keinen Zweifel daran, dass er das 1803 am Weimarer Hoftheater erstaufgeführte Stück – Bearbeitung eines Lustspiels des Franzosen Louis-Benoit Picard – als Beitrag zu unserer Gegenwart versteht: einer Gegenwart, der noch mit Mitteln des Kabaretts begegnet werden kann. Die eingangs aus lauter Worthülsen collagierte Dankesrede des frisch gewählten „Chefs“ Narboni (Rainer Appel als überzeugende Inkarnation des machtbewussten Politikers) an seine „Wähler“ macht das deutlich

    
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Würzburg
    

In ihren perfekt sitzenden Business-Anzügen, mit den dazu passenden Designer-Brillen sind die Darsteller unschwer als Mitglieder einer Führungselite zu erkennen. Vor einem überdimensionalen Wahlplakat, das Würzburgs neuen Werbe-Slogan „Provinz auf Weltniveau“ gehörig ironisiert, spielt das Geschehen in kühler Büro-Atmosphäre.

Selicour, der „Parasit“ (aalglatt Kai Christian Moritz), will nach oben, will ganz nah ran an die politische Macht. Dazu ist ihm jedes Mittel recht: Er intrigiert, manipuliert, mobbt redliche Konkurrenten wie La Roche (Andreas Anke mit dezenter Noblesse), nutzt Untergebene wie Firmin (Max de Nil auf dem schmalen Grat zwischen Selbstbewusstsein und -zweifel) aus, ist rhetorisch perfekt und passt sich geschmeidig den Strukturen an, die Erfolg garantieren: kriechen nach oben, treten nach unten – frei von moralischen Grundsätzen. Doch Selicour will noch mehr. Er weitet sein Erfolgsmodell auf die Liebe aus, buhlt um die Zuneigung von Karlotta (als Gast: Anne Diemer, etwas schrill), der attraktiven Tochter des Chefs, mit Gedichten des Künstlers Karl (jugendlich ungestüm: Philipp Reinheimer), der in Karlotta verliebt ist.

Witz und Spannung

Doch die, die dabei auf der Strecke blieben, allen voran La Roche und Karl Firmin, verbünden und wehren sich, indem sie den Aufsteiger mit seinen eigenen Waffen zu schlagen versuchen. Aus diesen Widersprüchen bezieht das Stück enormen Witz. Stengeles temporeiche, mit immer neuen Überraschungen und musikalischen Einschüben (von der Bayernhymne bis zum Frankenlied) aufwartende Inszenierung baut immense Spannung auf.

Macht man mit fragwürdigen Methoden Karriere? Wie in der Realität scheint auch auf dem Theater die Zeit der Eindeutigkeiten vorbei, so dass Stengele und sein insgesamt hervorragendes Ensemble gleich drei verschiedene Varianten des Finales anbieten. Da darf sich jeder Zuschauer sein Lieblings-Ende wählen. Stürmischer Applaus nach der Premiere.

Nächste Vorstellungen: 4., 8., 9., 18., 21., 24. April. Karten unter: Tel. (09 31) 39 08-124

Von unserem Mitarbeiter Manfred Kunz
    
    

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